Konservativ, aber zufrieden!

Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH / Foto: © CREDO Vermögensmanagement GmbH

Die Mini-Zinsen sollten Investoren doch misslich stimmen. Eigentlich. Und Beratern Chancen in der Depotallokation eröffnen. Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH, analysiert für finanzwelt eine aktuelle Studie zum Anlageverhalten der Deutschen. Fazit: Die Mehrheit der Deutschen ist mit ihrer Geldanlage weiterhin zufrieden.

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Umfrage der US-Investmentgesellschaft Legg Mason zum Anlageverhalten bei deutschen Anlegern. Die Mehrheit von ihnen bereuen Ihre Anlageentscheidungen nicht, auch wenn sie eher konservativ ausfallen. Damit unterscheiden sich deutsche Anleger erheblich im Anlageverhalten gegenüber Investoren in anderen Ländern. Im weltweiten Vergleich ist die Risikoaversion in Deutschland sehr tief in der Gesellschaft verwurzelt.

Sind deutsche Anleger anders?

Wie lässt sich das erklären? In Zeiten, wo der risikolose Zins bei Null liegt, müssten Anleger doch verstärkt auf Renditesuche gehen. In Deutschland besteht jedoch gerade für die ältere Generation ein sehr hohes Absicherungsniveau durch die staatliche und betriebliche Altersversorgung. Die Generation, die nach dem Krieg das Land wieder aufgebaut hat, verfügt heute vielfach über ein hohes und überwiegend konservativ angelegtes Vermögen, über Immobilien sowie über ausreichende Rentenansprüche. Deshalb besteht bei dieser Anlegergruppe wenig Handlungsdruck.

Anders sieht es bei der jüngeren Generation aus, die sich erst noch etwas aufbauen möchte. Wer heute eine Immobilie erwerben möchte, profitiert zwar von niedrigen Zinsen, muss allerdings mit hohen Immobilienpreisen zurechtkommen. Da das Haus abbezahlt werden muss, sind die Darlehensraten hoch und es bleibt weniger Liquidität für die private Altersversorgung übrig. Der Druck etwas für die eigene Zukunft zu tun wächst und die Renditeerwartungen müssen zwangsläufig höher sein. In anderen Ländern besteht bereits heute eine viel stärkere Notwendigkeit, selbst etwas für die eigene Zukunftsvorsorge zu tun als in Deutschland, auch wenn sich dies bei uns gerade massiv ändert.

Aus meiner Sicht lässt die Anlegermentalität der Deutschen nicht verallgemeinern. Viele Anleger sind mit ihren Immobilien über Jahrzehnte gut gefahren. Die Erfahrungen mit Aktien waren oft durchwachsen. Das sollte man akzeptieren. Ob das jedoch für die Zukunft auch gilt, ist fraglich. Auch Immobilienpreise gehen nicht nur nach oben, auch wenn in Deutschland seit Jahrzehnten attraktive und stabile Rahmenbedingungen für Investoren bestehen. Bei der jüngeren Generation setzt ein Umdenken bereits ein. Das macht Hoffnung auf einen Paradigmawechsel in Fragen der Kapitalanlage. Der Renditedruck steigt – das merken auch die deutschen Anleger. Dieses Umfeld bietet uns als Berater und Vermögensverwalter die Gelegenheit, unsere Kunden zu überzeugen und in der Zukunft weiterhin erfolgreich zu begleiten.