Kluge Strategie ermöglicht Gewinne im Anleihensegment

Claus Tumbrägel, Vorstand der nordIX AG - Foto: © nordIX AG

Das Niedrigzinsumfeld ist eine große Herausforderung für Fixed Income-Spezialisten. Wie es dennoch möglich ist, unter den Gegebenheiten eine auskömmliche Rendite zu erzielen, das erläuterte Claus Tumbrägel, Vorstand der nordIX AG, im finanzwelt-Talk.

finanzwelt: Ein Ende der Nullzinspolitik ist nicht in Sicht. Das hat die EZB jüngst wieder bestätigt. Festverzinsliche Wertpapiere gelten dementsprechend unter Anlegern schon seit Jahren als out und eher als Renditekiller. Wie können Sie als Fixed Income-Spezialist noch Rendite für Ihre Anleger generieren?
Claus Tumbrägel: In der Tat ist vor allem mit sicheren Staatsanleihen wie mit der Bundesanleihe kein Gewinn mehr zu erzielen. Auch Unternehmensanleihen von Emittenten guter Bonität rentieren meistens negativ. Wer mit Anleihen noch eine vernünftige Rendite erzielen will, muss auf den ersten Blick also ins Risiko gehen und Titel von Emittenten mit einer geringeren Bonität erwerben.

Das ist aber nicht unser Ziel. Wir schätzen die Sicherheit von Anleihen bonitätsstarker Emittenten, möchten aber auch für unsere Anleger eine stabile Rendite erzielen, die das Vermögen sichert. Dafür nutzen wir intelligente Strategien am Fixed Income-Markt und zum Teil auch am Markt für Kreditausfallversicherungen. Diese werden nicht nur zur Absicherung genutzt, sondern auch gezielt zur Optimierung des Ertragsprofils.

finanzwelt: Können Sie da konkreter werden und eine Strategie näher erläutern?
Tumbrägel: Gerne. Mit unserem nordIX Treasury plus Fonds (I-Tranche: DE000A2QG231, R-Tranche: DE000A2QCX86) beispielsweise bieten wir unseren Anlegern ein qualitativ hochwertiges Anleihenportfolio, das durch zusätzliche Strategien renditetechnisch optimiert wird. Im Kern besteht der Fonds aus einem Portfolio von ca. 80 Anleihen von Emittenten mit gutem und sehr gutem Bonitäts-Rating. Im Durchschnitt hat das Portfolio ein Rating von A+, d.h. die Schuldner haben durchschnittlich ein Ausfallrisiko von 0,1%. Um für das Portfolio berücksichtigt zu werden, muss die Anleihe den Investment Grade-Status haben, d.h. mindestens ein Rating von BBB- haben. Zu den Emittenten gehören bekannte und erfolgreiche Weltkonzerne wie Coca Cola oder Siemens. Bei der Auswahl legen wir neben der Bonität auf eine gute Handelbarkeit der Anleihen und eine breite Diversifikation des Portfolios Wert. Die hohe Liquidität stellen wir durch kurz laufende Anleihen sicher. Zur Diversifikation tragen Emittenten aus den unterschiedlichsten Ländern und Branchen bei. Jeder Titel nimmt max. ein Gewicht von 2,5 Prozent im Portfolio ein. Das Portfolio wird stetig gescreent, sodass die hohe Qualität bewahrt wird.

finanzwelt: Das reicht aber noch nicht für eine Überrendite.
Tumbrägel: Das stimmt. Wir haben deshalb zwei Renditebausteine integriert. Der erste beruht auf Neuemissionen für Anleihen. Wenn ein Unternehmen eine neue Anleihe emittiert, verzinst sie diese in der Regel etwas höher als die bereits ausstehenden Anleihen, um sie für Investoren attraktiv zu machen. Ein Beispiel: der französische Pharmariese Sanofi hat im vergangenen Jahr eine neue Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren herausgegeben. Die Rendite dieser neuen Sanofi-Anleihe liegt mit 1 Prozent höher als die faire Rendite einer Anleihe mit dieser Laufzeit, die bei 0,9 Prozent liegt. Durch diese Verzinsung wurde die neue Sanofi-Anleihe im Vergleich zu den 21 anderen ausstehenden Anleihen des Pharmakonzerns den Anlegern schmackhaft gemacht. Als professionelle Anleger können wir diese Überrenditen durch Zeichnung der Neuemissionen systematisch abschöpfen. Privatanleger haben kaum Zugriff auf den Primärmarkt und können erst recht nicht eine breite Diversifikation zur Risikostreuung aufbauen.

