KPMG kaum mehr tragbar?

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Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG muss schon länger mit despektierlichen Deutungen des Firmennames leben wie etwa „Keiner prüft mehr genau“ oder „Kinder prüfen mein Geld“. Dass der damit ausgedrückte Zweifel an der Zuverlässigkeit der KPMG-Arbeit nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, hat die britische Aufsicht, der Financial Reporting Council (FRC, gemessen an deutschen Verhältnisen wohl am ehesten vergleichbar der Wirtschaftsprüferkammer) aktuell mit einem vernichtenden Urteil über Leistungsfähigkeit von KPMG deutlich gemacht. Der FRC hatte die Prüfbrichte zu den Jahresabschlüssen 2017/18 der im Börsenidex FTSE 350 geführten Gesellschaften näher untersucht. Ergebnis: Eine leichte Verschlechterung des Niveaus insgesamt, 73% der Abschussprüfungen waren entweder völlig einwandfrei oder brauchten nur überschaubare Nachbesserungen.

KPMG stach dabei allerding negativ heraus: „There has been an unacceptable deterioration in quality at one firm, KPMG“, heißt es weiter in der Mitteilung, was wohl nicht übersetzt werden muss. Dem FR zufolge waren bei 50% der KPMG zugeordneten Abschlussprüfungen mehr als begrenzte Nachbesserungen nötig („. . . required more than just limited improvements“). Konsequenz: KPMG steht nunmehr unter verschärfter Beobachtung durch den FRC. Das KPMG-Management verpflichtete sich zu einer Reihe von Maßnahmen, die auf eine Verbesserung der Qualität abzielen.

Eine so hohe Fehlerquote bei der Prüfung von Abschlüssen börsennotierter Unternehmen ist kein geringes Problem für Kapiltalmarkt insgesamt weil mittelbar auch die Aussagefähigkeit der sonstigen von KPMG testierten Abschlüsse von offenen und geschlossenen Fonds bis hin zu den Leistungsbilanzen der Inititatoren in Frage steht.

Das gilt umso mehr als KPMG auch außerhalb UK in den letzte Jahren mehrfach negativ aufgefallen ist. Die Verstrickung der mittlerweile abgelösten Führungsriege der südafrikanischen Tochter in denKorruptionsskandal um ex-Präsident Jacob Zuma und seine Freunde hat KPMG nicht nur wichtige Kunden gekostet wie etwa BARCLAYS Africa (größe Bank in Südafrika) und den Ausschluß von Regierungsaufträgen sondern auch ein Verfahren eingetragen, dass mit dem Entzug der Lizenz enden könnte. Hierzulande, am Standort D ist KPMG durch das unsäglich diletantische Verhalten von KPMG als Berater der Mainzer Landesregierung beim Verkauf des Flughafen im Hahn aufgefallen. Hinzu kommen die fragwürdige und höchst umstrittene Rolle in der Pleite der P+S-Werften in Mecklenburg Vorpommern mit einem zumindest im Nachhinein wenig überzeugenden Sanierungsgutachten oder der Verdacht, dass KPMG eine Bilanz des Verlags Bastei-Lübbe testierte, die mithilfe eines Verkaufs von Unternehmensanteilen an eine abhängige Gesellschaft unrechtmäßig geschönt wurden sein soll.

Angesichts des Track-Record und der vernichtetenden fachlichen Beurteilung durch die britische Aufsicht müssen sich Geschäftsführungen, Vorstände, Aufsichts- und Beiräte fragen, ob KPMG tatsächlich noch als Prüfer für relevante Vorgänge und Abschlüsse angesehen werden kann. Irgendwann fällt der schlechte Ruf des Gewählten auf die verantwortlichen Wähler zurück. (mk)