Naturkatastrophen selten versichert

Nicht nur bei Naturkatastrophen zeigt sich der Nutzen der Assekuranz © Gina Sanders - Fotolia.com

Die Schäden nach Naturkatastrophen sind nur zu einem Drittel versichert. Das ist gut für Versicherer, aber schlecht für die Wirtschaft. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Assekuranz wird erkennbar.

Eine Reihe schwerer Erdbeben und Stürme hat 2016 laut einer Bilanz aller Schäden aus Naturkatastrophen durch Munich Re zu den höchsten Schäden aus Naturkatastrophen seit vier Jahren geführt. Sie betrugen 175 Milliarden US-Dollar, gut zwei Drittel mehr als im Vorjahr und annähernd so viel wie 2012 (180 Milliarden US-Dollar). Der Anteil der nicht versicherten Schäden, die so genannte Versicherungslücke, blieb mit rund 70 Prozent unverändert hoch. Knapp 30 Prozent der Schäden, 50 Milliarden US-Dollar, wurden von Versicherern getragen.

„Nach drei Jahren mit relativ niedrigen Naturkatastrophenschäden lagen die Schadenssummen 2016 wieder im mittleren und damit zu erwartenden Rahmen. Schäden eines einzelnen Jahres sind natürlich Zufall und kein Trend. Bitter für die Betroffenen ist der hohe Anteil nicht versicherter Schäden vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Eine höhere Versicherungsdichte ist wichtig, um die finanziellen Folgen einer Katastrophe für Menschen möglichst zu lindern. Mit ihrem Risikowissen ist die Versicherungswirtschaft in der Lage, einen deutlich höheren Teil solcher unvorhersehbarer Risiken zu tragen“, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek.

Die wichtigsten Zahlen der Naturkatastrophenbilanz 2016 im Überblick:

  • Die Gesamtschäden und die versicherten Schäden lagen über dem inflationsbereinigten Durchschnitt der vorangegangenen 10 Jahre (154 Milliarden US-Dollar, davon versichert 45,1 Milliarden US-Dollar).
  • Bereinigt um Kleinstereignisse wurden 750 relevante Schadenereignisse wie Erdbeben, Stürme, Unwetter, Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen in der Datenbank NatCatSERVICE von Munich Re erfasst. Das waren deutlich mehr als der 10-Jahres-Schnitt von 590.
  • 700 Menschen kamen bei den Naturkatastrophen bedauerlicherweise ums Leben. Zumindest waren dies deutlich weniger als 2015 (25.400) und im 10-Jahres-Durchschnitt (60.600). Damit ist das vergangene Jahr nach 2014 (8.050 Tote) das Jahr mit der geringsten Zahl an Todesopfern seit 30 Jahren (1986: 8.600).
  • Außergewöhnlich war der hohe Anteil von Überschwemmungen wie Hochwasser an Flüssen und Sturzfluten, die 34 Prozent zu den Gesamtschäden beitrugen. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre betrug ihr Anteil 21 Prozent.

Erdbeben auf Kyushu in Japan war teuerste Naturkatastrophe 2016

Die teuersten Naturkatastrophen des Jahres ereigneten sich in Asien mit zwei Erdbeben auf der südjapanischen Insel Kyushu nahe der Stadt Kumamoto im April (Gesamtschaden 31 Milliarden US-Dollar, versicherter Anteil knapp ein Fünftel) und mit schweren Überschwemmungen in China im Juni und Juli (Gesamtschaden 20 Milliarden US-Dollar, davon waren nur knapp zwei Prozent versichert).

Nordamerika wurde 2016 von mehr Schadenereignissen getroffen als in jedem anderen Jahr seit 1980: 160 Ereignisse wurden registriert. Am schwerwiegendsten war Hurrikan Matthew, der in der Karibik das noch vom Erdbeben 2010 gezeichnete Haiti wiederum schwer traf: Rund 550 Menschen kamen dort ums Leben. Auch an der US-Ostküste der USA richtete Matthew schwere Schäden an. Von der gesamten Schadenssumme von 10,2 Milliarden US-Dollar war gut ein Drittel versichert.

Serie von Unwettern in Europa, Waldbrände in Kanada

In Nordamerika gab es zudem mit dem Fort McMurray-Waldbrand im Mai in Kanada und schweren Überschwemmungen in den südlichen US-Bundesstaaten im Sommer ungewöhnliche Wetterextreme zu verzeichnen. In Kanada ermöglichten geringe Schneemengen im Winter und Dürre nach hohen Temperaturen im Frühjahr den verheerenden Waldbrand, der in der Ölsand-Förderregion Alberta einen Gesamtschaden von vier Milliarden US-Dollar auslöste. Mehr als zwei Drittel des Schadens waren versichert. In Louisiana und anderen US-Bundesstaaten verursachte ein Hochwasser nach einem andauernden Regentief im August zehn Milliarden US-Dollar Schaden, gut ein Viertel war versichert.

In Europa ereignete sich Ende Mai und Anfang Juni eine Serie von Unwettern. Diese lösten mit Starkregen insbesondere in Deutschland zahlreiche Sturzfluten und in Frankreich ein schweres Hochwasser der Seine im Großraum Paris aus. Der Gesamtschaden betrug sechs Milliarden US-Dollar (im Vorjahreszeitraum 5,4 Milliarden US-Dollar), wovon die Hälfte versichert war.

„Ein Blick auf einige wetterbedingte Katastrophen des vergangenen Jahres zeigt, wie sich ein ungebremster Klimawandel auswirken könnte. Natürlich lassen sich einzelne Ereignisse nie direkt auf den Klimawandel zurückführen. Jedoch spricht inzwischen viel dafür, dass der Klimawandel bestimmte Ereignisse wie anhaltende Wetterlagen oder Unwetter mit Starkregen und Hagel in bestimmten Regionen schon heute wahrscheinlicher macht“, sagte Peter Höppe, Leiter der Geo-Risiko-Forschung von Munich Re. (db)