Konjunkturoptimismus verfliegt

Michael Beck, Leiter Asset Management Ellwanger & Geiger / Foto: © Ellwanger & Geiger

Es gibt viele Gründe zu bedauern, dass Großbritannien der EU den Rücken kehrt. Aber seit dem Wochenende ist einer der wichtigsten klar zutage getreten – Großbritannien ist nun mal die älteste Demokratie in Europa. Sichtbar wird dies an dem Umstand, dass Premierministerin May ihren Brexit-Plan wegen einer Parlamentsregel aus dem Jahre 1604 (!) nicht zum x-ten Mal zur Abstimmung stellen kann. Diese Regel verhindert nicht nur ständige Abstimmungen über dasselbe Thema, sondern sie wirft auch ein aktuelles Schlaglicht auf die Unfähigkeit des britischen Parlaments, Lösungen zu finden. Interessanterweise haben sich die Finanzmärkte an diese Unsicherheit gewöhnt. Begleitet von immer skeptischeren Stimmen hinsichtlich der Konjunkturerwartungen setzten die Aktienmärkte in den letzten Tagen ihre Erholung fort.

Die Wirtschaftsweisen haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland auf +0,80 % in 2019 nahezu halbiert. Aber nicht nur die Unsicherheit bezüglich der Brexit- und Handelsstreitthemen ist die Ursache, auch die Tatsache, dass viele Unternehmen und Branchen an ihre Kapazitätsauslastungsgrenze kommen, begrenzt das Wachstum. Lange Jahre war dies nur eine Zukunftsversion, aber mit Engpässen in der Fachkräfteversorgung muss nun zunehmend gerechnet werden. Rezessionsängste sind jedoch übertrieben. Kurzfristig warten die Marktteilnehmer auf die neusten US-Fed-Aussagen. Diese dürften die abwartende Haltung bezüglich weiterer Leitzinserhöhungen bestätigen. Aktieninvestoren dürften dann nicht nur die Frühlingssonne, sondern auch die höheren Aktienkursniveaus genießen.

Kolumne von Michael Beck,
Leiter Asset Management Bankhaus ELLWANGER & GEIGER AG