Manchmal unbelehrbar

Das Umfrageinstitut YouGov hat allerdings nach dem Ende der letzten Wechselwochen eher Überraschendes festgestellt. Danach gingen die Online-Abschlüsse bei den Wechslern Ende vergangenen Jahres zurück. Fast jeder zweite Wechsler (48 %) hat seine neue Kfz-Versicherung in diesem Jahr online abgeschlossen, im Jahr zuvor waren es aber noch mehr als die Hälfte (54 %). „Dieser Rückgang geht fast vollständig auf eine geringere Nutzungsquote von Vergleichsseiten für den Kfz-Versicherungswechsel zurück“, sagt Werner Grimmer, Studienleiter Custom Research bei YouGov. „Überraschend ist dabei vor allem, dass Millennials (26 – 39 Jahre) und noch mehr die ‚Generation Z‘ (bis 25 Jahre) beim Kfz-Versicherungswechsel stärker auf persönliche Beratung durch Versicherungsvermittler setzen als ältere Generationen, während Vergleichsseiten am häufigsten von der „Generation Golf“ (40 – 54 Jahre) und Internetseiten von Versicherern am häufigsten von den „Babyboomern“ (ab 55 Jahre) zum Wechsel genutzt werden.

Das Auto ist scheinbar wichtiger als die eigene Arbeitskraft

Die Online-Versicherung von Kfz ist also mehr oder weniger mittlerweile ein etablierter Geschäftszweig. Welchen prozentualen Anteil aber hat sie am Gesamtgeschäft? Hans-Gerd Coenen, Vorstandsvorsitzen-der Gemeinnützige Haftpflicht-Versicherungsanstalt Darmstadt (GHV VERSICHERUNG), Anstalt des öffentlichen Rechts, bietet eine eher überraschende Antwort: „Wir bieten die Kfz-Versicherung online derzeit noch nicht an.“ Und auch Jan Dirk Dallmer, Bereichsleiter Kraftfahrt-Betrieb bei KRAVAG/R+V, wartet mit einem überaus mageren Ergebnis auf: „Bezogen auf den Bestandsbeitrag hat das Online-Geschäft bei uns einen Anteil von etwa 5 %.“ Skepsis auch bei der Frage, wer den Kunden – ganz allgemein – eigentlich wirklich nach einem Online-Abschluss betreut. Dallmer sagt: „Sofern das online vermittelte Geschäft über den Vertriebsweg Makler zustande gekommen ist, erfolgt auch die weitere Betreuung des Kunden über den Makler.“ Häufig werde ein online abgeschlossenes Geschäft in der Kfz-Versicherung auch durch persönliche Bera-tung in anderen Versicherungszweigen ergänzt. Und Coenen macht den Betroffenen eher wenig Zuversicht: „Bei einem Online-Abschluss hat sich der Kunde gegen eine persönliche Betreu-ung entschieden. Bei Bedarf wendet sich der Kunden an den Kundenservice, der dann hauptsächlich reagieren und weniger agieren kann.“ Natürlich stellt sich aber auch die Frage, ob mit den Online-Abschlüssen auch das Thema Kfz-Versicherung als Türöffner-Geschäft entfällt. Laut Dallmer verhält es sich so: „Der Makler kennt seinen Kunden in der Regel sehr gut.“ Selbst wenn einzelne Versicherungen online und vom Kunden eigenständig abgeschlossen würden, habe der Makler weiterhin die Möglichkeit, den Kunden zu anderen Versicherungszweigen zu beraten und so auch weiteres Geschäft abzuschließen. Sein Kollege Coenen hält es bei dieser Frage eher mit Galgenhumor: „War Kfz wirklich jemals ein Türöffner? Angesichts der nach wie vor doch recht geringen Vertragsanbindungsquote kann bei den meisten Kunden die Tür noch weit geöffnet werden.“ (hdm)