Maßgeschneiderte Lösungen – europaweit

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T.U. Michael Sieg und Klaus Fickert

T.U. Michael Sieg, Chairman und CEO der ThomasLloyd Group, sowie Klaus Fickert, Head of Institutional Clients, erläutern, warum erneuerbare Energien in Asien heute attraktive Sachwerte sind und wie ThomasLloyd im Markt der institutionellen Investoren weiter wachsen will.

finanzwelt: Der deutsche Anleger kennt Investments im Sektor erneuerbare Energien vor allem mit europäischem Background. Was bewegt ThomasLloyd, speziell in Asien zu investieren?

Sieg: Es ist sicher keine neue Erkenntnis, dass man gut beraten ist, bei Sachwertinvestments auf Märkte zu setzen, die langfristiges Wachstum erwarten lassen. Und jeder, der hin und wieder die Tagesnachrichten verfolgt, wird verstehen, dass Asien mit seiner beeindruckenden und intakten Wachstumsstory hierfür der Prototyp ist. Eines ist jedoch hierzulande bislang nur Experten bewusst. Asien hat wachstumsbedingt auch ein veritables Energieproblem. In Asien wird schon heute doppelt so viel Energie verbraucht wie in den USA. Und der Kontinent kann davon gar nicht genug bekommen. Die Folge ist erfreulich für uns Investoren. Denn Asien tut etwas gegen seinen Energiemangel. Es fördert ausländische Investitionen durch Zoll- und Steuervorteile und sogar Einspeisevergütungen nach europäischem Vorbild. Dazu bietet Asien vielerorts optimale klimatische Bedingungen für die regenerative Energiegewinnung. Zahlreiche Länder liegen nahe am Äquator – das ist optimal für Solaranergie. Andere haben lange Küsten – beste Voraussetzungen für Windkraft. Und wieder andere setzen stark auf Landwirtschaft – ideale Voraussetzungen für Biomassestrom aus Ernteabfällen. Ich denke, da verwundert es nicht, dass Asien heute der größte Markt für erneuerbare Energien weltweit ist und die ehemals führenden Nationen Europas, wie Deutschland, Italien und Spanien, längst abgehängt hat. Über 100 Milliarden Dollar pro Jahr fließen in die erneuerbaren Energien Asiens – nach Europa noch nicht einmal die Hälfte. Warum wir nicht in Europa investieren, erklärt sich damit von selbst. Wir finden hier ohne Ausnahme gesättigte, stagnierende, teils rezessive Märkte. Rückläufige Bevölkerung, Null-Wachstum, Stromüberproduktion und meist mittelmäßige Standorte für erneuerbare Energien. Doch Asien ist nicht Asien. Afghanistan lässt sich nicht mit Singapur vergleichen, und China ist nicht Indien. Unsere Investmentspezialisten sehen sich die Länder daher sehr genau an. Sie bewerten Länder nach wirtschaftlichen, politischen, juristischen, geographischen und klimatischen Kriterien. Und sie identifizieren so die attraktivsten Investitionsstandorte von heute und morgen, schließen aber gleichzeitig Regionen aus, die keine Planungssicherheit und keine attraktiven, risikobereinigten Renditen bieten.

finanzwelt: Aktuell ist ThomasLloyd insbesondere auf den Philippinen tätig. Warum?

Sieg: Eine boomende Wirtschaft und ein chronischer Energiemangel, dazu ausgezeichnete Wirtschaftskennzahlen und Credit Ratings treffen hier auf eine besondere Offenheit gegenüber ausländischen Investoren. Dazu gibt es viel Sonne, rundherum Ozean und viel Landwirtschaft, so dass wir uns schon vor Jahren entschieden haben, hier in Solar- und Windparks sowie Biomassekraftwerke zu investieren. Daher haben wir uns schon 2008 für das Land entschieden, über Jahre hinweg starke Netzwerke auf den Philippinen aufgebaut und die richtigen und kompetenten Partner vor Ort identifiziert. Unser erstes Solarkraftwerk mit 22 MW nahm im Frühjahr dieses Jahres der philippinische Staatspräsident persönlich in Betrieb – ich denke, das zeigt, welchen Stellenwert dieses Ereignis im Lande hatte.

finanzwelt: ThomasLloyd unterscheidet sich nicht nur hinsichtlich des Investitionsstandorts, sondern auch deutlich im Assetmanagement. Können Sie das kurz erläutern?

