Merkel dürfte an der Macht bleiben

Mark Haefele, CIO von UBS Wealth Management und UBS Wealth Management Americas / Foto: © UBS

Angela Merkel hat sich vermutlich eine vierte Amtszeit als deutsche Bundeskanzlerin gesichert, da ihre Christlich Demokratische Union (CDU) und deren Schwesterpartei, die Christlich-Soziale Union, den Prognosen zufolge als größter Block im Bundestag aus den Wahlen hervorgehen. Dieses Ergebnis wurde zwar erwartet, doch das Augenmerk des Marktes galt hauptsächlich der Zusammensetzung der Koalition, mit der Merkel regieren wird. Die Führung der Sozialdemokraten (SPD) kündigte an, sie werde in die Opposition gehen, obwohl Merkel erklärt hatte, sie wolle versuchen, die Partei zu einem Verbleib in der Regierung zu überreden. Trotzdem sieht es im Augenblick ganz nach einer Union mit den Freien Demokraten (FDP) und den Grünen aus.

Die Grünen sind zwar eine weitgehend proeuropäische Partei, doch die Präsenz der FDP in der Koalition könnte Merkels Wunsch verwässern, eine engere Allianz mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu bilden, um eine stärkere europäische Integration zu fördern. Die FDP ist gegen steuerliche Beihilfen für die höher verschuldeten Peripherieländer Europas. Infolgedessen könnten sich die Risikoprämien zwischen deutschen Bundesanleihen und den Staatsanleihen Italiens, Spaniens, Griechenlands und Portugals ausweiten. Die Märkte dürften allerdings die politischen Erklärungen der neuen Koalition abwarten, bevor sie eine solche Anpassung vornehmen. Der Euro könnte zwar niedriger eröffnen, weil die Märkte enttäuscht sind, dass es keine grosse Koalition geben wird. Doch die Präsenz der FDP in der Regierung könnte zu einem stärkeren deutschen Druck für Haushaltsdisziplin in den Peripherieländern führen, was für die Währung langfristig positiv wäre. Der Euro hat in diesem Jahr bereits knapp 14% gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Wenn die FDP in eine Koalition eintritt, könnte sie auch versuchen, die Pläne zu blockieren, den Europäischen Stabilitätsmechanismus, der Finanzhilfen für angeschlagene Staaten der Eurozone bereitstellt, zu einem dauerhaften Währungsfonds zu machen. Letztlich könnte sich die FDP gegen eine tiefere fiskalische Integration durch die Ernennung eines Finanzministers für die Eurozone stemmen.

Marktkommentar von Mark Haefele, CIO von UBS Wealth Management und UBS Wealth Management Americas