Löst Neues Altes ab?

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Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Veränderungsprozess: Während der Bereich High-Tech sich längst nicht mehr hinter den USA verstecken muss, ist die Zukunft für eine andere traditionelle deutsche Industrie ungewiss. Das schlägt sich auch in den Portfolios der Deutschland-Fonds nieder.

Am 1. Juli feierte der DAX sein 30-jähriges Bestehen. Mehr als doppelt so alt ist der Fondak, der 1950 von Allianz Global Investors aufgelegt wurde und damit der älteste deutsche Aktienfonds ist. Der traditionsreiche Fonds setzt dabei auch auf Zukunftstechnologien: So macht die IT-Branche ca. ein Viertel des Portfolios aus. „Die größten Übergewichte sind aktuell Infineon Technologies und SAP. Die größte Position im Fonds ist SAP gefolgt von Infineon Technologies“, erklärt Fondsmanager Thomas Orthen.

Thomas Orthen, Fondsmanager des Fondak / Foto: © Allianz Global Investors

Ebenfalls vom High-Tech-Segment überzeugt ist Christoph Ohme, Fondsmanager für deutsche Aktien bei DWS. So seien die deutschen Firmen vor allem in den Bereichen Automatisierung und „Internet of Things“ gut aufgestellt. Die deutsche High-Tech-Industrie ist dabei nicht nur auf einen Standort beschränkt, sondern verteilt sich auf viele Standorte. So werden mehrere Städte im gesamten Bundesgebiet (z.B. München, Köln, Bremen, Dresden) teilweise mit dem Titel „deutsches Silicon Valley“ o.ä. bezeichnet.

Finanzsektor bleibt attraktiv

Jörg Philipsen, Portfoliomanager des UBS German High Dividend / Foto: © UBS

Jörg Philipsen, Portfoliomanager des UBS German High Dividend, bezeichnet die Branchen Finanzwesen, Industrie und Nicht-Basiskonsumgüter als signifikante Repräsentanten der deutschen Wirtschaft. Entsprechend machen die Sektoren beim UBS German High Dividend mehr als die Hälfte des Portfolios aus. Bei der Suche nach dividendenstarken Unternehmen mit attraktiven Bewertungen wird Jörg Philipsen nach eigener Aussage überdurchschnittlich oft im Finanzsektor fündig. „Innerhalb dieses Sektors erscheinen uns dabei aktuell Versicherungen sowie Unternehmen aus dem Small Cap Segment besonders interessant“, erläutert der Fondsmanager. Die Attraktivität des deutschen Finanzmarktes für Investoren unterstreicht auch Alexander Dominicus, Mitglied des MainFirst Top European Ideas Fund Teams. „Für den Finanzmarkt sehen wir nach einer negativen Entwicklung besonderes Aufholpotential.“ Für Dominicus ist der Finanzmarkt aber nur eine von vielen Branchen, die derzeit Chancen bietet: „Zyklische Sektoren bieten interessante Investmentopportunitäten. Deutschland profitiert mit exportstarken Unternehmen besonders von der positiven Konjunkturentwicklung. Wenn man zudem zu Firmen greift, die Marktanteile gewinnen oder die Kostenstrukturen verbessern, kann sich eine dynamische Gewinnentwicklung ergeben. Zyklischen Firmen handeln zudem zu niedrigeren Bewertungsmultiples im Vergleich zum Gesamtmarkt.“

Quo Vadis Autobranche?

Sowohl das Auto selbst als auch die heute am weitesten verbreiteten Motoren (Dieselmotor und Ottomotor) wurden alle in Deutschland erfunden. War Deutschland für die Entwicklung des Autos von entscheidender Bedeutung, ist heute die Automobilindustrie entscheidend für Deutschland: Etwa jeder vierte Euro im produzierenden Gewerbe wird hierzulande mit einem automobilen Produkt umgesetzt und ca. 8. % der Wirtschaftsleistung gehen direkt oder indirekt auf die Autoproduktion zurück. Welche Rolle die Automobilbranche für die Zukunft Deutschlands spielen wird, ist derzeit noch äußerst ungewiss, was auch Folgen für die Gewichtung der Automobilindustrie im UBS German High Dividend, wie Jörg Philipsen erläutert. „Aufgrund der erhöhten Unsicherheiten durch potentielle Handelsverschärfungen sowie den anstehenden Technologiewechsel über Hybrid- hin zu Elektroantrieben sehen wir hier jedoch auch deutlich erhöhte Risiken und vermeiden eine überproportionale Position.“ (ahu)