Lebenszeichen

Ulrich Lamy, Vorstandsmitglied Barmenia Versicherungen / Foto: © Barmenia

Gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung, Riester – beim Thema Altersfinanzierung läuft Rürup eher in der zweiten oder dritten Reihe. Ob dieser Eindruck stimmt, und wie es um die Zukunft des Produkts bestellt ist, wollte finanzwelt von Ulrich Lamy wissen, Vorstandsmitglied Barmenia Versicherungen. Aus seinen Antworten spricht Zuversicht.

finanzwelt: Man hat den Eindruck, je älter die Rürup-Rente werde, umso stiller werde es um sie. Täuscht dieser Eindruck?

Ulrich Lamy:  Dass es um die Rürup-Rente immer stiller wird, kann ich nicht bestätigen. So konnten 2017, auf die gesamte Branche gesehen, insgesamt rund 81.000 Basisrentenverträge neu abgeschlossen werden. Damit erreicht der Bestand an Basisrenten-Verträgen im gesamten Markt rund 2,1 Millionen Verträge – das entspricht einem Plus gegenüber dem Vorjahr von knapp 3 %. Auch beim laufenden Beitrag (plus 1,3 %) und bei der kapitalisierten Jahresrente (plus 4,1 %) konnte ein Bestandswachstum erreicht werden. Und in der öffentlichen Diskussion ist die Basis- Rente auch immer wieder präsent. So hat der Staat in 2015 den bisherigen Förderrahmen aufgestockt. Still ist es um die Basisrente also nicht.

finanzwelt: Immerhin sollte das Produkt eigentlich einmal flächendeckend die Altersvorsorge von Freiberuflern und Selbstständigen auf sichere Füße stellen. Dieses Ziel ist doch meilenweit verfehlt worden. Ist das Rürup-Konstrukt zu wenig “sexy”?

Lamy:  Es gibt eigentlich gar keinen Grund, warum die Rürup-Rente nicht “sexy” sein soll. Denn der Staat zeigt sich in der steuerlichen Förderung der Rürup-Rente sehr großzügig. Und seit 2015 wird die Rürup-Rente sogar noch stärker gefördert. Denn der Höchstbetrag, der für die Basisversorgung steuerlich angesetzt werden kann, wird seitdem an die jeweiligen Größen der knappschaftlichen Rentenversicherung (West) gekoppelt. Ändern sich der Beitragssatz oder/und die Beitragsbemessungsgrenze, passt sich der maximalabzugsfähige Betrag der Rürup-Rente entsprechend an. Somit ist der Höchstbeitrag für die Basisversorgung nun eine  dynamische Größe. Diese gesetzliche Neuregelung ist ausdrücklich zu loben: Denn die Dynamisierung der steuerlichen Förderung stärkt die Attraktivität der Basisrente nachhaltig. Künftig können mit steigendem Einkommen die Beiträge zur Altersvorsorge angepasst und die Rentenlücken im Alter besser als bisher vermieden werden. Gerade für Selbstständige und einige Freiberufler ist das sehr lukrativ: Denn diese Personen können meistens die gesamte Förderung uneingeschränkt nutzen. Bei Arbeitnehmern oder zum Beispiel berufsständisch Versorgten hingegen werden sowohl die Arbeitgeberanteile als auch die Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zum Versorgungswerk angerechnet. Und auch Beamte müssen Abzüge hinnehmen. Dennoch bleibt die steuerliche Förderung in der Regel für alle lukrativ. Und: Gerade in der Niedrigzinsphase ist eine staatliche Förderung wichtig. Ich glaube also, dass es nicht die Rürup-Rente als solche ist, die nicht “sexy” ist. Vielmehr ist das Interesse an Altersvorsorge generell zu gering. So waren in 2018 laut Allensbacher Institut gerade mal 17 % an privater Altersvorsorge und finanzieller Absicherung für die Zukunft besonders interessiert.

finanzwelt: Von Anfang an war einer der Hauptkritikpunkte die mangelnde Flexibilität. Wenn dem so ist, warum ist hier vom Staat nicht nachgebessert worden?

