Leider ist eine Stagflation nicht unwahrscheinlich

Thomas Buckard, Vorstand MPF AG / Foto: © MPF AG

Ein stagnierendes Wirtschaftswachstum bei steigenden Preisen – an den Finanzmärkten könnte es wieder ungemütlich werden, meint Thomas Buckard. Der Vorstand der MPF AG rät Anlegern sich mit Sachwerten vor einer drohenden Stagflation zu schützen.

Der Begriff Stagflation stammt aus den 70er-Jahren, als die Ölkrise in zahlreichen Volkswirtschaften für eine Stagnation des Wirtschaftswachstums sorgte. Gleichzeitig stiegen jedoch die Preise. Das Phänomen ist sowohl für die Realwirtschaften als auch die Finanzmärkte äußerst belastend. Leider ist es durchaus denkbar, dass die Weltwirtschaft erneut in eine Stagflation schlittert.

Das Ausmaß der Schäden in den verschiedenen Volkswirtschaften durch den Corona-Lockdown ist längst noch nicht im vollen Ausmaß sichtbar. Mehr Klarheit werden die Unternehmensergebnisse für das zweite Quartal bringen. Dennoch scheinen schon heute Zweifel an dem Optimismus und an der Sorglosigkeit angebracht, die an den Aktienmärkten schon wieder herrschen.

Verschiedene Branchen werden sehr lange brauchen, bis sie wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen. Das gilt sicherlich für den Tourismus oder den Flugverkehr. Aber auch auf die Autobauer könnten schwere Zeiten zukommen. Menschen, die um ihren Arbeitsplatz bangen, werden sich sicherlich bei größeren Anschaffungen zurückhalten. Dazu kommen zusätzliche Belastungen wie die CO2-Obergrenzen für die Flotten von Neuwagen, die an dem kommenden Jahr für die Produzenten beim Überschreiten zu empfindlichen Strafzahlungen führen können.

Schließlich sind viele Bereiche der Wirtschaft weiter durch Abstandsregeln und Einschränkungen weiterhin belastet. Das wird voraussichtlich erst ein Ende haben, wenn ein Impfstoff gegen Sars-Cov-2 entwickelt wurde. Experten erwarten, dass dies frühstens im kommenden Jahr der Fall sein dürfte.

Zweite Corona-Welle möglich

Verschiedene US-amerikanische Bundesstaaten zeigen, dass das Corona-Virus längst noch nicht auf dem Rückzug ist. Und die Vorkommnisse in Peking oder Gütersloh machen deutlich, dass die Infektionszahlen auch in Ländern wieder steigen können, die die Pandemie eigentlich schon weitgehend im Griff hatten. Das Horror-Szenario für die Realwirtschaften wäre eine zweite Corona-Welle. Zahlreiche Unternehmen sind jetzt schon angeschlagen und würden einen erneuten Lockdown kaum überleben. Und die Stimmung der Verbraucher würde in den Keller rutschen.

Dazu kommen abseits von Corona weitere Belastungen, die die Börsianer derzeit weitgehend ausblenden. Zu nennen sind unter anderem der wieder eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China, aber auch mit der EU, sowie das Zusteuern auf einen ungeregelten Brexit. Schließlich schießen die Staatsschulden derart in die Höhe, dass künftig die Bürger noch stärker belastet werden könnten, was den Konsum zusätzlich dämpfen dürfte. Die Rentenversicherung geht bereits davon aus, dass es zumindest im Westen eine Nullrunde gibt.

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