Fickert: Da wir und unsere Investoren Rendite- und Risikoerwartungen haben, die sich mit klassischen geschlossenen Fondsstrukturen und passiven „buy-and-hold” Anlagestrategien heute nicht mehr erfüllen lassen, setzen wir zukünftig auf offene Fonds und aktive Anlagestrategien. Das bedeutet, dass wir ein Asset nicht erwerben, um dieses viele Jahre lange zu betreiben und uns mit niedrigen Leasing- bzw. Mieteinnahmen zu begnügen. Vielmehr erwerben wir baufertige Kraftwerksprojekte am Ende der Projektentwicklungsphase, strukturieren sie, finanzieren den Bau derselben und verkaufen das fertige Kraftwerk zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme oder kurz danach an langfristig orientierte Betreiber und Eigentümer. So realisieren wir schnell die maximale Wertschöpfung, ohne das Risiko der Projektentwicklung eingehen zu müssen. Und wir setzen damit laufend Kapital frei, das dann wieder zur Verfügung steht, um weitere Projekte zu finanzieren und zusätzliche Erträge zu generieren. Wir sehen heute eines der großen Probleme der Branche darin, dass die Margen, die in überwiegend gesättigten Märkten erzielt und dann zusätzlich durch neue Kostenfaktoren im Zuge der AIFM-Regulierung geschmälert werden – denken Sie hier z. B. an die Verwahrstelle und andere durchaus kostenrelevante Dienstleister – nicht mehr ausreichen, das berechtigte Renditeinteresse unserer privaten wie auch institutionellen Kunden zu befriedigen.

finanzwelt: Herr Fickert, Sie haben kürzlich die neu geschaffene Position des Head of Institutional Clients bei ThomasLloyd angetreten. Was hat Sie dazu bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen und wo sehen Sie besondere Potenziale?

Fickert: Es war mir besonders wichtig, dass man in meinem neuen Umfeld die mit der AIFMD einhergehenden Herausforderungen proaktiv angeht. Denn ich denke, dass man nur so am Markt für Sachwertbeteiligungen zukünftig erfolgreich sein kann. Bei ThomasLloyd hat man AIFMD frühzeitig als Chance verstanden, das vertriebliche Potenzial zu erweitern und in frei werdende Marktbereiche vorzustoßen. Schließlich ist der Markt im Zuge der Regulierung und AIFMD-Umsetzung erheblich ausgedünnt. Meines Wissens sind von ursprünglich mehr als 300 Anbietern weniger als 20 Prozent übrig, und am Markt finden sich aktuell gerade einmal zwei Hand voll geschlossene Bestandsfonds und einige neu zugelassene AIFs. Mit der Zulassung des „ThomasLloyd SICAV-SIF” in Luxemburg inklusive seines ersten Teilfonds „ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund” als vollregulierten, offenen alternativen Investmentfonds (AIF) können wir heute maßgeschneiderte Lösungen für alle Zielgruppen unseres Marktes zur Verfügung stellen. Und das nicht mehr nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Zum einen finden professionelle Investoren bei uns zukünftig neue, für bestimmte Zielgruppen konzipierte Anlagekonzepte. Denken Sie hierbei an speziell strukturierte Angebote für Family Offices, Vermögensverwalter, Dachfonds, Pensionskassen, Versorgungswerke und Versicherungen. Auf der anderen Seite werden wir unser Angebot im Privatkundenbereich um fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen sowie betriebliche Altersvorsorgekonzepte sukzessive erweitern. Mein Augenmerk gilt nun, den Bekanntheitsgrad von ThomasLloyd im Kreise professioneller Investoren im deutschsprachigen Raum weiter zu erhöhen. Die Aussichten hierfür stehen gut – dank auch eines überzeugenden, mehrjährigen Track Records des „ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund”. Grundsätzlich ist der Bedarf an innovativen, wert- und ertragsstabilen Kapitalanlagen groß. Während die Erneuerbare-Energien-Infrastruktur in Asien als Kapitalanlage bislang lediglich durch einige regionale und hoch spezialisierte globale Investoren abgedeckt wurde, hat sich ThomasLloyd das Ziel gesteckt, die Lukrativität dieses Marktes auch einer stetig wachsenden Zahl anspruchsvoller Investoren in Europa zu erschließen. (ah)

Interview mit T.U. Michael Sieg und Klaus Fickert – Printausgabe 05/2014