Mehr Profil gefordert

Foto: © dbunn – Fotolia.com

Viel ist von der Berufsunfähigkeit (BU) die Rede, viel von der Absicherung der Arbeitskraft und neuerdings viel von Alternativen zur BU – scheinbar gedacht für diejenigen, die ein zu hohes Versicherungsrisiko mitbringen oder eher klamm bei Kasse sind. Dabei ist die Materie äußerst heterogen. Das eine schließt das Andere nicht aus und das andere kann das eine nicht ersetzen. Umso wichtiger wird echte Beratung.

Wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung an ihre Grenzen stößt, sind Ausweichmöglichkeiten gefragt. Doch da beginnt bereits der Irrtum. Mittlerweile lässt sich Arbeitskraft auf mehreren Wegen absichern, doch nur von – leidlich weniger wertvollen – Alternativen zu reden, wird der Sache nicht gerecht. Welche Modelle gibt es eigentlich?

Der Blick auf die Alternativen

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung deckt die Arbeitskraft ganz allgemein ab und bezieht sich nicht auf den zuletzt ausgeübten Beruf. Das bedeutet einerseits eine hohe Einstiegshürde, andererseits aber auch deutlich niedrigere Prämien als bei der BU. Und gibt auch körperlich Tätigen die Möglichkeit, sich abzusichern. In der BU ist diese vielfach genommen, sei es durch die allgemeine Risikoselektion oder durch unbezahlbare Preise. Nur mittelbar abgesichert ist die Arbeitskraft dagegen für viele Berufe über die Grundfähigkeiten- oder Multirisk-Versicherung nach Art der Lebensversicherung. Denn hierbei kommt es auf körperliche Beeinträchtigungen an. Nur wer einem körperlich fordernden Beruf nachgeht, kann sich hierüber der Wirkung nach ähnlich der BU absichern. Immerhin punkten derartige Policen mit leicht bezahlbaren und garantierten Prämien. Wird das Produkt nach Art der Unfallversicherung angeboten, gibt es zwar Kundenvorteile bei der Risikoprüfung nach dem Eingang des Antrages, im Gegenzug setzen die Anbieter jedoch härtere Maßstäbe bei der Leistungsanerkennung an. Die vielfach in diesem Zusammenhang genannte Dread Disease-Vorsorge hat hingegen mit der Absicherung der Arbeitskraft weniger zu tun. Wenngleich etwa Freiberufler oder Selbstständige mit der Einmalzahlung bei einer schweren Erkrankung zumindest eine personelle Übergangslösung finden und sich so ihr täglich Brot sichern können. So sagt Nicolai Engel, Leiter Produktmarketing Leben der Gothaer Lebensversicherung: „Einerseits bietet die Dread Disease-Absicherung im privaten Bereich schnell finanziellen Spielraum bei schwerer Erkrankung. Dies kann beispielsweise wichtig sein für einen behindertengerechten Umbau der Wohnung oder für spezielle medizinische Behandlungen.“ Interessant sei zudem, dass die Police auch zusätzlich zur BU-Versicherung abgeschlossen werden könne. Andererseits könne sie bei Geschäftskunden im Falle einer schweren Krankheit des Unternehmers oder eines wichtigen Mitarbeiters der Firma vor den finanziellen Folgen und im schlimmsten Fall der Existenzgefährdung des Unternehmens schützen.

Bessere Positionierung vonnöten

Eine Vielfalt also gibt es, dennoch kommt eine Analyse der Munich Re zu dem Schluss, „dass BU-Alternativen noch nicht etabliert sind – weder beim Vertrieb noch bei Endkunden, Medien, Politik und Verbraucherschutz“. Derzeit würden Produkte wie Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeiten- und funktionelle Invaliditätsversicherungen immer in einen Bezug zu den Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung gesetzt und auch entsprechend positioniert. Damit fehle ihnen ein eigenständiges Profil. Anerkannte Standards gebe es ebenfalls nicht. Um eine Marktdurchdringung mit Arbeitskraftabsicherungen von insgesamt 25 % zu erhöhen, müsste für eine klare und eigenständige Positionierung der Alternativen gesorgt werden. Munich Re: „Dann besteht die reelle Chance, sie auch im Markt zu etablieren.“ Maximilian Buddecke, Leiter Maklervertrieb in der Versicherungsgruppe die Bayerische, sperrt sich ohnehin dagegen, BU-Policen und Absicherung der Arbeitskraft stets in einem Atemzug zu nennen: „Das eine ist eine Produktberatung und das andere ist ein Oberbegriff für ein ganzes Beratungsfeld. Bei der Bayerischen nennen wir dies Einkommenssicherung. Zwar gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung definitiv als ein mögliches »Werkzeug« zur Arbeitskraftsicherung, aber das Beratungsspektrum ist durchaus weiter zu fassen.“

Quelle: „AssCompact AWARD – BU / Arbeitskraftabsicherung 2016“, Seite 242
Quelle: „AssCompact AWARD – BU / Arbeitskraftabsicherung 2016“, Seite 242
Immerhin werden Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung nach Erfahrung des Analysehauses MORGEN & MORGEN immer attraktiver. Das Unternehmen bündelt deshalb seit Kurzem alternative Absicherungsoptionen zur Arbeitskraftabsicherung in einem neuen Modul. Es ist in 5 Tarifarten unterteilt – im Detail zur Absicherung der Erwerbsunfähigkeit, der Grundfähigkeiten, der funktionellen Invalidität und Dread Disease. Für Peter Schneider, Geschäftsführer beim Unternehmen, ein logischer Schritt: „Mit der Implementierung von AK-WIN.WIN folgt MORGEN & MORGEN aktuellen Trends in der Versicherungsbranche.“ Nutzer seien jetzt in der Lage, neben der Prämienberechnung die entsprechenden Tarife anhand einer Vielzahl von Leistungskriterien zu analysieren. Welche Rolle die neue Welt für die Versicherer selbst spielt, erklärt Christian Gesell, Produktmanager Existenzschutzversicherung bei AXA: „AXA bietet seit knapp 10 Jahren Alternativlösungen zur Arbeitskraftsicherung. In den letzten 2 bis 3 Jahren rückten BU-Alternativen auch durch namhafte Vergleicher in den Fokus. Auch dadurch stieg die Nachfrage.“ (hwt)   (Arbeitskraftabsicherung / finanzwelt 03/2016)