Näher hingeschaut: FS Colibri Event Driven Bonds

Andreas Meyer - Foto: © Fountain Square Asset Management GmbH

Er ist zwar an Lebensjahren noch kein „alter Hase“, aber verfügt über sehr fundierte Kenntnisse und Know-how. Und genau das bringt er seit 2021 in sein eigenes Unternehmen mit ein. Andreas Meyer, Gründer der Fountain Square Asset Management GmbH. Wir sprachen mit ihm über die Beweggründe und die Investmentphilosophie des FS Colibri Event Driven Bonds. 

finanzwelt: Andreas, nach mehreren beruflichen Stationen, zuletzt bei der ARAMEA AG, bist du im vergangenen Jahr den Weg in die Selbstständigkeit gegangen. Was reizt dich daran besonders?
Andreas Meyer: Mit nun 32 Jahren, und zuvor sechs Jahren bei einem etablierten Asset Manager wie der Aramea, war dann einmal Zeit für etwas Neues. Es gab zahlreiche Aspekte, die für diesen Schritt gesprochen haben. Zum einen geht die Selbstständigkeit natürlich mit vielen Freiheiten einher. Die genießen wir nun in der neuen Struktur sehr. Wir sind „Überzeugungstäter“ im positivsten Sinne und lieben was wir täglich tun dürfen.

Dazu gehört einerseits natürlich der unternehmerische Part. Wichtig war uns alle administrativen Tätigkeiten auszulagern, sodass wir uns 24/7 dem Fondsmanagement und dem Kontakt zu unseren Investoren widmen können. Viele neue Aspekte haben wir bereits umgesetzt und es sprudelt weiterhin an Ideen. Weiterhin können wir auch das Fondsmanagement, wie wir es sehen, neu denken. Das funktioniert bereits exzellent. Im Screening und der Analyse haben wir viele neue Ansätze herausgearbeitet, um nach passenden Opportunitäten zu screenen. So erarbeiten wir aktuell beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Datenanbieter Bloomberg ein komplett neues auf unsere Bedürfnisse abgestimmtes Screening-Tool.

finanzwelt: Um es Außenstehenden zu erklären – was verkörpert die Fountain Square Asset Management GmbH?
Meyer: „Out of the box“. Diese Denk- und Arbeitsweise steht über allem und ist Basis unseres täglichen Handelns. Der Name Fountain Square (zu dt. Brunnenhof) geht auf den Gründungsort auf St.Pauli im Herzen Hamburgs zurück, was sicherlich auch als eher unkonventionell beschrieben werden darf. Wir möchten mit viel Dynamik neue Wege beschreiten. Dabei sind und bleiben wir ein Nischenanbieter. Unser Fokus liegt auf dem Anleihemarkt und hier nochmals auf bestimmten Teilsegmenten. Es geht vor allem um spezielle Kenntnisse und Erfahrungen. Genau diese Parameter möchten wir gewinnbringend für unsere Investoren einsetzen, um langfristig positive und vor allem marktunabhängige Renditen zu erzeugen. Das tägliche Auf- und Ab des Marktes betrifft uns eher weniger.
finanzwelt: Im Mittelpunkt steht der FS Colibri Event Driven Bonds. Ihr fokussiert euch u.a. auf Sondersituationen („Je komplizierter die Anleihe, desto spannender für uns“). Kannst du das Konzept etwas erläutern?

Meyer: Wir fokussieren unsere Arbeit auf idiosynkratische Ideen. Das bedeutet, dass wir einzelne Unternehmen oder auch nur ganz spezifische Anleihe eines Emittenten bewerten.

Im ersten Schritt steht die Definition des Anlageuniversums. Wir konzentrieren uns auf liquide Hybridanleihen, Wandelanleihen und Senior High-Yield Papiere mit Fokus auf Europa. Die Ø‑Anleihegröße im Fonds liegt aktuell bei knapp 600 Mio. EUR. Daraufhin beginnt ein systematischer und somit wiederholbarer Screening-Prozess. Damit wird sichergestellt, dass uns keine Möglichkeit durch die Lappen geht oder die Ideengenerierung gar auf Zufall basiert. Ergänzt wird dies durch den Netzwerkfaktor bei wichtigen Marktteilnehmern wie Investmentbanken, bankenunabhängigen Analysehäusern und vor allem Roadshows mit Emittenten. Dabei treffen wir ca. 60–70 Unternehmen im Jahr.

