Nachhaltige Investitionen in Deutschland steigen an

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„Fridays for Future“, Plastikreduzierung und „Ocean Cleanup“: Der Wunsch nach sozialem Engagement und dem Erhalt der Umwelt ist groß – dem kann sich die Wirtschaft nicht entziehen. So werden verstärkt Produkte auf den Markt gebracht, die auf den Grundsätzen der erstarkenden Umweltbewegung aufbauen, zuletzt mit dem gehypten veganen Burger-Patty „Beyond Meat“ bei Lidl. Doch der Trend geht noch weiter. Die Finanzbranche stellt sich dieser Herausforderung, indem sie Anlegern neben klassischen Fonds auch solche klimafreundlicher und nachhaltig wirtschaftender Unternehmen bietet, die ebenfalls eine gute Rendite abwerfen.

Was ist Nachhaltigkeit?

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ erlaubt verschiedene Arten der Auslegung. Die mittlerweile gängigste zielt auf einen Umgang mit Ressourcen ab, der die Bedürfnisse der Menschen befriedigt, jedoch gleichzeitig die Regeneration der Umwelt nicht gefährdet. In der Wirtschaft hat der Begriff noch eine andere Konnotation: Dort spricht man von nachhaltigen Produkten, oder auch langlebigen Produkten, wenn diese nach vielen Jahren der Verwendung noch ihre ursprüngliche Funktion ausführen können. Die Kunden investieren demnach in die Zukunft und verbrauchen langfristig weniger Ressourcen, da sie entsprechende Produkte auf die Lebenszeit runtergebrochen nur wenige Male bzw. nur einmal erwerben müssen. Inzwischen ist der Begriff auch in der Politik fest verankert – dort versteht man ihn als eine zentrale politische Herausforderung unserer Zeit.

Die richtigen Anlagen selektieren

Doch was bedeutet der Begriff Nachhaltigkeit in Bezug auf Investitionen? Das Grundprinzip des nachhaltigen Investierens ist einfach: Das Kapital soll in Unternehmen fließen, die keine Rüstungsgeschäfte betreiben, weder der Umwelt schaden noch Menschen ausbeuten. Der Ausschluss solcher Unternehmen stellt den Anleger jedoch vor die Hürde, den Überblick über ethisch und unethisch wirtschaftende Unternehmen zu bewahren. Die ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Governance) bieten eine erste Hilfestellung, damit sich die Geldanlagen besser selektieren lassen. Im besten Fall trägt man mit seiner Anlage sogar dazu bei, soziale und umweltbezogene Ungerechtigkeiten zu mindern. Es gibt verschiedene Ansätze, um dieses Ziel zu erreichen:

  • Die Ausschlussmethode: Kennen Sie Unternehmen, die auf keinen Fall zu Ihren Werten passen, können Sie diese aus Ihrem Portfolio ausschließen. Sie legen Sie Ihr Kapital nur bei Firmen an, die ein entsprechendes Geschäftsverhalten praktizieren.
  • Die Einbindungsmethode: Ihr Portfolio besteht ausschließlich aus Unternehmen und Anlagemöglichkeiten, die gemäß der ESG-Kriterien agieren.
  • Die Impact-Investing-Methode: Sie investieren nicht nur, um eine Rendite zu generieren, sondern auch, um eine ökologische und soziale Wirkung zu erzielen.

Grüne Fonds haben sich in Deutschland fast verdoppelt

2018 wurden insgesamt 158 Mrd. Euro von den Fonds in Deutschland verwaltet, berichtete die Ratingagentur Scope Analysis im Oktober letzten Jahres. 2017 waren es noch 85. Mrd. Euro. Unter anderem ergibt sich dieser Trend aus der wachsenden Nachfrage: So wollen laut UBS 65 % der Anleger nachhaltig investieren. Diese Entwicklung wird voraussichtlich aufgrund der aktuellen öffentlichen Debatte im Jahr 2019 nochmals zunehmen. Aus Anleger-Perspektive ist dabei ein wichtiger Faktor, dass die Dividenden ähnlich positiv ausfallen wie bei den klassischen Anlagen. Dies konnte Scope Analysis in seiner Studie „Nachhaltiges Investieren“ bestätigen. So verbuchten die nachhaltigen Peergroups in einem Zeitraum von 5 Jahren sogar leichte Performance-Vorteile.

Autor: Bernd Lietzen