Minuszinsen – was sollten Stiftungen jetzt tun?

Frank Wieser, PMP Vermögensmanagement, Donner & Reuschel Luxemburg S. A., Zweigniederlassung Deutschland / Foto: © PMP

Wer heute sein Geld noch bei einer Bank oder Sparkasse auf dem Konto parkt, muss über kurz oder lang mit Minuszinsen rechnen. Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen weiter gesenkt und Kreditinstitute müssen für geparktes Geld 0,5 Prozent Strafzins zahlen. Viele Institute kommen aufgrund ihrer schwächelnden Ertragslage gar nicht umhin, diese Strafzinsen – meistens marketingtechnisch als „Verwahrgeld deklariert – ganz oder teilweise weiterzugeben. Sprach man früher vom risikolosen Zins, so gibt es inzwischen das zinslose Risiko.

Für Stiftungen, die sich an bestimmte Anlageregeln halten müssen, ist dies ein Horrorszenario. Zum einen fehlten Zinsen für die Ausschüttung und damit für wichtige Projekte und zum anderen wird man quasi gezwungen in risikoreichere Anlageklassen zu investieren, um überhaupt noch Rendite zu erzielen.

Was kann eine Stiftung also bestenfalls tun? Zwar haben über 90 Prozent der deutschen Anleihen inzwischen einen Minuszins, dennoch sollte man auf Anleiheinvestitionen nicht verzichten. Immerhin winken bei weiteren Zinssenkungsprogrammen zumindest kleinere Kursgewinne. Auch Aktieninvestitionen haben ihre Berechtigung. So werfen solide deutsche Aktien zum Teil mehr als drei Prozent Dividende ab. Durch die Kursrückgänge 2018 sind Aktien auch nicht mehr zu teuer. Rechnet man beim DAX beispielsweise die gezahlten Dividenden heraus, dann hat er in etwa das Kursniveau von vor zehn Jahren. Die Wirtschaft ist aber seitdem ständig gewachsen.

Immer wieder werden auch alternative Anlageklassen wie Gold oder Infrastrukturinvestments diskutiert. Gold ist zwar durch die politischen Unsicherheiten gestiegen, hat aber keinerlei Ausschüttungen. Infrastrukturinvestments haben zwar noch attraktive Renditen, aber gleichzeitig auch hohe interne Kosten und einen langen Zyklus, bis erste Ausschüttungen den Anleger erreichen.

Es gibt aktuell leider kein Geheimrezept für die Geldanlage. Ein paar Dinge kann man als Anleger aber sofort anpacken:

  1. Auf die Gebühren achten: Viele Stiftungen legen in herkömmlichen Investmentfonds an, die meist hohe interne Gebühren haben. Hier ist ein Tausch in günstigere Stiftungsfonds oder ETFs sinnvoll. Vorsicht: Beim Tausch unbedingt auf die Tauschkosten achten.
  2. Den tatsächlichen Aktienanteil überprüfen: Viele Stiftungen trauen sich höhere Aktienquoten nicht zu. Zu groß ist die Angst vor Kursverlusten in Aktien. Da ist durchaus verständlich, allerdings dürfte das Verlustrisiko bei Anleihen inzwischen ähnlich hoch sein und dort bekommt man noch nicht mal Zinsen.
  3. Auch mal über Investments in alternativen Assetklassen nachdenken: Es spricht nichts gegen kleinere Beimischungen von höher verzinslichen US-Dollar-Anleihen oder dem Kauf von offenen Immobilienfonds – ganz im Gegenteil: Solche Beimischungen verbreitern das Depot und senken das Risiko.
  4. Nicht auf „Lockvogelangebote“ reinfallen: Gerade in Zeiten von Minuszinsen sind Anleger offen für Werbeversprechen im Grauen Kapitalmarkt. Bevor man Zweifel an der Seriosität eines Anbieters hat, lohnt ein kurzer Anruf bei der Verbraucherzentrale.

Kolumne von Frank Wieser,
PMP Vermögensmanagement, Donner & Reuschel Luxemburg S. A., Zweigniederlassung Deutschland