Spannend wird es immer dann, wenn eine Anleihe oder Unternehmenssituation nicht dem Standard entspricht, besonders komplex ist oder vom Markt überproportional abgestraft wird. Genau dann verabschieden sich klassische Buy-and-Hold Investoren und das wiederum schafft für uns als Boutique Chancen. Wenn eine Investmentmöglichkeit entdeckt ist, beginnt der diskretionäre Part des Ansatzes basierend auf unseren Kenntnissen und Erfahrungen. Fragen zur Struktur, Covenants und Bilanzierung stehen dabei im Vordergrund. Unternehmensbesuche sind beispielsweise von besonderer Bedeutung, da im europäischen Raum eine große Heterogenität zur Behandlung spezieller Anleihen herrscht. Selbst wenn zwei Papiere auf den ersten Blick gleich strukturiert wirken, kann die regulatorische oder bilanzielle Motivation aus Sicht des Unternehmens eine vollkommen andere sein. Das erfahren wir allerdings nur im Austausch mit der Gesellschaft selbst. Wir gehen dann auf die Suche nach einem Ereignis, bei dem ein bestimmter Katalysator einen positiven Einfluss auf das Unternehmen oder im Idealfall nur auf die einzelne Anleihe hat. An diesen Events wollen wir partizipieren.

Sind solche Opportunitäten identifiziert, müssen diese natürlich in den Portfoliokontext passen. Die Portfoliostruktur lenken wir in Anlehnung an einen Barbell-Ansatz. Dabei besitzen wir ein Basis-Portfolio mit kurzlaufenden hochliquiden Anleihen. Dies ist besonders aus Risikogesichtsmerkmalen wie dem Liquiditätsrisiko essenziell. Negative Renditen, auch wenn diese immer seltener bei Unternehmensanleihen zu finden sind, kaufen wir allerdings nicht hinein. Auf der anderen Seite befinden sich unsere Alpha-Ideen, die aktuell den großen Teil (ca. 74%) des Portfolios ausmachen. Wir fahren den Fonds mit einer erhöhten Konzentration und halten lediglich 42 Positionen, bei denen die durchschnittliche Rendite 5,65% beträgt.

finanzwelt: Können wir das kurz an einem Beispiel darlegen?
Meyer: Wir sind zum Beispiel in eine Hybridanleihe eines Schweizer Tiefkühlbackwarenherstellers investiert. Das Unternehmen kommt aus einer schwierigen Phase und hatte sich durch Expansionen verhoben. Seit 2020 befindet sich die Gesellschaft in einer Restrukturierung, hat Abenteuer im Ausland veräußert und konzentriert sich wieder auf das Kerngeschäft. Damit geht auch die bilanzielle Gesundung einher. Das Management hat uns in persönlichen Gesprächen mitgeteilt, dass die ausstehenden Hybridanleihen auch weiterhin eine Rolle im Finanzierungskontext spielen werden. Womöglich aber nicht alle Papiere. Kapitalmaßnahme voraus? Möglich! Daher haben wir die aus Sicht des Unternehmens teuerste Hybridanleihe bei unter par in den COLIBRI aufgenommen. Geht die Story bis 2023 auf, verspricht dies eine Rendite von ca. 9% p.a. Vom aktuellen Abverkauf am Anleihemarkt ist das Papier unbeeindruckt geblieben, da hier eben die Gesundung des Unternehmens und die mögliche Kapitalmaßnahme, nicht der Risk-On vs. Risk-Off Modus, gespielt wird.

Ein anderes Beispiel sind sog. „Pay-In-Kind” Anleihen. Diese Papiere können den Kupon wie üblich in Cash zahlen oder bei Eintritt bestimmter Ereignisse neue Anleihen im Wert der ausgefallenen Kuponzahlung beim Gläubiger einbuchen. Diesen Risikofaktor gilt es zu bewerten. Klassische Investoren wie Versicherungen, die sicher mit Cashflows planen müssen, investieren in solche Papiere nicht, wodurch eine wichtige Käuferschicht wegfällt. Ein weiteres Beispiel, wo wir als Nischenplayer aktiv werden können.

finanzwelt: Der Fonds ist noch sehr jung. Wie sieht es bis dato mit den Zuflüssen aus? Welchen Erwartungen habt ihr kurz- bis mittelfristig?
Meyer: Ja, die ersten Monate seit Fondsauflage waren bereits äußerst herausfordernd, haben aber gleichermaßen Spaß gemacht. Wir mögen solche Phasen gerne, denn schließlich schafft Volatilität auch irrationale Verwerfungen und Marktanomalien, die wir ideal nutzen können. Mittlerweile freuen wir uns ca. 12,5 Mio. EUR an Fondsvermögen vorweisen zu können. Wir führen viele Gespräche und stoßen auf großes Interesse bei unseren institutionellen Kunden, da der Ansatz in der DACH-Region, so nicht allzu häufig zu finden ist. Das ist auch ein Grund, warum das London HedgeFund Journal uns jüngst für ihren Tomorrow’s Titans Report selektiert hat, was uns außerordentlich freut. Wir blicken also zuversichtlich in die kommenden Wochen und Monate; unsere Ideenkiste ist prall gefüllt und wir sind guter Dinge, dass unsere Investoren mit dem COLIBRI noch eine Menge Spaß haben können.

finanzwelt: Kurz zusammengefasst: Investoren sollten sich den FS Colibri Event Driven Bonds näher anschauen, weil…? (kurze Antwort)
Meyer:
…er ein alternatives Rendite-Risiko Profil ohne Zinsänderungsrisiken bietet, welches man so nicht am Markt findet. (ah)