Können Kapitalanlagen ethisch vertretbar sein?

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Andreas Jelinek schwimmt gegen den Strom. Er versucht nicht, mögliche Investitionen an Kapitalmarktbedingungen anzupassen. Vielmehr sucht er nach Antworten für neue Investitionsmodelle, die dem Asset auch gerecht werden – und damit nach Antworten auf eine sich stark verändernde Welt.

finanzwelt sprach mit Proindex Capital Vorstand, Andreas Jelinek. INTERVIEW: finanzwelt: Warum stehen bei Ihnen nicht die Kapitalanlagen im Vordergrund, sondern deren ethisch vertretbare Sinnhaftigkeit – wenn wir es mal so ausdrücken dürfen? Jelinek: Dazu muss ich etwas ausholen. Als ich, zumindest teilweise, aus meinem aktiven Beruf als Finanzdienstleister ausgeschieden bin, habe ich für Freunde und mich eine Alternative gesucht, mein Geld sinnvoll, aber auch sicher zu investieren. Schließlich wollten wir uns nicht mehr den permanenten Zyklen und Wechseln unterwerfen. Ich habe dabei schon immer ein Faible für „natürliche“ Investments gehabt, zum Beispiel im Bereich der Waldaufforstung. Also haben wir genau hier die Chancen überprüft. finanzwelt: Als Laie kann man sich hierunter kaum etwas vorstellen. Sicher, Menschen, die Ländereien besitzen, schienen schon immer etwas vermögender zu sein. Aber was meinen Sie genau? Jelinek: Jedes Jahr werden laut WWF etwa 140.000 Quadratkilometer Tropenwald zerstört – eine Fläche 3,5 Mal so groß wie die Schweiz. Nur, damit Sie mal eine Vorstellung bekommen. Ein Großteil dieser Waldrodungen geschieht, weil man an sogenannte Edelhölzer heran will. Zurück bleibt eine Steppe mit dichtem Bodenbewuchs, aber eben kein Wald mehr. Genau hier setzten wir an. Wir haben größere Flächen aufgekauft und diese wieder rekultiviert, indem wir die Voraussetzungen geschaffen haben, dass die typischen Edelhölzer heranwachsen können. finanzwelt: Wie kamen Sie auf Paraguay? Jelinek: Ich muss dazu sagen, dass ich in meinem Leben immer schon sehr viel gereist bin und die südamerikanischen Staaten gut kenne. Wie kamen wir auf Paraguay? Dieses Land bietet beste Voraussetzungen aus beiden Richtungen: Es ist wirtschaftlich und politisch stabil, das Investitionsklima ist offen gegenüber Investoren mit den entsprechenden steuerlichen Vergünstigungen und vor allem sind die klimatischen Voraussetzungen hervorragend. Auch in Paraguay wurden viele Wälder gerodet, Teile dieser Flächen konnten wir kaufen und haben hier über die letzten zehn Jahre große Flächen wieder kultivieren können. Inzwischen auch mit dem Kapital von Investoren – denn es ist noch viel zu tun. finanzwelt: Wenn Sie das so sagen, klingt das nach mehr als nur einem Kapitalanlagemodell … Jelinek: Absolut richtig! Paraguay ist ein vergleichsweise armes Land. Also ging es uns von Anfang an nicht nur darum, die politischen Gremien einzubinden, sondern wir haben sehr viele Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft geschaffen und sind froh darüber, denn diese Menschen bringen auch sehr viele Erfahrungen mit ein. Zudem haben wir im Rahmen einer Stiftung ein Kinder- und Jugendlichenhilfsprogramm auf den Weg gebracht, diese sprichwörtlich von der Straße zu holen und ihnen eine berufliche Perspektive zu bieten. Viele Investoren spenden übrigens Teile der Erträge oder gar alle aus ihrer Kapitalanlage direkt in die Stiftung. finanzwelt: Womit Sie andeuten, dass Sie das Ganze nicht aus altruistischen Gründen betreiben. Jelinek: Warum kann man nicht einmal anders an das Thema Kapitalanlagen gehen, als immer nur einseitig den Profit zu maximieren? Natürlich wollen und müssen wir und unsere Investoren, was wir übrigens zu einem erheblichen Teil selbst sind, Geld verdienen. Wir wollen dabei aber auch andere Aspekte berücksichtigen, unseren Lebensraum beispielsweise oder faire Lebensbedingungen für die Arbeiter und Führungskräfte vor Ort. Bedenken Sie bitte, dass Lateinamerika auch ein Teil der Lunge Europas ist. Wenn wir dort weiterhin bedenkenlos Regenwälder abholen, führt das unweigerlich zum Kollaps. finanzwelt: Aber Sie „ernten“ doch auch Holz? Jelinek: Natürlich, es gehört auch zu einem gesunden Biosystem dazu, dass Bäume geschlagen werden. Aber bevor wir beispielsweise einen Baum fällen und dessen Edelholz verkaufen, haben wir bereits über Jahre einen „Nachkommen großgezogen“, der im Biosystem seinen Platz einnimmt. Nur wenn sie ab und an einen Baum fällen, bekommen die Jüngeren das Licht, das sie wachsen lässt. Dieses Holz verkaufen wir übrigens regional. Da es besondere Eigenschaften hat, ist es sehr gefragt. finanzwelt: Wie müssen wir uns so einen Erwerb vorstellen? Jelinek: Das ist recht einfach. Wie verkaufen das Land ab einem Hektar. Der Investor wird in Paraguay – ähnlich wie in Deutschland – in einem Grundbuch eingetragen. Es ist sein Land. Mit dem Kauf beauftragt er uns, für eine gewisse Zeit sein Land zu bewirtschaften. Wir schaffen die Voraussetzungen die inzwischen selbst gezüchteten Setzlinge zu pflanzen und zu pflegen, später das Holz zu ernten und den Investor beim Verkauf zu unterstützen. Viele besuchen uns übrigens vor Ort. Wir freuen uns darüber, denn so bekommen sie das richtige Gefühl über unsere Arbeit und ihr eigenes Investment. finanzwelt: Das klingt nach einer Anlage für ohnehin Vermögende. Jelinek: Ist es aber nicht. Die bisher aufgelegten Beteiligungen waren bereits ab rund 12.000 Euro möglich. Los geht es mit dem Erwerb eines Hektars. Nach einer Phase der Pflege und Bewirtschaftung, sind dann erste Verkäufe ab dem zehnten Jahr möglich. Ab dann kommen durch Verkauf der Edelhölzer regelmäßig Erträge, die durchaus mit herkömmlichen Anlagen konkurrieren können. finanzwelt: Wir danken Ihnen für das Gespräch.