Lamy: Die Rürup-Verträge sollen – wie die gesetzliche Rentenversicherung – ausschließlich der Altersvorsorge dienen. Somit gelten grundsätzlich ähnliche Voraussetzungen wie für die gesetzliche Rentenversicherung. Daher sind Rürup-Produkte vom Gesetzgeber entsprechend reglementiert. Freiräume bei der Produktgestaltung hat die Barmenia genutzt. Zuzahlungen, Beitragsdynamik, Vorziehen oder Hinausschieben des Rentenbeginns, Teilrenten und Rentenreserve, garantierte Rentensteigerung und vieles mehr sind beispielsweise möglich. Als einer der wenigen Anbieter am Markt bieten wir bei Basis-Renten die so genannte Rentenreserve an: Damit ist zu Rentenbeginn auch eine Teilrente möglich. Das restliche Vertragsguthaben wird dann als ‚Rentenreserve‘ mit dem jeweils gültigen Zins verzinst (Barmenia- BasisRente Index), beziehungsweise verbleibt in den Fonds (Barmenia-BasisRente Invest). Zu jedem Monatsersten kann die Reserve ganz oder teilweise zur Erhöhung der Rente verwendet werden.

finanzwelt: Nun richtet sich das Produkt ja – aus Steuergründen – auch an Angestellte. Es lohnt sich aber vorrangig für diejenigen Kunden mit einem hohen Einkommen (Steuerersparnis). Das ist doch ein Systemfehler oder etwa nicht?

Lamy: Tatsächlich wird die Steuerersparnis bei Angestellten mit hohem Einkommen generell am höchsten sein. Gleichwohl ist die Basisrente auch für Angestellte mit einem kleinen oder mittleren Einkommen attraktiv. Denn eins wird auch oft vergessen. Anders als bei anderen Formen der Altersvorsorge gibt es bei Rürup-Verträgen keinen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbeitrag, der monatlich geleistet werden muss, um in den Genuss der steuerlichen Förderung zu kommen. Das ist ein großer Pluspunkt – gerade für Kunden mit einem geringen oder mittleren Einkommen.

finanzwelt: Dass das Rürup-Modell bislang nicht zum Verkaufsrenner taugt, ist sicherlich auch ein Vertriebsproblem. Inwiefern besteht hier Verbesserungsbedarf?

Lamy: Nur über private Vorsorge kann der demografischen Entwicklung und der drohenden Altersarmut begegnet werden. Daher hat auch die Rürup-Rente ihre Berechtigung – jetzt und in Zukunft. Ihre Bedeutung wird – gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung – weiter wachsen. Für Vermittler lohnt es sich, mit der Basisrente auch ältere Kunden anzusprechen. Denn rentennahe Jahrgänge haben einen doppelten Steuervorteil: So können sie 2019 88 % ihrer Beiträge von der Steuer absetzen. Bei einem Renteneintritt im gleichen Jahr werden dann die Rentenzahlungen nur zu 78 % mit dem individuellen Steuersatz besteuert. Mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben sinkt meist auch der persönliche Steuersatz – und in der Gesamtbetrachtung können viele Kunden in aller Regel ein Steuerplus erzielen.

finanzwelt: Bevorzugen die Kunden eher noch die Klassik oder Fondspolicen?

Lamy:  Die Barmenia-BasisRente Invest als fondsgebundenes Angebot richtet sich eher an renditeorientierte Kunden, die die Chancen des Kapitalmarktes nutzen wollen, aber auch bereit sind, die Risiken einer Fondsanlage einzugehen. Insbesondere, wenn man noch einen langen Ansparzeitraum bis zur Rente vor sich hat, lassen sich hierdurch beachtliche Erträge erzielen. Jedoch muss der Kunde dann auch Verlustphasen aushalten können – sowohl finanziell als auch mental. Die Nachfrage unserer Kunden zeigt, dass sich die Kunden jedoch verstärkt für unsere Barmenia BasisRente Index interessieren. Denn viele Kunden möchten zwar attraktive Renditen erzielen, aber auch Garantien absichern. Anders als bei Riesterverträgen schreibt ja der Gesetzgeber für Rürup-Verträge keine Beitragsgarantie bei Rentenbeginn vor. (hdm)