“Kleinlein hat nicht völlig recht”

Marco Seuffert / Foto: © Marco Seuffert

Die Forderung von BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein nach einem Provisionsdeckel in Höhe von 1,5 % der Beitragssumme (finanzwelt berichtete) erhält Widerspruch: Lesen Sie hierzu den Leserbrief von finanzwelt-Leser Marco Seuffert.

“Sehr geehrter Hr. Kleinlein,

herzlichen Dank für Ihre Ausarbeitung.

Aus meiner Sicht beinhaltet diese jedoch einig Fehler:

1. Die Provisionsvereinbarungen in der deutschen Assekuranz beinhalten
Maximierungen in der Regel auf 90% bis 100% des Erstjahresbeitrags.
Besonders bei kurzen und langen Laufzeiten wird teilweise deutlich
maximiert (begrenzt). Unter Berücksichtigung dieser Maximierung wäre die
von Ihnen errechnete Provision nicht viermal, sondern nur ca. doppelt so
hoch!

2.  In der Ausschließlichkeit erhalten die Vermittler im Durchschnitt
auch keine 40 Promille Abschlussprovision, wie von Ihnen berechnet, sondern
lediglich ca. 26 Promille. Hierzu gibt es mehrere unterschiedliche
Erhebungen. Ca. 1/3 der Abschlusskosten verbleiben beim Unternehmen!

3. Die durchschnittliche Beitragssumme beträgt zudem ca. 20.000 EUR.
Insofern sind die von Ihnen herangezogenen ca. 342.000 EUR Beitragssumme
überhaupt kein Maßstab. Nicht jedes Fahrzeug, das der Fiat-Konzern
verkauft, ist ein Ferrari. Da sind auch sehr viele volksnahe „Kleinwagen“
dabei, an denen nur bedingt Geld verdient wird.

4. Im Übrigen würde eine solch hohe Beitragssumme sicherlich auch
nach Kollektivgeschäftskonditionen, sprich halber Abschlussprovision,
abgewickelt.

5. Der Geldbeutel der Verbraucher ist endlich! 1.000 EUR zusätzliche
Rentenabsicherung zu benötigen und es sich im nicht von der
Versicherungswirtschaft zu verantworteten Niedrigzinsumfeld leisten zu
können, sind zwei Paar Stiefel. Die wenigsten Kunden können das.

6.  Was zudem vollkommen verkannt wird, ist die Tatsache, dass die Kunden
heute deutlich umfassender beraten werden müssen als 1998 und der
Kostenapparat auch deutlich höher ist, den qualifizierte Vermittlerbetriebe
heute vorhalten. Beim 8-fachen Beratungsaufwand bedeutet eine 4-fache
Provision immer noch eine Provisionshalbierung.

7. Es ist schon ein deutlicher Unterschied, 4% steuerfreien Garantiezins
und ca. 7% Überschussbeteiligung zu verkaufen oder dies im Rahmen des
3-Schichten-Modells mit unterschiedlichen steuerlichen und
sozialversicherungsrechtlichen Behandlungen, viel zu vielen
Durchführungswegen in der BAV, einer Angemessenheits- und
Geeignetheitsprüfung nach IDD, einem massiv verschärften Geldwäschegesetz,
nur noch 0,9% oder gar keinem Garantiezins, unterschiedlichsten
Fondskonzeptionen, erklärungsbedürftigen Produkt- sowie
Basisinformationsblättern und auch unterschiedlichsten Bruttomethoden bei
der Kostentransparenz zu tun.

8. Heute sind insgesamt auch deutlich mehr Gespräche für einen
Abschluss erforderlich als 1998. Bei einem Provisionsdeckel von 15 Promille und
gleichbleibender Stornohaftung wie von Ihnen vorgeschlagen wird das
Geschäftsfeld schlichtweg unrentabel. Dann muss der Gesetzgeber über
zusätzliche Finanzierung nachdenken, damit überhaupt noch Altersvorsorge
betrieben wird und dann müssen die Verbraucher zusätzlich immer noch
eigenständig kaufen. Dass das nicht funktioniert, sieht man in den
provisionsfreien Ländern sehr gut. Die Wahl zwischen Konsum und
Altersvorsorge wird vom Verbraucher sehr leicht entschieden. Und
notwendiger Konsumverzicht muss sich lohnen, beraten zu werden.

9. Bitte vergessen Sie auch nicht, dass gemäß IDD zwingend erforderlich
die Ziele und Wünsche ermittelt, die Angemessenheit und Geeignetheit
geprüft, passende Angebote erstellt, ein begründeter Rat erteilt, das
ausgewählte Produkt erklärt und das Ganze ordnungsgemäß dokumentiert werden
muss.

10. Aber ich bin dennoch sehr froh über ihre Ausarbeitung, denn sie zeigt
sehr deutlich auf, dass die Vermittlerprovisionen nur einen kleinen Teil
der Gesamtkosten ausmachen und der weitaus größte Teil der Gesamtkosten
beim Versicherer zu suchen ist. Im Übrigen konträr zum aktuellen
LVRG2-Entwurf, in welchem so getan wird, als wären die Verwaltungskosten
auf konstant niedrigem Niveau. Dabei ist gerade hier der Ansatz zu suchen!
Neben dem Ende der Niedrigzinspolitik!

Sehr gerne können wir das Thema auch noch mal bilateral erläutern. Meine
Kontaktdaten haben sie ja.

Mit freundlichen Grüßen

Marco Seuffert