Nachhaltigkeit – was es dringend bedarf

Richard Schmidt, Leiter Absolute Return und Nachhaltigkeitsexperte bei DJE / Foto: © DJE

Bis vor einigen Tagen dominierte das Thema nachhaltiges Investieren noch die Schlagzeilen. Neue Produkte kommen auf den Markt, das Interesse von privater und institutioneller Seite an diesem Rahmenthema nimmt zu. Durch die Corona-Pandemie ist es (zunächst) etwas in den Hintergrund gerückt. Kein Grund, davon abzulassen. Die finanzwelt-Redaktion bat Richard Schmidt, Leiter Absolute Return und Nachhaltigkeitsexperte bei DJE, um eine Einschätzung der Lage. Zudem gab er zum wesentlichen Aspekt einer verbindlichen Taxonomie erhellende Einblicke.

finanzwelt: Wie schätzen Sie, auch vor dem Hintergrund des aktuellen Marktgeschehens, die Aussichten für nachhaltiges Investieren ein?

Richard Schmidt: Zum einen zeigt die aktuelle Lage um das Coronavirus, wie vernetzt und damit abhängig wir alle voneinander sind. Die Rücksichtnahme, etwa durch Abstandsnahmen, auf andere hilft letztlich uns allen. Auch nachhaltiges Investieren bedeutet im Prinzip nichts anderes, als nicht auf Kosten der kommenden Generation oder anderer Menschen zu leben und orientiert sich am Prinzip der umfassenden Rücksichtnahme. Aktuell tun sich einige Unternehmen mit besonderen Anstrengungen hervor. So stellt ein großer Parfumhersteller auf die Herstellung von Desinfektionsmittel um, ein Autozulieferer baut eine Produktion für Beatmungsgeräte auf – und die Kapazitäten für besonders benötigte Güter, etwa im Konsumbereich, werden stark hochgefahren. Im Bereich Impfstoffe gibt es eine weltweit erhebliche Fokussierung und Konzentration der führenden Impfstoffhersteller auf den Corona-Impfstoff. Wir begrüßen diese flexiblen Anpassungen sehr und bewerten gerade diese Unternehmen noch ein Stück besser als vorher.

Auf der anderen Seite wurden die Prioritäten in der Politik in den letzten beiden Wochen neu gesetzt. Absolute Priorität hat aktuell der Schutz älterer Menschen, die vom Coronavirus besonders bedroht sind. Danach folgt die Aufrechterhaltung der wichtigsten Wirtschaftsstrukturen, die aufgrund der Schutzmaßnahmen aktuell brach liegen. Dadurch wird zumindest der politisch-regulatorische Druck in Richtung nachhaltiges Investieren eher abebben.

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