Konsolidierung mit kurzfristiger Aussicht auf sonnige Abschnitte

Valentijn van Nieuwenhuijzen, Chief Investment Officer bei NN Investment Partners / Foto: © NNIP

Das anziehende globale Wirtschaftswachstum von 2017 hat sich in eine Konsolidierung gewandelt. Zusätzlicher Treibstoff, der für eine weitere Beschleunigung benötigt wird, wie Gewinn- und Beschäftigungswachstum, ein steigendes Vertrauen oder weiter rückläufige Sparraten, ist zunehmend schwer zu finden.

Valentijn van Nieuwenhuijzen, Chief Investment Officer bei NN Investment Partners: „Die zentrale Frage für die Märkte ist gegenwärtig, wie lange die aktuelle Phase der wirtschaftlichen Konsolidierung andauern wird. Die kurzfristigen Indikatoren sind positiv: Die Verbraucherausgaben erholen sich und die Investitionen werden durch die Gewinne und das starke Vertrauen unterstützt. Die üblichen Showstopper sind derweil noch nicht kritisch: Die Lohninflation ist moderat, das Investitionsniveau der Unternehmen ist nicht übermäßig hoch und ihre Verschuldung ist grundsätzlich viel niedriger als 2008.

Die zentralen Themen über die kommenden sechs Monate betreffen die US-Handelspolitik und das Risiko einer Eskalation des Handelsstreits in einen handfesten Handelskrieg. Hinzu kommt die Politik in der Eurozone, wo die Haltung der italienischen Regierung in Bezug auf den Haushalt und Reformen ausschlaggebend sein wird. Was die Geldpolitik anbelangt, ist der Weg in Richtung Normalisierung eingeschlagen. Die US-Notenbank wird die geldpolitischen Zügel weiter über eine neutrale Positionierung hinaus straffen, ist aber nicht in Eile. Sie scheint auch bereit, eine moderate Zielüberschreitung der Inflation zu tolerieren, um die Erholung nicht zu gefährden. Die EZB wird ihr quantitatives Lockerungsprogramm im vierten Quartal allmählich auslaufen lassen, hat aber verlauten lassen, dass das Timing der ersten Zinsanhebung abhängig ist von den Gegebenheiten. Wir halten diese Ankündigung für einen Schritt in Richtung einer aggressiveren EZB-Politik. Es besteht das Risiko, dass das die EZB daran hindern wird, ihrem Ziel der Gewährleistung der Preisstabilität gerecht zu werden.“

Aktien

Aktien werden durch mehrere positive fundamentale und verhaltenspsychologische Faktoren unterstützt. Das globale Gewinnwachstum ist in diesem und im nächsten Jahr solide, auch wenn sich das Wachstumstempo 2019 abschwächen wird. Darüber hinaus zeigt unser globaler Wirtschaftsindikator, der eine große Bandbreite an Leitindikatoren umfasst, wieder nach oben. Und auch die Risikoprämien von Aktien bleiben attraktiv. Auf verhaltenspsychologischer Ebene sehen wir eine stärkere Preisdynamik und eine zurückhaltende Positionierung. Letztere lässt sich durch die hohe Unsicherheit in der Handelspolitik und der Politik insgesamt erklären.

Im Aktienbereich behält NN Investment Partners (NN IP) ein ausgewogenes Verhältnis zwischen spätzyklischen und defensiven Sektoren bei. Regional bevorzugen wir den US-Markt, da er aktuell der vergleichsweise sichere Hafen ist. Bei Aktien aus Schwellenländern ist NN IP zurückhaltender, da Widrigkeiten wie ein starker US-Dollar, hohe Ölpreise und das Risiko eskalierender Zölle die Wachstums- und Gewinnaussichten der Region dämpfen.

Patrick Moonen, Chefstratege Multi Asset bei NN Investment Partners / Foto: © NNIP

Patrick Moonen, Chefstratege Multi Asset bei NN Investment Partners: „Obwohl die Politik weiter die Aufmerksamkeit der Anleger beherrscht und ihre Stimmung negativ beeinflusst hat, ist es in der Praxis nicht einfach vorherzusagen, wie stark die Märkte auf politische Nachrichten reagieren. In der Eurozone haben die politischen Ereignisse jedoch populistische Parteien in den Fokus gerückt, die jetzt in Italien an der Macht sind. Man muss Auge behalten, wie streitlustig sie gegenüber der restlichen Eurozone in Bezug auf Haushaltsthemen und den Weg zu einer tragbaren Schuldensituation auftreten.“

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