Nach starken Schwankungen sinken Bauzinsen im November leicht

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Der aktuelle Zinskommentar der Dr. Klein Privatkunden AG zeigt extrem volatile Baufinanzierungszinsen. Das diesjährige Höchstniveau von 4 % für 10-jährige Darlehen sorgt für starke Schwankungen. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender Dr. Klein, erwartet in den kommenden Monaten weiterhin stärkere Auf- und Abwärtsbewegungen. Er hält einen weiteren Anstieg für möglich.

Instabile Zinsen

Die Bauzinsen haben in den letzten Wochen einen regelrechten Zickzack-Kurs hingelegt. Laut Neumann liege das an der extremen Unsicherheit an den Märkten. „Jede Meldung zur Entwicklung der Inflation, zu Wirtschaftsdaten und zur Strategie der Zentralbanken kann deutliche Zinsbewegungen auslösen“, so der Experte. Im Oktober wurde eine deutliche Leitzinsanhebung der EZB erwartet, dementsprechend schossen die Zinsen um rund 0,6 % nach oben. Anschließend ging der Markt hoffnungsvoll davon aus, dass die Mamut-Zinsschritte vorbei sein könnten und die Zinsen gaben nach. Dann drehte jedoch eine Ankündigung von EZB-Chefin Lagarde, dass auch zukünftig konsequent gegen die Inflation vorgegangen werden müsse, die Zinskurve nach nur kurzer Zeit wieder nach oben.  Dass die Inflation in den USA ihren Höhepunkt erreicht haben könnte, sowie wieder sinkende Preise für Strom und Gas sorgten wiederum dafür, dass die Zinsen sanken. Aktuell beträgt der repräsentative Bestzins von Dr. Klein 3,52 % (Stand: 21.11.2022) und liegt damit rund 0,3 % unter dem Oktober-Niveau.

Neumann erwartet in den letzten Wochen des Jahres nicht mit weiteren signifikanten oder nachhaltigen Veränderungen der Bauzinsen. „Dass die Bauzinsen im ersten Halbjahr 2023 weiter ansteigen, ist wahrscheinlich“, so seine Prognose. Neumann geht zudem davon aus, dass sich die Inflation in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau verfestigen wird, sodass die EZB keinen Anlass erhält, Entspannungssignale zu geben. „Wenn die EZB mit ihrer Kommunikation den Boden bereitet für deutlichere Zinsschritte als sie heute erwartet werden, dürfte das die Zinsen wieder unter Druck setzen“, vermutet Michael Neumann stattdessen. Vermutlich nehme das Tempo der Zinserhöhungen jedoch ab und große Zinsschritte erfolgten seltener.

Auch Käufer verunsichert

Dr. Klein sieht zukünftig einen erhöhten Beratungsbedarf bei Baufinanzierungen durch die derzeitige Zinssituation. „Vor allem die erschwerte Leistbarkeit von Immobilien durch das hohe Preisgefüge lässt Kaufwillige ihre Pläne neu berechnen“, berichtet Neumann. „Die Frage ist nicht nur, ob man sich die immer noch teuren Immobilien derzeit leisten kann, sondern ob man das auch möchte.“ Denn: Die zu erwartenden Nebenkosten sorgten für weitere Unsicherheit. Die Entwicklung der Energiepreise und mögliche, notwendige Modernisierungen müssen ebenfalls in eine Finanzierung aufgenommen werden.

Zusätzlich beschäftigt Darlehensnehmerinnen und -nehmer auch die richtige Strategie für größtmögliche Sicherheit in den aktuell unsicheren Zeiten. Dr. Klein empfiehlt längere Zinsbindungen für einen langfristig planbaren Zins, aktuell seien diese nur geringfügig teurer.  Ein Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren sorgt für Flexibilität. Neumann sieht zusätzlich zum Forward-Darlehen besonders im Bausparen derzeit eine attraktive Möglichkeit für eine Zinssicherung bei zukünftigen Anschlussfinanzierungen. „Aktuell bieten einige Bausparkassen noch sehr günstige Konditionen für ein Bauspardarlehen, weil noch nicht alle Anbieter den Zinsanstieg eingepreist haben. Und mit diesem zinsgünstigen Kredit lässt sich ein Teil oder das gesamte bestehende Annuitätendarlehen ablösen.“

Die Dr. Klein Tendenz für die Baufinanzierungszinsen lautet kurzfristig: schwankend seitwärts, mittelfristig: leicht steigend. (lb)