„Konzepte mit Absicherungskomponenten gewinnen deutlich an Bedeutung“

Harald Bareit / © QC Partners

Der März hatte es in sich. In der Spitze rutschte der DAX bis auf circa 8.500 Zähler ab. Angst machte sich breit. Wie lässt sich dagegen ankommen? Was taugen Volastrategien? Harald Bareit, Geschäftsführer von QC Partners, gab der finanzwelt-Redaktion Auskunft.

 

finanzwelt: Wie würden Sie die aktuelle Situation an den Märkten, auch aus historischer Sicht, beschreiben?

Harald Bareit: Eine schnelle, V-förmige, wirtschaftliche Erholung wird immer unwahrscheinlicher. Die zuletzt hohen Bewertungen der globalen Aktienmärkte und die schwachen konjunkturellen Indikatoren passen nicht zusammen.

Insofern sind die jüngsten Kursverluste als Annäherung der Börsen an die wirtschaftliche Realität interpretierbar.

finanzwelt: Was sagen Volatilitäten grundsätzlich über die Märkte aus?

Bareit: Die Volatilität misst die Intensität der Schwankungen an den Märkten.

Neben der historischen Volatilität – also den tatsächlich berechneten Schwankungen innerhalb einer entsprechenden Zeitspanne – dient als Messgröße auch die implizite Volatilität. Diese bildet die Erwartungen der Anleger ab.

Einher mit den – fundamental nicht gerechtfertigten – Kursgewinnen der letzten Wochen und als Reaktion auf die Crashphase vom Februar und März geht der Wunsch der Anleger nach Absicherung, z.B. über Put-Optionen bzw. entsprechende Short-Positionen oder Hedges. Diese Nachfrage treibt wiederum die Volatilität.

finanzwelt: Im März hatten wir hohe Volatilitäten gesehen. Können Sie uns das etwas näher erläutern?

Bareit: Die Schwankungsbarometer VDAX NEW (der Volatilitätsindex des DAX) sowie seine US- und Europa-Pendants liegen gewöhnlich durchschnittlich bei „Normalwerten“ unterhalb von circa 20 Punkten.

Im März dieses Jahres hatte der VIX, der die S&P 500-Volatilität misst, einen Wert von 85 erreicht – und damit beinahe seinen Höchststand der Finanzkrise mit der Pleite von Lehman Brothers von 2008.

Noch stärker kletterte der europäische Volatilitätsindex VSTOXX, der die Schwankungen des Dow Jones EuroStoxx 50 misst, mit 95 Punkten auf den höchsten Stand aller Zeiten und wurde damit deutlich höher gehandelt als auf dem Höhepunkt der Eurokrise im Jahr 2011 (damals 60 Punkte).

Besonders dramatisch war dabei die Geschwindigkeit, mit der sich die Niveaus dieser Indizes innerhalb von nur vier Wochen teilweise verachtfachten.

Die aktuelle Krise hat dabei eine Besonderheit hervorgebracht, die nur sehr selten an den Märkten zu beobachten ist: Eine sogenannte inverse Volatilitätsstrukturkurve. Damit ist gemeint, dass die implizite Volatilität für Optionen mit kurzen Laufzeiten höher ist, als für Optionen mit längeren Laufzeiten. Typischerweise deutet eine solche Konstellation auf eine Phase längerfristig erhöhter Volatilität hin.

finanzwelt: Wie kann man Volatilität als möglichen Renditebringer nutzen?
Was gilt es zu beachten?

Bareit: Volatilitätsstrategien sind hinsichtlich ihrer Konzepte am deutschen Markt recht heterogen.

Letztes Jahr haben wir eine Umfrage gemeinsam mit der Fachpublikation IPE Institutional Investment gestartet und die Ergebnisse legten nahe, dass 55 Prozent der Anleger im Thema Volatilität eher eine Chance sehen, während 45 Prozent die Volatilität eher als Risiko betrachten.

Bei QC Partners beschäftigen wir uns damit, Schwankungen erfolgreich in Performance zu wandeln. Ziel ist es, regelmäßig Renditen weitgehend unabhängig von Aktien und Anleihen zu erwirtschaften.

Volatilitätsfonds sollten vornehmlich als Langfrist-, und weniger als Kurzfriststrategien verstanden werden. Die Einsatzmöglichkeiten sind dabei durchaus unterschiedlich. Im Moment wollen viele Anleger etwaige Chancen am deutschen Aktienmarkt nicht verpassen, gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach Absicherung. Der VDAX NEW notiert deutlich oberhalb von 30 Punkten – in solchen Phasen starker Bewegungen spielen Volatilitätsstrategien ihre Stärken aus. Zudem ist die besprochene inverse Struktur der Volatilität vieler globaler Aktienindizes als Gelegenheitsfenster zu verstehen, welches einen Einstieg aktuell besonders attraktiv macht.

Gleichsam ist die seit mindestens zwei Wochen andauernde Seitwärtsspanne des DAX ein gutes Beispiel dafür, dass Volatilitätsstrategien auch in Seitwärtsphasen konstante Renditen generieren können.

Und letztlich sollten Investoren von Volatilitätsfonds auch in tendenziell fallenden Märkten vorteilhafte Diversifikationseffekte für das Portfolio erwarten dürfen.

finanzwelt: Welche Elemente einer Vola-Strategie würden Sie festmachen?
Wie sind Sie derzeit mit Ihrem Fonds aufgestellt?

Bareit: Wir nehmen derzeit deutliche Veränderungen bei der Nachfrage der Anleger war. Vor Corona haben sich die Marktteilnehmer vornehmlich auf Performancechancen fokussiert. Seit den schmerzlichen Crashwochen vom Februar und März gewinnen Konzepte mit Absicherungskomponenten deutlich an Bedeutung. Das heißt, Anleger wollen vermeiden, dass sie bei einem potenziellen neuerlichen Kursrutsch im Gleichschritt mit anderen Anlageklassen nach unten laufen. Dafür bieten wir bei QC Partners zum Beispiel Fonds mit Wertuntergrenzen (QCP PremiumIncome WKN: A12BKA) an.

Daneben ist die internationale Diversifikation ein wichtiger Baustein. Bei QC Partners investieren wir in Indizes in europäischen, asiatischen und US-Märkten. (ah)