MiFID II birgt Chance zur Differenzierung

Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH / Foto: © CREDO Vermögensmanagement GmbH

Die Regulierung greift weiter um sich. Und die Deadline zur Umsetzung der MiFID 2 rückt näher. Welche Chancen damit verbunden sind, ob die Regulierungsschritte nach der Finanzkrise 2007/2008 effektiv waren, das erläuterte Wolfgang Juds, Geschäftsführer der CREDO Vermögensmanagement GmbH, im finanzwelt-Interview.

finanzwelt: Herr Juds, zehn Jahre sind seit Ausbruch der globalen Finanzkrise ins Land gegangen. Könnte Vergleichbares (in diesem Ausmaß und nach den ganzen Regulierungsbestrebungen) nochmal passieren?

Juds: Aus meiner Sicht kann zusätzliche Regulierung keine Verwerfungen an den Kapitelmärkten verhindern. Wenn die Blasen groß genug werden sollten, kann es auch wieder zu neuen Krisen kommen. Die zunehmende Regulierung hat gewiss ihren Sinn, wie z. B. eine bessere Eigenkapitalausstattung und mehr Risikobegrenzung sicherzustellen. Sie vermittelt jedoch eine Scheinsicherheit. Die Ursachen liegen häufig in Fehlbewertungen von Kapitalanlagen – und diese werden durch die lockere Geldpolitik und die niedrigen Zinsen begünstigt.

finanzwelt: Die Umsetzung der Mifid II durch das 2. Finanzmarktnovellierungsgesetz Anfang 2018 steht kurz bevor. Was bedeutet das für Sie als Vermögensverwalter?

Juds: Ich sehe in den Neuregelungen der Mifid II eine große Chance zur Differenzierung. Gerade das Provisionsverbot bietet mir als Vermögensverwalter die Gelegenheit, mich von anderen Wettbewerbern abzugrenzen. Kurzfristig mag es etwas kosten, den Kunden die Kosten und die Bestandsvergütung offen zu legen und auf Teile zu verzichten, langfristig ist es auf jeden Fall vertrauensbildend und führt zu neuen Kundenpotenzialen. Während andere Marktteilnehmer versuchen, das bisherige Provisionsmodell zu konservieren, gehe ich das Thema offensiv an und nutze es aktiv für die Neukundengewinnung.

finanzwelt: Wo sehen Sie dabei die kritischsten Punkte für die Berater?

Juds: Mit Mifid II sind viele neue bürokratische Hürden verbunden, die nicht unbedingt zu einer besseren Beratungsqualität führen müssen. Mehr Information heißt nicht automatisch bessere Produkte. Insgesamt müssen die Prozesse so gestaltet werden, dass die Kunden künftig bessere Produkte zu günstigen Preisen verbunden mit besserer Beratungsqualität bekommen. Darum geht es!

finanzwelt: Ein kurzer Blick auf die Kapitalmärkte. Wie wird sich der DAX bis zum Jahresende entwickeln?

Juds: Seriös kann das niemand sagen. Dazu sind die Unwägbarkeiten einfach zu groß. Ich bin optimistisch und denke, dass die jüngsten Korrekturen gesund sind. Da die Gewinnentwicklung der Unternehmen bislang erfreulich ist, halte ich es gut möglich, dass wir das alte Hoch bei 12.900 Punkten wieder sehen werden.