Michael Beck: Das Vertrauen zählt

Michael Beck,

Haben die Deutschen noch Vertrauen in die Regierungsfähigkeit der großen Koalition? Wenn man die jüngsten Wahlergebnisse Revue passieren lässt, könnten leichte Zweifel aufkommen.

Vertrauen ist in allen Lebenslagen wichtig und erforderlich. Vor allem an den Finanzmärkten. Aktionäre vertrauen ihren Unternehmenslenkern, Kunden vertrauen ihren Bankberatern und ganze Finanzmärkte vertrauen den Zentralbanken, das Große und Ganze im Griff zu haben. Nun scheint die „Bank der Zentralbanken“, das BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) selbst Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Zentralbanken streuen zu wollen. Die überaus expansive Geldpolitik der meisten Zentralbanken weltweit droht laut BIZ an ihre Grenzen zu stoßen. Dies zumindest postuliert eine Studie, die das BIZ jüngst veröffentlicht hat. Nun, zumindest die Bank of Tokyo hat in einer ersten wichtigen Entscheidung von den vielen, die diese Woche anstehen, aus Sicht der Marktteilnehmer das Richtige entschieden. Der negative Einlagenzins von derzeit –0,10 Prozent wird nicht noch weiter abgesenkt. Im Rahmen der Anleihen- und Assetkäufe besteht das Vertrauen der Märkte weiter, dass die Bank of Tokyo alles tut, um deflationäre Tendenzen zu vermeiden. Heute Abend ist die US-amerikanische Zentralbank Fed an der Reihe. Deren Präsidentin Janet Yellen wird wohl ebenfalls eine Nichtentscheidung verkünden und die lang angekündigte Leitzinserhöhung noch einmal verschieben. Immerhin dürfte sie diese Entscheidung so umfangreich kommentieren, dass auch hier das Vertrauen der Märkte in die Funktionsfähigkeit der geldpolitischen Instrumente der Fed gewahrt bleibt. Offensichtlich bleibt, dass es den Zentralbanken derzeit nicht gelingt, aus ihren geldpolitischen Stromschnellen links oder rechts auszuscheren, geschweige denn diese zu verlassen. Den meisten Marktteilnehmern ist das bekannt, doch solange das Vertrauen da ist, schwimmen alle im Strom mit. Das Zinsniveau jedenfalls wird in diesem Fall niedrig bleiben und die Aktienmärkte können sich, sofern sich größere politische Störfeuer vermeiden lassen, auf einen entspannten Jahresausklang vorbereiten.

Ein Kommentar von Michael Beck, Ellwanger & Geiger

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