Konsumklima setzt Aufwärtstrend fort

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Die Konsumstimmung der deutschen Verbraucher zeigt im Mai ein uneinheitliches Bild. Für Juni prognostiziert der Konsumklima-Gesamtindikator 9,8 Punkte nach 9,7 Zählern im Mai. Während die Konjunkturerwartung sowie die Anschaffungsneigung zulegen, muss die Einkommenserwartung Einbußen hinnehmen.

(fw/rm) Die Verbraucher gehen nach wie vor davon aus, dass die deutsche Wirtschaft ihren moderaten Aufschwung in den kommenden Monaten fortsetzt. Das signalisiert der leichte Anstieg der Konjunkturerwartung in diesem Monat. Auch die Anschaffungsneigung, die bereits ein sehr hohes Niveau erreicht hat, nimmt noch einmal zu. Lediglich die Einkommenserwartung verliert Punkte, kann sich jedoch oberhalb der 50-Punkte-Marke behaupten.

Verbraucher vertrauen auf moderates Wirtschaftswachstum

Nach den spürbaren Zugewinnen im Vormonat legt die Konjunkturerwartung im Mai noch einmal zu. Mit einem Plus von 2 Punkten ist der Zuwachs jedoch eher moderat. Aktuell weist der Indikator 8,3 Zähler auf und lässt damit den negativen Bereich zunehmend hinter sich. Mit dieser Entwicklung hat sich der Aufwärtstrend der Konjunkturerwartung verfestigt. Die Konsumenten gehen davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft im weiteren Verlauf positiv entwickelt. Auch, wenn die Wachstumsraten vermutlich eher moderat bleiben. Die Angaben des Statistischen Bundesamtes enttäuschen die Verbraucher nicht. Demnach stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent. Damit hat die konjunkturelle Entwicklung sogar noch an Schwung gewonnen. Im letzten Quartal 2015 betrug das Wachstum im Vergleich zur Vorperiode 0,3 Prozent. Die wesentlichen Impulse für die Konjunktur kommen derzeit aus dem Inland. Laut dem Statistischen Bundesamt sind sowohl erhöhte Konsumausgaben der privaten Haushalte als auch des Staats zu Jahresbeginn verantwortlich für die dynamische Entwicklung.

Einkommenserwartung verliert Großteil der Vormonatsgewinne

Während die Konjunkturerwartung zulegt, muss die Einkommenserwartung in diesem Monat Einbußen hinnehmen. Der Indikator verliert 5,7 Punkte und weist 51,8 Zähler auf. Damit büßt er einen wesentlichen Teil der Gewinne aus dem Vormonat ein. Die Einkommenserwartung behauptet sich dennoch auf einem sehr guten Niveau oberhalb der 50-Punkte-Marke. Trotz der aktuellen Verluste zeigt sich der Einkommensindikator nach wie vor in hervorragender Verfassung. Eine stabile Beschäftigungssituation ist die Grundlage für spürbare Einkommenszuwächse. Das belegt auch der kürzlich erfolgte Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie. Dieser sieht in diesem Jahr eine Tarifsteigerung von 2,8 Prozent, eine Einmalzahlung von 150 Euro sowie eine Steigerung von 2 Prozent im kommenden Jahr vor. Zudem werden die gesetzlichen Renten zum ersten Juli spürbar angehoben. Hinzu kommt eine niedrige Inflation in diesem Jahr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug die Inflationsrate im April minus 0,1 Prozent. Somit verbleibt sowohl Arbeitnehmern als auch Rentnern ein spürbares Plus in ihrem Geldbeutel.

Anschaffungsneigung klettert auf 12-Monats-Hoch

Im Gegensatz zur Einkommenserwartung verbessert die Anschaffungsneigung ihr ohnehin sehr hohes Niveau noch einmal. Mit einem Plus von 2,3 Punkten klettert der Indikator auf 57,7 Punkte und erreicht damit ein 12-Monats-Hoch. Zuletzt wurde im Mai 2015 mit 62,6 Zähler ein besserer Wert gemessen. Die Kauflaune bleibt ungebrochen. Vermutlich profitiert der Indikator von der Diskussion um Negativzinsen, die durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wieder aufflammt. Das heißt, Sparer würden für ihre Geldanlagen nicht wie üblich Zinsen erhalten, sondern müssten ihrer Bank Gebühren zahlen. Eine Reihe von Geldinstituten erheben diese Negativzinsen bereits für größere Geschäftsguthaben. Daneben befeuern derzeit die exzellente Verfassung des Arbeitsmarktes, spürbar steigende Realeinkommen sowie stabile Preise die Konsumlaune der Konsumenten.

Konsumklima setzt Aufwärtstrend fort

Für Juni 2016 prognostiziert der Gesamtindikator 9,8 Punkte nach 9,7 Zählern im Mai. Das Konsumklima setzt damit seinen Aufwärtstrend – wenn auch abgeschwächt – fort. Der private Konsum bleibt damit auch in den kommenden Monaten eine wichtige Stütze der Konjunktur in Deutschland. GfK bestätigt seine Prognose von Beginn dieses Jahres. Demnach steigen die realen privaten Konsumausgaben um etwa 2 Prozent in 2016. Im vergangenen Jahr waren es 1,9 Prozent. Trotz der ausgezeichneten Rahmenbedingungen für die Binnennachfrage, wie Arbeitsmarkt, Einkommen und Inflation, dürfen einige Unwägbarkeiten nicht unterschätzt werden. So droht im Juni im Rahmen eines Referendums der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, der sogenannte Brexit. Sollte es dazu kommen, ist zu befürchten, dass dies auch unter deutschen Verbrauchern Verunsicherung über die wirtschaftliche Zukunft der Union auslöst. Dann würde auch die Konsumstimmung leiden. Außerdem gehen die Verhandlungen um die Schuldenkrise Griechenlands in den kommenden Monaten weiter. Sollten die Gespräche über weitere Griechenlandhilfen nicht zu einem Ergebnis kommen, wird auch das möglicherweise das Konsumklima in Deutschland belasten.

Zur Studie

Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 durchgeführt. Das Konsumklima bezieht explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch – je nach Abgrenzung – lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich. GfK prognostizierte für das Jahr 2015 einen Anstieg des privaten Konsums von mindestens 1,5 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg der private Konsum im Jahr 2015 real um 1,9 Prozent. Auch hierbei geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Konsumausgaben der Verbraucher. Die Anschaffungsneigung ist – wie alle anderen Indikatoren auch – ein Stimmungsindikator. Sie fragt, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Selbst wenn sie dies mit „Ja“ beantworten, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf vorhanden sein: Der Verbraucher muss das nötige Geld für eine solche größere Anschaffung besitzen und auch eine Notwendigkeit für diese Anschaffung sehen. Zudem handelt es sich hier tatsächlich ausschließlich um langlebige Gebrauchsgüter, die auch ein größeres Budget erfordern. Die Ergebnisse der Stimmungsbefragung stammen aus monatlich durchgeführten persönlichen Interviews bei etwa 2.000 Personen, die repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sind. Dieses Befragungsinstrument unterliegt ständigen Qualitätskontrollen, vor allem auch im Hinblick auf seine Repräsentativität. Die ausgesprochen hohe Qualität dieser Erhebung zeigt sich auch daran, dass sie für Umfragen im Bereich der empirischen Rechtsforschung (z.B. Verwechslungsgefahr von Produkten) verwendet und anerkannt ist. Das heißt, die Ergebnisse haben Gutachterqualität und müssen jeweils vor Gericht standhalten. www.gfk.com