Manchmal unbelehrbar

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Die Versicherer, der Vertrieb und auch die Medien machen offenbar einiges falsch – oder aber die Deutschen sind unbelehrbar. Einer Analyse zufolge sichern nämlich mehr Bundesbürger ihre Arbeitskraft online ab als ihr Auto. Immerhin scheint das digitale Vertragsgeschäft in der Kfz-Versicherung rückläufig. Und manche Versicherer halten offenbar sowieso wenig davon.

Eine Studie der Beratungsfirma Adcubum mit dem Titel „Digitale Versicherung 2019“ kommt zu einem klaren Ergebnis: 69 % der Bundesbürger sind offen für reine Online-Abschlüsse. 13 % würden den Versicherungsvertrag auch bei Alexa oder Siri „unterschreiben“. Wie die Studie weiter zeigt, bedeutet eine positive Grundeinstellung gegenüber Online-Versicherungen aber nach wie vor nicht automatisch, dass der Kunde auch gleich im Internet abschließt. „70 % der Online-Begeisterten haben bereits tatsächlich eine Versicherung komplett online abgeschlossen“, so Michael Süß, Geschäftsführer der Adcubum Deutschland GmbH. „Zwar hat damit insgesamt bereits gut jeder zweite Bundesbürger diesen Vertriebskanal schon einmal erfolgreich genutzt, aber für viele Kunden sind die Angebote im Netz immer noch zu kompliziert oder erklärungsbedürftig.“ Zu den Online-Favoriten der Bundesbürger gehören daher wie im Vorjahr die Kfz-Versicherung, die Haftpflichtversicherung und die Hausratversicherung. „Die Entwicklung der Zahlen unterstreicht, dass der Online-Abschluss bei diesen eher ‚einfachen‘ Versicherungen immer mehr zum Normalfall wird“, erläutert Versicherungsexperte Süß. „Bei beratungsintensiveren Produkten wie etwa Lebens- oder Rentenversicherungen zeichnet sich das hingegen noch nicht ab.“ Bis auf einige wenige Anbieter im Bereich der Reiseversicherung sind auch Abschlüsse über einen digitalen Sprachassistenten wie Amazons Alexa oder Apples Siri noch Zukunftsmusik. „Unsere Studie zeigt aber, welches Potenzial hier schlummert“, analysiert Süß. „13 % der Bundesbürger können sich den Abschluss über einen solchen Assistenten bereits vorstellen, obwohl die Technologie erst seit zwei bis drei Jahren auf dem Markt ist – ein enormer Vertrauensvorschuss.“

Das große Potenzial der Online-Versicherung

Welch großes Potenzial in der Online-Versicherung liegt, weiß auch der Branchenverband Bitkom: „Das Wachstumspotenzial für Online-Versicherungen ist riesig“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg und verweist darauf, dass sich rund jeder dritte Befragte, für den die jeweilige Versicherung in Frage kommt, vorstellen kann, künftig eine Reise-rücktrittversicherung (36 %), eine Auslandsreisekrankenversicherung (36 %),eine sonstige Rentenversicherung (36 %) oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung (34 %) online abzuschließen. Allerdings äußern sich nur 27 % der Kfz-Versicherten entsprechend. Das ist schon fahrlässig zu nennen: Bei einem derart komplexen und beratungsintensiven Thema wie der Absicherung der Arbeitskraft, das förmlich nach der Betreuung durch einen Makler schreit, mehr als bei der Versicherung eines Kfz auf einen Online-Abschluss zu setzen, lässt Experten sprachlos sein. Doch Berg sagt: „Es gibt bereits heute eine nicht zu vernachlässigende Kundengruppe, die auch komplexere Produkte gerne online abschließen möchte.“ Und er resümiert: „Wenn es gelingt, die Produkte zu vereinfachen, dann wird auch die Nachfrage nach Online-Abschlüssen weiter steigen.“

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