MiFID II als Kooperationskatalysator

Sebastian Hasenack, Gründer und Geschäftsführer von investify / Foto: © investify

Die neue MiFID II-Richtlinie krempelt gleich zu Jahresbeginn die Finanzwelt um: Banken müssen sich zahlreichen Änderungen hinsichtlich Dokumentation von Beratungsgesprächen und Kostentransparenz stellen. Mancherorts wird MiFID II jedoch als Anstoß zu einer neuen Zusammenarbeit genutzt.

Das neue Jahr startet mit einer Revolution auf dem Finanzmarkt: MiFID II. Die EU-weite Richtlinie sorgt in diesen Tagen bei Finanzinstituten für zahlreiche Neuregelungen. Während Kunden vor allem von mehr Transparenz im Wertpapierhandel und einem gesteigerten Verbraucherschutz profitieren, bedeutet die neue Richtlinie für Banken erst einmal einen hohen Verwaltungsaufwand.

Bessere Produktaufklärung und hohe Kostentransparenz

So umfasst eine der Neuerungen, dass Beratungsgespräche zukünftig am Telefon aufgezeichnet werden müssen – vorausgesetzt, der Kunde stimmt zu. Diese Mitschnitte, auch „Taping“ genannt, werden für einen Zeitraum von fünf Jahren aufbewahrt, um im Falle eines Rechtstreits nachweisen zu können, dass der Anleger über etwaige Risiken aufgeklärt wurde. Die Pflicht zur Aufzeichnung gilt auch für das Gespräch in der Filiale, dort kann der Berater aber auch einen schriftlichen Vermerk anfertigen. Zudem wird das seit 2010 verpflichtende Beratungsprotokoll wieder abgeschafft und durch eine sogenannte Geeignetheitserklärung ersetzt, welche beide Parteien bei Vertragsabschluss unterzeichnen. Darin begründet der Berater, warum er dem jeweiligen Kunden bestimmte Anlageprodukte empfohlen hat und hält fest, ob dieser die Risiken des Finanzprodukts abschätzen und die daraus resultierenden Verluste tragen kann. Darüber hinaus soll Anlegern eine höhere Kostentransparenz geboten werden: Sie erfahren sämtliche Kosten, die ihnen beim Kauf oder auch beim Verkauf von Wertpapieren entstehen und inwiefern diese die zu erwartende Rendite schmälern. Versteckte Vertriebsprovisionen sind somit nicht mehr möglich.

Die Veränderungen durch MiFID II stellen vor allem kleine und mittlere Banken vor eine große Herausforderung: Der Bundesverband deutscher Banken schätzt die Kosten für die Umsetzung der Auflagen auf rund eine Milliarde Euro. Die teure Anschaffung der Technik, die nötig ist um Beratungsgespräche aufzuzeichnen, könnte daher dazu führen, dass viele Banken keine Beratungsgespräche mehr am Telefon anbieten oder für diese künftig Gebühren verlangen. Und auch Kundengespräche könnte das durchaus erschweren. Insgesamt wird die Anlageberatung für die Finanzhäuser durch den neuen Regulierungsrahmen aufwendiger und damit teurer. Die Folge: Der gesteigerte bürokratische Aufwand wird die klassische individuelle Anlagenberatung zunehmend erschweren und den Trend hin zu standardisierten Anlageprodukten weiter fördern. Es verwundert also nicht, dass viele Institute nach Möglichkeiten suchen, ihren Kunden weiterhin individuelle Anlagelösungen anbieten zu können.

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