Nachhaltigkeit wird Mainstream

Ulrich Keipert, Leiter Business Development & Nachhaltigkeit bei der LBBW Asset Management / Foto: © LBBW

Die Kinderschuhe sind zu klein; das Segment ist der Nische entwachsen. Kein Zweifel besteht darin, dass „Sustainable Finance“ im Trend liegt. Das war 2019 der Fall und wird sich im laufenden Jahr bestätigen. Zur definitorischen Klarheit und dem wachsenden Interesse von privaten Investoren an entsprechenden Fondsprodukten stand Ulrich Keipert, Leiter Business Development & Nachhaltigkeit bei der LBBW Asset Management, der finanzwelt-Redaktion Rede und Antwort.

finanzwelt: Nachhaltiges Investieren ist en vogue. Wie lässt sich der Begriff der Nachhaltigkeit für alle verständlich formulieren und auf was ist zu achten (Ausschlusskriterien)?

Keipert: Das Konzept der Nachhaltigkeit hat in Deutschland seinen Ursprung in der Forstwirtschaft und wurde erstmalig 1713 in Kursachsen erwähnt. Ein zunehmender überregionaler Holznotstand zwang zu längerfristigem Denken. Die 1987 vorgenommene Definition des Brundtland-Berichtes der Vereinten Nationen gilt über 30 Jahre später uneingeschränkt weiter. In diesem heißt es: „Die Menschheit hat die Fähigkeit, die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Übersetzt in die nachhaltige Vermögensanlage können Ausschlusskriterien dazu dienen, bestimmte Unternehmen/Branchen für die Investition auszuschließen (Negativ-Screening). Nachhaltiger wird es, wenn mit einem sog „Best-in-Class-Ansatz“ die nachhaltigsten Titel der jeweiligen Branche ausgewählt werden

finanzwelt: Sind nach Ihrem Ermessen die drei Bestandteile “E““S““G“ gleichrangig?

Keipert: „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – diese Begriffe sind international in Unternehmen als auch in der Finanzwelt etabliert, um auszudrücken, ob und wie bei Entscheidungen von Unternehmen ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung beachtet werden.

Wir sehen die drei Bestandteile als wichtig an, jedoch nicht pauschal als gleichrangig. Abhängig von der jeweiligen Branche muss differenziert werden. In der Öffentlichkeit und der aktuellen politischen Diskussion dominiert jedoch der Umweltaspekt und hier vor allem das Klimaziel. Am Ende entscheidet jeder Investor, welche Bestandteile ihm am wichtigsten sind. Das Investmentproduktangebot kann die individuellen Wünsche bedienen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass sich Investoren mit dem Thema zunehmend auseinandersetzen.

Wie sich das Thema Nachhaltigkeit in Zukunft entwickeln könnte und welche Möglichkeiten LBBW in diesem Bereich bietet, lesen Sie auf Seite 2