Knight Frank: Auswirkung auf Wohnimmobilien – Teil I

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Seit Mitte 2014 haben sich Transaktionsvolumina und Preiszuwächse am Markt für Spitzenwohnimmobilien in London verlangsamt. Das EU-Referendum war nur ein Faktor unter vielen, der dem Markt Gegenwind versetzte.

Die Unterhauswahlen in Großbritannien, die drohende Mansion Tax, die Erhöhung der Stempelsteuer sowie die zusätzliche Steuer für Investoren und Käufer von Zweitwohnsitzen haben zusammen mit dem EU-Referendum die Stimmung am Markt für Luxuswohnobjekte in London gedrückt. Das Transaktionsvolumen per Ende des ersten Quartals 2016 fiel durch die drohende zusätzliche Stempelsteuer sehr hoch aus. Im zweiten Quartal waren die Umsätze dagegen niedrig. Zumindest seit April ist ein Teil dieser Entwicklung auf das EU-Referendum zurückzuführen. Zweifelsohne wird sich die Unsicherheit am Top-Wohnimmobilienmarkt in London durch den Sieg der Brexit-Befürworter fortsetzen. Besonders Anleger werden eine Reihe von Käufen vertagen oder auf andere Märkte umlenken. Doch die Bedeutung dieses Trends sollte nicht überbewertet werden. Die Nachfrage für Spitzenwohnobjekte in der britischen Hauptstadt basiert auf zahlreichen Pfeilern, wobei die meisten nichts mit dem EU-Referendum zu tun haben: das große Geschäfts-Cluster, die vielen hochausgebildeten Arbeitskräfte, das gute Bildungsangebot, der Lifestyle und die Sprache. Trotz der aktuellen Nervosität ist es nicht leicht, eindeutig einen vergleichbaren Standort für Anleger zu benennen. Am Vorabend des Referendums lag das britische Pfund 14 Prozent unter dem letzten Hoch von Mitte 2014. Das Angebot war also für Käufer in Dollar attraktiver. Weitere Verluste beim Pfund könnten dem Markt Kapital zuführen. Dem ist allerdings zu entgegnen, dass rund 80 Prozent der Käufer in diesem Marktsegment Briten sind. Die Zinsen könnten trotz einer möglichen Inflation durch Pfundverluste noch längere Zeit niedrig bleiben. Auch wenn der langfristige Gewinn von derart günstigen Darlehen für Immobilien fragwürdig ist, heizt die vorteilhafte Finanzierungsmöglichkeit die Nachfrage vor allem bei eigenkapitalstarken Käufern an, da sie besonders gute Konditionen erhalten.

Stellungnahme von Liam Bailey, Partner bei Knight Frank, Leiter globales Research für Wohnimmobilien

Siehe auch: Auswirkungen auf Ferien- und Zweitwohnsitze – Teil II

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