M&A-Strategie muss zum Portfolio passen

Thomas Hünicke geschäftsführender Gesellschafter WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH / Foto: © WBS Hünicke Vermögensverwaltung

Anleger können von der guten Situation im M&A-Markt profitieren. Sie haben die Wahl zwischen Direktinvestments in potenzielle Deal-Beteiligte oder den Einsatz von Zertifikaten und Fonds.

2015 war bereits ein Rekordjahr bei den Unternehmenstransaktionen (M&A – Mergers & Acquisitions). Die 10 größten Deals kamen auf ein Gesamtvolumen von mehr als 550 Mrd. US-Dollar, Spitzenreiter ist der Kauf von Allergan durch Pfizer mit einem Wert von 160 Mrd. Dollar. Und auch 2016 hat bereits großvolumige Deals gesehen, etwa die 11,3 Mrd. Dollar schwere Übernahme des Kabelspezialisten Valspar durch Sherwin-Williams oder auch der ebenfalls 11,3 Mrd. Dollar schwere Erwerb des Energieunternehmens ITC Holdings durch den kanadischen Fortis-Konzern. Und Bayer hat angekündigt, den US-Agrarkonzern Monsanto für mindestens 55 Mrd. Euro schlucken zu wollen. Anleger können von der guten Situation im M&A-Markt durchaus profitieren. Die Praxis zeigt, dass saubere Deal-Ankündigungen die Börsenkurse treiben können. Einige Beispiele: Der Kurs des britischen Gasproduzenten BG stieg nach Bekanntwerden der Übernahme durch Shell an der Londoner Börse um knapp 40 % (2015), und Stada kletterte in wenigen Monaten im Frühjahr mehr als 30 % nach oben – trotz reiner Übernahmespekulationen, die sich dann übrigens doch nicht bewahrheitet haben. Einem Aktien-Portfolio können potenzielle Deals guttun, sowohl bei den Werten des Käufers als auch bei denen des Verkäufers. Es sind enorme Kursgewinne möglich, die auch in schwachen Zeiten ein Depot spürbar ins Plus drehen können. Aber das ist natürlich kein Selbstläufer, denn klassischerweise spielen sich öffentliche Übernahmen nicht im Dax- beziehungsweise Blue Chip-Bereich ab – will heißen, die Deal-Parteien stehen häufig nicht so stark im Fokus der Privatanleger, so dass die Chance, diese Werte ohnehin im Korb zu haben, relativ gering ist. Dementsprechend stehen Investoren, die eine „M&A-Strategie“ verfolgen, vor der Aufgabe, die Märkte und Übernahmegerüchte genau zu verfolgen, spezielle Sektorenkompetenz aufzubauen und dann auch den Mut zu besitzen, frühzeitig die Werte einzukaufen, wenn die ersten leisen Anzeichen für einen Deal auftreten. Wichtig dabei: Diese „M&A-Strategie“ muss sich in die Gesamtstrategie einfassen und sollte nur in einer begrenzten Ausprägung stattfinden, gerade dann, wenn Anleger ihre Aktienquote eher begrenzen wollen. Alternativen zu direkten Aktieninvestments sind strukturierte Papiere wie Zertifikate, die Werte von Unternehmen zusammenfassen, die eine Berührung zum M&A-Markt haben oder haben können. Ebenso legen verschiedene Emittenten Fonds auf, die in diese Nische investieren. Damit umgehen Anleger die latenten Risiken von Einzelinvestments und können auf das Know-how von Fondsmanagern zurückgreifen – auch aus internationalen Dickschiffen wie Goldman Sachs oder der Deutschen Bank. Übrigens: Eine Befragung des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young kommt zum Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland in 2016 zukaufen möchten. Insgesamt haben 56 % entsprechende Pläne, der höchste Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 2010. Chancen für Investoren sind also vorhanden.

von: Thomas Hünicke, WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH