Kleine ganz groß

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Weil die Immobilienpreise in den A-Städten in teils schwindelerregende Höhen steigen, boomen Mittelstädte und kleine Großstädte in ganz Deutschland. Für die zukünftige Entwicklung könnte besonders die Finanzierung eine wichtige Rolle spielen.
Über die Jahrhunderte haben sich die Gründe, in die Stadt zu ziehen, deutlich verändert. Während Leibeigene im Mittelalter aufgrund des Rechtsgrundsatzes „Stadtluft macht frei“ nach einem einjährigen Aufenthalt in einer Stadt nicht mehr von ihrem Grundherren zurückgefordert werden konnten, sind es heute vor allem berufliche Gründe oder die Sehnsucht nach einem urbanen und hippen Lebensstil, die für einen stetigen Zuzug in die Städte sorgen. Jedoch führt diese hohe Nachfrage nach Wohnraum zu enormen Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt in den A-Städten und für Jens Meier, Vorstandsvorsitzender der WKZ Wohnbaugenossenschaft, ist noch kein Ende dieser Entwicklung abzusehen. „Höhere Mietrenditen und Immobilienwertsteigerungen sind allerdings in den Randgebieten dieser Städte zu erzielen. Die sogenannten Speck- oder Silbergürtel“, so Meier. Laut Werner Schilcher, Geschäftsführer von PRIMUS Concept, veranlasst die hohe Nachfrage die Kapitalanleger dazu, sich besser über die Lage auf den Immobilienmärkten zu informieren. Deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Städte und Regionen attraktives Renditepotenzial bieten.

Augsburg

Im Jahr 15 v. Chr. als römisches Heerlager gegründet, ist Augsburg heute die drittgrößte Stadt Bayerns. Die Fuggerstadt weist eine positive Bevölkerungsentwicklung auf, denn heute leben hier mit 284.000 Einwohnern ca. 5 % mehr Menschen als noch 2011. Prognosen gehen von einem weiteren Anstieg um 7 % bis 2034 aus, womit Augsburg die 300.000 Einwohner-Marke überschreiten würde. Diese positive Bevölkerungsentwicklung ist für Schilcher neben dem neuen Uniklinikum und der Nähe zu München ein Faktor, der den Augsburger Immobilienmarkt positiv beeinflussen wird. „Die Marktentwicklung am Standort Augsburg ist sehr dynamisch von hoher Nachfrage sowohl für Käufer- als von Mieterseite geprägt. Bei Neu- und Anschlussvermietung von Bestandsobjekten lassen sich signifikante Mietsteigerungen am Markt durchsetzen. Dementsprechend stark steigen auch die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Augsburg innerhalb von kurzen Zeiträumen“, so Schilcher. Auch Meier zählt Augsburg zu den deutschen Städten mit dem höchsten Renditepotenzial.

Bayerns Mittelstädte auch attraktiv

Die Region um München ist immer ein Investment wert. Ein Beispiel hierfür ist Landshut, denn die niederbayerische Bezirkshauptstadt erlebt ein stetiges Bevölkerungswachstum und überschritt im November 2016 erstmals die Marke von 70.000 Einwohnern. Mit der Bevölkerung steigen auch die Immobilienpreise in Landshut, denn laut einer Studie von immowelt von Dezember 2016, welche die Preise für Eigentumswohnungen in 107 deutschen Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern untersuchte, kostete der Quadratmeter Wohneigentum mit 3.560 Euro 74 % mehr als noch vor fünf Jahren. Diese Preisdynamik dürfte sich allerdings abschwächen, denn die Postbank-Studie „Wohnatlas 2017“ geht davon aus, dass die Preise für Eigentumswohnungen bis 2030 um jährlich 1,7 % steigen werden. Auch für das ca. 120 km entfernt von München gelegene Pfarrkirchen sieht Schilcher gute Chancen für Wohninvestments in den nächsten Jahren. Als Begründung führt er an, dass in der 12.000-Einwohner-Gemeinde nahe der österreichischen Grenze seit Herbst 2015 eine Außenstelle der TH Deggendorf besteht.

Bodenseeregion

Zwischen 1632 und 1648 im Rahmen des 30-jährigen Krieges hart umkämpft, ist der Bodensee heute eine der beliebtesten Gegenden Deutschlands und wird deshalb von Schilcher als attraktive Anlageregion bezeichnet. Laut dem Immobilienunternehmen Engel & Völkers trifft hier eine große Nachfrage auf ein relativ knappes Angebot, was die Preise steigen lässt. Besonders Lindau ist sehr begehrt, denn vor allem Best-Ager aus der Region Stuttgart interessieren sich für die bayerische Kreisstadt am Bodensee. Leichte Steigerungen gibt es in Überlingen, wo im Jahr 2020 die Bundesgartenschau stattfinden wird, was sich ebenfalls positiv auf den Wohnungsmarkt auswirken dürfte.
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