Mensch und Maschine!

Frank Huttel, Prokurist / Leiter Portfoliomanagement der FiNet Asset Management AG / Foto: © FiNET Asset Management AG

In den letzten Jahren sind zahlreiche Robo-Advisor an den Markt getreten. Mit dem hybriden Robo-Advisor vividam kommt in Kürze ein weiterer Player hinzu. Ist das nur ein Hype oder generieren diese echten Mehrwert? Hierzu und zu den Charakteristika sprach finanzwelt vorab mit Frank Huttel, Prokurist / Leiter Portfoliomanagement der FiNet Asset Management AG.

finanzwelt: Mensch oder Maschine – diese Diskussion beschäftigt viele Gemüter. Wie ist hierzu Ihre Einschätzung?

Huttel: Mensch und Maschine! Mit unserem hybriden Robo-Advisor vividam gehen wir genau diesen Weg. Der Kunde kann autark entscheiden, sich aber auch jederzeit an seinen „persönlichen“ Berater bzw. Coach wenden. Diverse Studien belegen, dass dieses Modell das größte Potential in den kommenden Jahren haben wird.

finanzwelt: Nach Schätzungen verwalten die digitalen Vermögensverwalter zusammen mehr als 2 Milliarden Euro Vermögen. Die Top 4 der deutschen Robo-Advisory-Branche soll derzeit bereits 1,5 Milliarden Euro managen. Ist da noch Platz für einen neuen Anbieter?

Huttel: Ja, denn wir gehen bewusst einen anderen Weg. Und bewusst ist hier doppeldeutig gemeint. Wir sind der erste rein nachhaltige digitale Robo-Advisor, der im Gegensatz zu vielen anderen ausschließlich aktive Fonds einsetzt. Es scheint so, als würden wir eine Nische besetzen, aber aus der Nische kann etwas ganz Großes werden, denn wir vereinen die beiden Megatrends Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Davon einmal abgesehen sind 2 Mrd. EUR „nichts“. Es liegt genug investierbares und unverzinstes Vermögen auf Sparbüchern brach.

finanzwelt: In Kürze gehen Sie mit „vividam – der neue “Anti” Robo-Advisor“ an den Start. Was zeichnet Sie aus und wie grenzen Sie sich von vielen Wettbewerbern ab? Wie schaut es mit den Kosten aus?

Huttel: Wir setzen auf Nachhaltigkeit. Wir investieren in Themen, die die Probleme von heute und morgen versuchen zu lösen. Allen voran den Klimawandel. Wir sehen uns selbst als „Impact Investoren“. Wir wollen das Vermögen der Kunden mehren und gleichzeitig die 17 UN Nachhaltigkeitsziele (UN SDGs) verfolgen. Da wir ein „Hybrid“ sind, sind wir nicht so günstig wie viele Konkurrenten. Der Kunde zahlt 1,08 % p.a. zzgl. MwSt. Davon erhält der „Zuführer“ allerdings 0,5 % p.a. und steht dann bei Fragen auch gerne zur Verfügung. Bestandsprovisionen erhält der Kunde gutgeschrieben, da es sich um eine Vermögensverwaltung handelt.

finanzwelt: Bei der Fondsauswahl steht für vividam wohl das Thema Nachhaltigkeit im Fokus. Bitte erklären Sie das kurz.

Huttel: Wir setzen ausschließlich auf Fonds mit Bezug zum Thema Nachhaltigkeit, wobei es keine echte Definition von Nachhaltigkeit gibt. Dieser Begriff ist nicht neu und kommt aus der Forstwirtschaft – das forstwirtschaftliche Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann.

Wir stehen für das Leben – vivid besagt dies auch – lebendig. Wir investieren in Fonds, die grundsätzlich gewisse Branchen wie Rüstung, Kinderarbeit, Atomkraft etc. ausschließen. Auch fossile Energieträger wie Öl und Kohle befinden sich nicht im Portfolio. Aber Branchen und Unternehmen auszuschließen ist nur eine Seite der Medaille. Wir wollen mit dem Kunden gemeinsam einen messbaren Impact schaffen und investieren in Themen bzw. Unternehmen aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und -Infrastruktur, Elektromobilität, Umwelt- und Klimatechnik, Green Buildings, nachhaltige Wasserwirtschaft, Ernährung etc. Und das nicht nur in Aktien(fonds), sondern auch auf der Rentenfondsseite. Hier gibt es inzwischen diverse Fonds wie z.B. Green Bond Funds. Mikrofinanz fällt auf Grund der schwierigen Abwicklung der Fonds leider weg.

Last but not least haben wir einen Fokus auf Fondsboutiquen und Fondsanbieter mit einer langen Historie und einem glaubhaften nachhaltigen Investmentansatz.