Kurzer Lichtblick für den Welthandel

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Der neue globale Ausblick WEO des IWF skizzert eine Fortsetzung des kräftigen Wachstumstrends der letzten Jahre. Das globale BIP soll nach 3,8 % im letzten Jahr 2018/19 jeweils um 3,9 % zulegen. Die Emerging Markets werden ihr Tempo wieder leicht steigern können von 4,9 % und 5,1 % Wachstum nach 4,8 % im letzten Jahr. So sieht es jedenfalls der IWF in seinem gerade veröffentlichten Frühjahrsausblick. Eine nach wie vor klar expansiv ausgerichtete Geldpolitik mit immer noch niedrigen Zinsen und reichlich Liquidität sowie starken fiskalischen Impulsen aus den Industriestaaten (vor allem aus den USA) sowie eine insgesamt gute Stimmung sorgen für einen weiter leicht anziehenden Trend.

Zudem lieferte der Welthandel 2017 eine positive Überraschung, das Volumen legt um 4,9 % zu und übertraf die IWF-Schätzung vom Vorjahr mit 3,5 % deutlich. Das dürfte allerdings ein Ausreißer bleiben. Seit 2012 hatte der IWF das Wachstum des Welthandels in jedem einzelnen Jahr überschätzt, der Mittelwert der Prognosen von 2011 bis 2016 für das jeweils darauffolgende Jahr liegt bei 4,6 %, tatsächlich erzielt wurden aber nur durchschnittlich 3,4 %. 2017 ist das erste Jahr seit Abklingen der Krise, in dem die Schätzung übertroffen wurde.

Dieser schwache Trend des Handels war sicher einer der Gründe für die Schwierigkeiten in der Logistik-Branche mit den Pleiten bei einzelnen Schiffsfonds, Linien-Reedereien oder zuletzt in der Spätfolge wohl auch beim Containervermieter P&R. Zumal die IWF-Zahlen das Problem eher unterzeichnen denn sie beziehen sich auf den Wert der gehandelten Güter und Leistungen. Die in den Datenreihen der Welthandelskonferenz UNCTAD notierten physischen Ladungsmengen wachsen noch langsamer. Dahinter stehen zwei Faktoren: Die Handelsbilanzen erfassen den regelmäßig schneller wachsenden, aber kaum Ladung generierenden Dienstleistungsverkehr zusammen mit dem Güterverkehr. Zudem haben die immer längeren, kleinteiligeren und komplexeren Wertschöpfungsketten dazu geführt, dass der Wert der jeweils bewegten Waren ständig stärker steigt als das physische Volumen, weil der Wert der Ware natürlich mit jedem Produktionsschritt steigt. Hinzu kommt der Trend zur Regionalisierung des Handels, die politisch gewollte Konzentration auf regionale Handelsblöcke wie die Zollunion innerhalb der EU, den entstehenden Binnenmarkt der ASEAN (AEC) wo ebenfalls eine Zollunion entsteht oder die amerikanischen Blöcke NAFTA und Mercosur.

Die an sich positive aktuelle IWF-Prognose für den Welthandel mit Zuwächsen von 5,1 % und 4,7 % für 2018/19 steht allerdings auf dünnem Eis, wie die Autoren erkennen lassen: Die von den US ausgehende Welle des Protektionismus könnte nicht nur für Einbußen beim Handel sondern auch beim Wachstum sorgen: Der globale Handel liefert beachtliche Zuwächse an Produktivität, weil damit die Spezialisierung voran getrieben und damit zusätzliche Wachstumsbeiträge generiert werden.

Die Rangfolge der Regionen unter den Emerging Marktes ändert sich nicht. Die asiatischen Staaten stehen mit einem Wachstumstrend der ganzen Region um 6,5 % pro Jahr an der Spitze. Es wird erneut der Führungswechsel von China zu Indien gesehen. Der positive Grundtrend Indiens überlagernde Doppelschock aus Bargeld-Umtausch und Steuerreform klingt ab, die positiven Effekte der Steuerreform kommen zum Tragen. Daher scheint der Anstieg der Wachstumsrate von 6,6 % im letzten Jahr auf 7,4 % und 7,8 % für 2018/19 realistisch. Demgegenüber zeigen bestätigen die aktuellen Daten aus China die Verlangsamung des Wachstums auf 6,6 % und 6,4 % für 2018/19 nach 6,9 % im letzten Jahr.

Die Osteuropäer (ex GUS/Russland) überraschen erneut positiv, die Wachstumsaussichten 2018/19 wurden deutlich auf 4,3 % und 3,7 % heraufgesetzt wurden gegenüber dem Ausblick vom Herbst 2017 (dort noch mit 3,5 % und 3,3 % angesetzt) und damit noch etwas stärker als für die Eurozone. Deren Wachstum 2018/19 wird jetzt mit 2,4 % und 2,0 % angesetzt, also um 0,5 bzw. 0,3 Prozentpunkte höher, was letztlich die entscheidenden Impulse für die Osteuropäer durch die Nachfrage der EU-Kernstaaten setzt. Die Aussichten der von Russland domierten Sphäre (GUS) bleiben deutlich dahinter zurück, mit 2,2 % und 2,1 % für 2018/19. Und das erscheint angesichts der neuen US-Sanktionen immer noch optimistisch zu sein.

Auch für Lateinamerika bleiben die Schätzungen schwach mit Zuwächsen von 2 % und 2,8 % für 2018/19. Die hier schon öfter beschriebenen hausgemachten politischen und sozialen Probleme vor allem der beiden großen Staaten Argentinien und Brasilien bremsen den Fortschritt. Hinzu kommt der hier besonders stark fühlbare Druck, der von der US-Handelspolitik ausgeht. Ebenfalls eher schwach bleiben die Aussichten der südlichen Afrika, wo die beide großen Staaten Nigeria und Südafrika kaum voran kommen und zunächst sogar fallende Werte für das BIP pro Kopf sehen werden. (mk)