Langfristig gut aufgestellt: Vermögensverwalter planen keinen Strategiewechsel wegen Brexit

Andreas Kern

Das für die meisten Marktteilnehmer doch sehr überraschende „Nein“ Großbritanniens zum weiteren Verbleib in der EU hat an den Börsen bekanntermaßen heftige Turbulenzen ausgelöst. Die möglichen Konsequenzen für Politik, Weltwirtschaft und Kapitalmärkte werden zurzeit heiß diskutiert.

Die Zukunft ist offener denn je. Eine Unsicherheit, die Börsianern normalerweise gar nicht behagt. Die auf der Social Trading-Plattform wikifolio.com aktiven Vermögensverwalter haben allerdings gezeigt, dass man mit einer ausgewogenen Zusammensetzung des Portfolios selbst solche Krisen ohne nachhaltige Blessuren überstehen kann. An ihrer Strategie wollen die meisten Anlageprofis deshalb auch nichts verändern. Ruhige Fahrt durch den richtigen Anlagemix Die Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG hat mit ihrem wikifolio „defensive Strategie“ in der turbulenten „Brexit“-Woche sogar ein leichtes Kursplus verbuchen können. Neben einem auf maximal 40 % beschränkten Aktien-Exposure wird das Kapital hier grundsätzlich in eher defensive Anlageprodukte und Cash-Positionen investiert. Dazu zählen z. B. Geldmarkt-, Renten- und defensive Mischfonds oder auch strukturierte Wertpapiere mit Risikopuffer wie Discount-Zertifikate. Um das ausgegebene Ziel einer „kontinuierlichen Wertentwicklung unter geringen Schwankungen“ zu erreichen, wird bei den Assetklassen ebenfalls auf eine breite Diversifizierung geachtet. Dadurch konnte auch der Kurs des wikifolios „Chancenorientierte Strategie“ trotz eines Aktienanteils von bis zu 80 % relativ stabil gehalten werden. „Unsere wikifolios haben sich zuletzt vor allem dank des Gold-Investments und des ETFs auf deutsche Staatsanleihen gut geschlagen“, erklärt Vorstand Stephan Albrech die Vorteile dieses Anlagemix. Chancen und Risiken im Blick behalten An der eingeschlagenen Strategie will Albrech auch festhalten: „Wir sehen unsere wikifolios für die Zukunft gut aufgestellt. Bei einer weiteren Kurserholung partizipieren diese durch die Aktieninvestments. Sollte es auf Grund der Brexit-Unsicherheiten zu weiteren Kursrücksetzern kommen, haben wir weiterhin Gold und deutsche Staatsanleihen im Depot, um drohende Verluste zu begrenzen. Gleichzeitig nutzen wir in beiden wikifolios die Möglichkeit, stärkere Kursrückschläge für Nachkäufe zu nutzen. Beim chancenorientierten wikifolio werden wir zukünftig vermehrt in Aktien-ETFs investieren, um das Risiko von Einzelaktien zu reduzieren.“ Charttechnik als hilfreiche Alternative Die Kollegen von MS Finance Support GmbH haben bei ihrem wikifolio „Stockpicker und Cash“ Ende Juni sogar neue Rekordstände markieren können, obwohl hier neben etwas Liquidität momentan ausschließlich auf Aktieninvestments gesetzt wird. Die Experten hatten und haben ihren Fokus dabei aber klar auf den amerikanischen Markt gelegt, der von einem Brexit kaum tangiert werden dürfte. Während die meisten Analysten bei den Umfragen zum Jahreswechsel und auch danach immer wieder die europäischen Börsen als Favorit genannt hatten, vertrauten die Vermögensverwalter lieber den Kursverläufen, wie Geschäftsführer Manfred Stiegel erläutert: „Technisch betrachtet sah es ganz anders aus und vor allem die US-Börsen zeigten hier Stabilität. Nach dem Referendum hat´s die US-Aktien auch erwischt, doch der Wechselkurs hat den Großteil wieder wettgemacht.“ Das Problem ist nicht der Brexit, sondern… Gerade aufgrund der unsicheren Zukunftsaussichten will sich Stiegel auch weiterhin nicht an Spekulationen beteiligen, sondern den Signalen des Marktes folgen: „Wir wissen ja aktuell noch gar nicht, ob der Brexit denn auch kommt! Großbritannien muss ja erst den Antrag stellen und das werden die sich nochmals stark überlegen, wenn sie alle Aspekte und Auswirkungen abwägen. Wirtschaftliche Auswirkungen sind schwer vorauszusagen, dazu gibt es Meinungen von kaum bis extrem. Ich halte mich da bedeckt. Wie so oft sollte man aufpassen, ob der Brexit überhaupt das Hauptthema in den nächsten Monaten sein wird! Ich gehe technisch und stimmungstechnisch an den Aktienmärkten vor und sehe vor allem EINE große Gefahr: Das sind die Banken auf dieser Welt und speziell die europäischen Banken! Technisch sehen die europäischen Banken seit Monaten katastrophal aus und der Abwärtstrend verstärkt sich! Hier könnte das größte Problem auf uns zukommen… nicht Brexit, Weltwirtschaft, China usw. Kann die EZB denn alle Banken auffangen? So wie es aktuell aussieht, werde ich im Monat Juli deshalb an starken Tagen starke Absicherungen einziehen und uns auf einen heißen Sommer und/oder Herbst vorbereiten.“ Seit Herbst 2013 stellen institutionelle Finanzmarktexperten ihre Handelsstrategien auf wikifolio.com einem breiten Anlegerpublikum zur Verfügung. Bereits knapp 10 % der deutschen Vermögensverwalter nutzen die Transparenz der Plattform, um neue Kundengruppen zu erreichen. Sie haben bislang 93 wikifolios veröffentlicht.

Von: Andreas Kern, wikifolio Financial Technologies AG