finanzwelt: Und wie sieht der zweite Renditebaustein aus?
Tumbrägel: Ein weiterer Renditebaustein sind Kreditausfallversicherungen. Diese machen maximal 30 Prozent des Portfolios des nordIX Treasury plus aus. Kreditausfallversicherungen – auch bekannt als Credit Default Swaps (CDS) – sind Versicherungen auf das Insolvenzrisiko von Schuldnern. Dabei verkaufen wir CDS von Emittenten mit einem A-Rating und können dadurch eine Prämie bei geringem Risiko realisieren.

finanzwelt: Aber sind Kreditausfallversicherungen nicht Zockerpapiere mit einem hohen Verlustrisiko?
Tumbrägel: CDS sind in der Finanzkrise von 2008 in Verruf geraten. Doch eigentlich handelt es sich dabei um Absicherungsinstrumente für Kredite.  Sie nehmen eine wichtige Funktion im Finanzmarkt ein. Sie werden aufgrund der hohen Nennbeträge zwischen professionellen Finanzakteuren wie Banken oder Hedgefonds gehandelt. Die Rendite eines CDS kann das Risiko eines Anleiheemittenten eventuell besser widerspiegeln als der Zinskupon einer Anleihe. So können sich Anleiheemittenten mit guter Bonität kostenlos oder sogar mit Verzinsung verschulden, während eine Kreditausfallversicherung auf den Schuldner eine höhere Prämie verlangt. Ich ziehe gerne den Vergleich zu einer Mietbürgschaft heran: Genauso wie ein Vermieter den potenziellen Mietausfall durch eine Kaution des Mieters absichert, kann der CDS-Käufer durch Zahlung einer jährlichen Prämie das Risiko eines Zahlungsausfalls versichern.

finanzwelt: Das Anlagekonzept des nordIX Treasury plus klingt eher nach einem Anlagekonzept für institutionelle Investoren. Liege ich da richtig?
Tumbrägel: Der nordIX Treasury plus wurde 2017 als Fonds für institutionelle Investoren aufgelegt. Jedoch sehen wir, dass auch Privatanleger mit kleineren Sparsummen oder auch Unternehmer und Gewerbetreibende zunehmend Probleme haben, ihr Erspartes vor einem Wertverfall durch hohe Verwahrgebühren bei den Banken, Negativzinsen und Inflation zu schützen. Gleichzeitig sollen Risiken möglichst ausgeschlossen und das Vermögen jederzeit liquide sein. Das klappt bei Aktieninvestments mit einer höheren Volatilität nicht so gut. Deshalb haben wir dieses Jahr eine Privatanleger-Tranche (ISIN DE000A2QCX86) gestartet. Diese wurde erst vor kurzem von der deutschen Ratingagentur Scope mit einem Top-Rating in seiner Peergroup bewertet und als positiv rentierlicher Liquiditätsersatz bestätigt.

finanzwelt: Wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit? Sowohl institutionelle als auch private Investoren sehen die Berücksichtigung von ESG-Kriterien immer mehr als Voraussetzung für ein Investment.
Tumbrägel: Wir implementieren ESG-Kriterien in unsere Research- und Screening-Prozesse. Bei der Analyse setzen wir auf das ESG-Research von MSCI ESG. Gemäß der Offenlegungsverordnung wurde der nordIX Treasury plus als nachhaltiger Fonds gemäß Artikel 8 eingestuft und eignet sich demnach bestens für Anleger, die ihr Geld bewusst nachhaltig anlegen wollen. (ah)