Luft nach oben

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Die Durchdringungsquote der Risikolebensversicherung ist in Deutschland noch deutlich ausbaufähig. Für Vermittler ist es deshalb äußerst wichtig, keine Hemmungen zu haben, ein sehr unangenehmes Thema beim Kunden anzusprechen.

Der Mensch neigt dazu, unangenehme Dinge aufzuschieben oder ganz zu verdrängen. Und eines der unangenehmsten Themen in unserer Gesellschaft ist zweifellos der Tod. Dabei trifft dieser jeden von uns irgendwann einmal – und das auch häufig in der vermeintlichen Mitte des Lebens: Jedes Jahr sterben in Deutschland ca. 900.000 Menschen, jeder zehnte davon im Alter zwischen 20 und 60 Jahren. Männer sind dabei etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Da Männer meist die Hauptverdiener einer Familie sind, kommt für die Angehörigen neben der emotionalen noch die finanzielle Belastung hinzu. Diese erhalten in einem solchen Fall zwar eine Hinterbliebenenrente. „Doch die staatlichen Leistungen reichen bei Weitem nicht aus, damit Partner und Kinder ohne große Einschränkungen über die Runden kommen“, warnt Dr. Ulrich Gauß, Vorstandsvorsitzender VPV Versicherungen. „Angesichts der in der Tat existenzbedrohenden Situation, in die eine Familie durch den Tod des Hauptverdieners geraten kann, ist eine entsprechende Vorsorge unverzichtbar. Die beste Lösung stellt hierfür eine Risikolebensversicherung dar“, ergänzt Michael Stille, Vorstandsvorsitzender der Dialog Lebensversicherungs-AG. Diese Art der Versicherung sieht Bernhard Rapp gerade in einer Partnerschaft als sinnvoll an, auch wenn man an das Thema Erben denke: „So kann der Hauptverdiener sehr einfach dafür sorgen, dass im Todesfall der finanziell schwächere Partner abgesichert ist“, erklärt der Direktor Marketing und Produktmanagement und stellvertretender Niederlassungsleiter Canada Life Deutschland.

Bedarf wird oft nicht erkannt

Dennoch besteht bezüglich der Durchdringungsquote der Risikolebensversicherung in Deutschland noch deutliche Luft nach oben. So gibt es laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hierzulande ca. 7,6 Mio. Risikolebensversicherungen, was bedeutet, dass nur etwa jeder zehnte Deutsche eine solche Police hat. Michael Stille verweist aber darauf, dass die Zahl der Nutznießer aber höher ist. „Es gibt auch gegenseitige Partnerschaftsabsicherungen, aber generell gilt, dass im Todesfall die Versicherungssumme nicht nur einem Hinterbliebenen, sondern in der Regel der gesamten Familie (oder auch anderen Angehörigen) zugutekommt.“ Die Gründe, warum die Durchdringungsquote der Risikolebensversicherung bislang eher gering ist, sind vielfältig. „Heutzutage wird die Risikolebensversicherung vor allem zur Absicherung von Immobilienfinanzierungen oder anderen größeren Verpflichtungen abgeschlossen, mit denen man seine Familie nicht zurücklassen will. Das schränkt naturgemäß die Nachfrage ein“, erklärt Dietmar Bläsing, Sprecher der Vorstände der VOLKSWOHL BUND Versicherungen. „Viele Menschen sehen für sich einfach nicht den Bedarf. Meist schließt der Hauptverdiener der Familie eine Risikolebensversicherung ab – häufig beim Erwerb einer Immobilie. Das ist sinnvoll, greift aber zu kurz. Zusätzlich sollte auch der Partner eine Risikovorsorge treffen, der sich hauptsächlich um Nachwuchs und Haushalt kümmert. Denn stirbt dieser Elternteil, ist das für den anderen auch eine finanzielle Belastung. Es entstehen Kosten für Kinderbetreuung, Haushaltshilfe etc.“,ergänzt Dr. Helmut Hofmeier, Vorstand der EUROPA Lebensversicherung AG. Die noch ausbaufähige Verbreitung der Risikolebensversicherung in Deutschland hängt aber nicht nurmit der traditionell geringen Wohneigentumsquote in Deutschland, sondern auch mit einer Veränderung auf dem Finanzmarkt zusammen: „In der Vergangenheit wurde Todesfallschutz und Altersvorsorge in einem einfachen Produkt, der kapitalbildenden Lebensversicherung, kombiniert. Aber diese Produktgruppe ist schon seit längerer Zeit für Neukunden wenig attraktiv“, erklärt Martin Gräfer, Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische.

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