MiFID II ist kontraproduktiv!

Daniel Spitschan, Wertpapierexperte bei der Cofinpro AG / Foto: © Confipro

Zu diesem Urteil kommt eine Expertenbefragung der Unternehmensberatung Cofinpro: Sowohl Kunden, Banken als auch Kapitalverwaltungsgesellschaften sind unzufrieden. Außerdem wird eine Verringerung des Angebots beobachtet.

Anfang des Jahres trat die EU-Finanzmarkrichtlinie MiFID II mit dem Ziel in Kraft, die Anlageberatung besser zu machen. Dieses Ziel wurde aber nicht erreicht, wie die Cofinpro-Umfrage unter 57 Experten aus Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften zeigt. Darin gaben 70 % an, dass sich durch MiFID II die Beratung nicht verbessert habe und die angebotenen Produkte weder passgenauer noch günstiger geworden seien. Jeder Zweite Befragte gab zudem an, dass sich das Angebot für die Kunden verringert habe, 28 % sprachen sogar von einer starken Einschränkung. „Der Kapitalaufbau wird vom Staat propagiert und immer wichtiger, auch um die Vorsorgelücke für das Alter zu schließen. Gleichzeitig führt die gesetzliche Regulierung aber zu starken Einschränkungen im Angebot für die Bundesbürger“, kritisiert Daniel Spitschan, Wertpapierexperte bei Cofinpro. „Selbst erfahrene Kunden haben nicht mehr uneingeschränkt die Möglichkeit, aus einem diversifizierten Angebot an risikoreichen und -armen Angeboten im Sinne einer breiten Portfoliostreuung zu wählen. Das kann nicht Sinn des Gesetzgebers gewesen sein.“

“Was sollen die hohen Kosten?”

Auch das vermeintlich Positive ist auch den zweiten Blick ebenfalls weniger gut: So gaben 53 % der Befragten an, dass durch MiFID II die Kosten transparenter geworden seien, was jedoch dazu führe, dass die Anleger deshalb abgeschreckt würden, wenn sie sehen, wie hoch die Produkt- und Dienstleistungskosten tatsächlich seien. So würden die Investoren stärker als früher eine Rechtfertigung ihres Beraters für hohe Kosten verlangen.

Die Studienteilnehmer spüren auch bei den Beratern Verunsicherung, die sich bspw. in einer größeren Zurückhaltung gegenüber dem Kunden äußere: So sprachen 48 % von einem Rückzug der Kundenbetreuer aus der Wertpapierberatung. Ein wesentlicher Grund hierfür könnte sein, dass die Berater die ausgeweiteten Beratungs- und Dokumentationsprozesse noch nicht beherrschen. Das beobachten 40 % der Befragten Experten.

Die negativen Auswirkungen von MiFID II gehen zu Lasten der Banken: So verzeichneten 56 % der Befragten sinkende Absätze im Wertpapiergeschäft, seitdem die Richtlinie Anfang des Jahres in Kraft trat. Gut jeder Fünfte sprach sogar von stark gesunkenen Verkäufen.

„Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften können das Gesetz mit seinen komplexen Anforderungen nicht ignorieren. Aber sie werden versuchen, ihre internen Prozesse noch weiter anzupassen, um Workarounds abzulösen und Abläufe zu verschlanken“, so Daniel Spitschan. „Die Hausaufgaben aus der Umsetzung von MifID II sind also noch nicht abgeschlossen“. Dies zeigen auch die Studienergebnisse: Acht von zehn Befragten sehen Handlungsbedarf im eigenen Unternehmen, um die Erträge im Wertpapiergeschäft wieder zu stabilisieren. (ahu)

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