„Make in India“-Woche präsentiert Indien als Investment-Wunderland

14.02.2016

„Make in India“ – so lautet der Titel einer staatlichen Kampagne zur Förderung des Wirtschaftswachstums in Indien. Und so lautet auch das Motto einer Woche voller wirtschaftlicher und kultureller Events, die derzeit in Mumbai stattfindet.

(fw) Sie soll ein Schlaglicht auf die Erfolgsstory werfen, die sich derzeit in Indien abspielt. Denn während die asiatischen Schwellenländer insgesamt unter der Krise Chinas leiden, könnte Indien von den Turbulenzen sogar profitieren.

Davon ist Madhav Bhatkuly, Fondsmanager des GAM Star India Equity, überzeugt: „Der indische Aktienmarkt scheint bereit zu sein, auf der Welle des Optimismus zu reiten, die von den Plänen des Premierministers Narendra Modi ausgelöst wurde.“ Investoren wenden sich laut Bhatkuly vermehrt indischen Aktien zu. Viele hätten das Land übergewichtet, weil sie nach dem Abverkauf am chinesischen Aktienmarkt nach Alternativen suchten. Darüber hinaus hätten auch die mittelfristigen Pläne der Regierungspartei Bharatiya Janata dazu beigetragen, das Vertrauen der Investoren in die indische Politik zu stärken, so der Experte.

Seit Modi die Regierung Indiens anführe, arbeite er an strukturellen Veränderungen der Wirtschaft, die geeignet sein könnten, starke Wachstumskräfte freizusetzen. „Zu diesen Veränderungen zählen beispielsweise dringend benötigte höhere Ausgaben für die Infrastruktur des Landes, etwa für den Straßenbau. Darüber hinaus gibt es eine Initiative zum Abbau der ausufernden Bürokratie“, erklärt der Fondsmanager.

Finanz-, Pharma- und Luxussektor vielversprechend

Auch die traditionelle Abneigung vieler Inder gegen die Aufnahme von Schulden habe eine positive Seite, ermögliche sie dem Finanzsektor des Landes doch eine Menge Raum für Wachstum. „Insbesondere das Kreditgeschäft ist bisher noch kaum erschlossen und dürfte in den kommenden Dekaden stark expandieren”, erläutert Bhatkuly. „Wir bleiben daher in Finanzwerte investiert, die wir als echte Value-Investment-Gelegenheit betrachten und denen wir langfristig eine verlässliche Performance zutrauen. Dazu zählen etwa die ICICI Bank und die DCB Bank.“

Gute Investmentchancen sieht Bhatkuly auch in der Pharmabranche. „Der zunehmende Wohlstand hat auch deutliche Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten mit sich gebracht”, sagt er. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge wird in einem Jahrzehnt ein Drittel der weltweiten Diabetiker in Indien leben, weil die Inder so gerne Süßes essen. Unternehmen wie Sun Pharmaceuticals und Glenmark Pharmaceuticals könnten davon profitieren, denn sie stellen Medikamente zur Behandlung von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen her. „Aus Investorensicht macht sie das extrem attraktiv”, so Bhatkuly.

Sehr positiv sei zudem die demografische Entwicklung des Landes. Die stetig wachsende Mittelschicht verfolge einen zunehmend konsumintensiven Lebensstil. So verbringen viele Inder ihre Ferien inzwischen an Reisezielen wie Dubai, den Malediven oder Singapur, was etwa Anbietern von Luxusreisen zugutekomme. Daher seien auch deren Aktien langfristig für Investoren interessant.

2016 wird entscheidendes Jahr für Indien

2016 werde ein entscheidendes Jahr für die Umsetzung der Vision von Premierminister Modi sein, so der Experte weiter. „Modi wird einige seiner Reformen pragmatischer angehen müssen als bisher, etwa wenn es um die Korruption geht. Denn indische Unternehmen müssen auch künftig in der Lage sein, Erträge zu erzielen.“ Gerade im Hinblick auf das Korruptionsproblem habe die Wirtschaft des Landes noch einen langen Weg vor sich. Dennoch blieben die Wachstumsaussichten attraktiv, und angesichts seiner soliden Leistungsbilanz könne Indien auch den negativen Effekten der restriktiveren Geldpolitik in den USA widerstehen. „Und schließlich wirkt auch die Tatsache, dass Indien eine Demokratie ist, zugunsten des Landes“, sagt Bhatkuly. „Dies macht Indien für viele Investoren zu einer attraktiveren Anlageregion.“ Wie attraktiv das Land ist, verdeutlicht nicht zuletzt die illustre Teilnehmerliste der „Make in India“-Woche. Auf der stehen nämlich nicht nur indische Regierungsvertreter und Unternehmer sondern auch zahlreiche Größen der globalen Wirtschaft, darunter die Vorstandsvorsitzenden von Konzernen wie Volvo und Airbus.