Lotto-Spielen ist beliebter als Aktienhandel

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Lotto-Spiele und Aktien sind auf den ersten Blick zwei Paar Schuhe. In beiden Fällen möchten Teilnehmer gerne zu größerem Reichtum gelangen. Sowohl das Spiel als auch der Aktienhandel haben ihre Risiken, wecken zugleich aber Hoffnungen auf das ganz große Geld.

Rund 21 Millionen Menschen in Deutschland spielen Lotto. Mit Aktien hingegen handelt nur jeder 7. Bundesbürger, obwohl doch die Wahrscheinlichkeit beim Lotto zu gewinnen, deutlich kleiner ausfällt. Die Chance den Lotto-6aus49-Jackpot zu knacken liegt nämlich bei 1 : 140 Millionen.

Dennoch trauen sich viele nicht in die Welt des Börsenhandels und der turbulenten Finanzmärkte – aus Furcht vor großen Verlusten. Im Folgenden werden Lottospiele und Aktienhandel genauer unter die Lupe genommen.

Lotto versus Aktienhandel

Als erstes sind wohl die Verfügbarkeit von Lotto-Annahmestellen und erleichterte Teilnahmebedingungen zu nennen. Es ist vielfach präsenter – man kann es am Kiosk um die Ecke spielen oder einfach ganz bequem Lotto online  spielen.

Das Lotto-Spiel ist darüber hinaus intuitiv und einfach zu verstehen. Jeder kann mitspielen und mittippen und den meisten bereitet das Spiel selbst großen Spaß. Die Spannung, wenn die Zahlen gezogen werden oder die Auswahl der glückbringenden Zahlen sind für manch einen ebenfalls gute Gründe, Lotto zu spielen. Nicht nur der Gewinn steht im Vordergrund, sondern schlichtweg der Spaß an der Freude. Lotto ist außerdem transparent und Ziehungen können live mitverfolgt werden.

Ganz anders der Handel mit Wertpapieren: dieser erfordert deutlich mehr Vorbereitung und Aufwand. Auch ein gewisses Know-how ist notwendig, um wirklich Erfolg zu haben. Denn Investmentanlagen erscheinen für die meisten komplex und undurchsichtig. Vor allem die Kursschwankungen und die Wertentwicklung einzelner Aktien sind für viele Laien auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar. Man muss sich länger mit der Thematik beschäftigen und braucht unter Umständen eine nicht ganz kostenfreie Beratung. Zudem lassen sich die Gewinnchancen nur schwer abschätzen.

Insgesamt ist die potenzielle Gewinnsumme von Aktienanlagen anfangs kaum erkennbar und das Risiko nicht einfach zu kalkulieren. Deshalb überlegen Anleger im Voraus, wie sie durch geschicktes Handeln ihr Geld am besten anlegen oder zu welchem Zeitpunkt sie am besten verkaufen. So sind Risiko und Verluste von Anfang an begrenzbar. Manche entwickeln im Laufe der Zeit sogar eine Strategie. Im Lottospiel hilft allerdings weder eine langjährige Erfahrung noch eine ausgeklügelte mathematische Formel weiter. In der Lotto-Trommel regiert der reine Zufall.

Unterschiede ergeben sich auch, wenn man den Einsatz betrachtet, der zu Beginn eines Lottospiels bzw. eines Aktienkaufs geleistet werden muss. Während man beim Lotto-Spiel die Chance hat, für kleines Geld den großen Gewinn abzustauben, muss bereits beim Einstieg in den Aktienhandel ein hoher Geldbetrag investiert werden. Dies schreckt potenzielle Anleger erst einmal ab. Logisch gesehen bedeutet ein kleinerer Einsatz auch ein geringeres Risiko – im Umkehrschluss können höhere Beträge auch zu höheren Verlusten führen.

Angst vor dem Unbekannten

Insgesamt stehen viele Menschen der Börse eher skeptisch gegenüber und haben wenig Vertrauen in den Erfolg auf dem Aktienmarkt. Aktienhandel ist nichts Alltägliches und erscheint uns daher fremd. Lotto hingegen kennt man, auch wenn man es noch nicht gespielt hat. Aufgrund dieser Vertrautheit nehmen viele Menschen das Risiko wohl anders wahr als beim unbekannten Aktienhandel und meiden daher den Einstieg ins Ungewisse. Statistisch gesehen ist das Potential von Anlagen aber meist größer und der Aktienhandel auf lange Sicht erfolgsversprechender. Auch bei Verlustgeschäften ist noch nicht alles verloren. Seinen Einsatz kann man zumindest teilweise wieder herausholen oder abwarten, bis es mit den Aktienkursen wieder bergauf geht.

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesem Phänomen. Mit Behavioural Finance (zu Deutsch Verhaltensökonomie) widmet sich eine eigene Forschungsdisziplin der Psychologie von Anlegern und versucht aufzuzeigen, wie Anlageentscheidungen zustande kommen und welche Fehler immer wieder gemacht werden. Am Ende ist es meistens reine Kopfsache.

Autor: Marcus Bichert