Kann Erdogan seine Versprechen halten?

Sebastian Kahlfeld, Head CEEMEA Equities bei DWS/ Foto: © DWS

„Präsident Erdogan und die Koalition der ihn unterstützenden AKP und MHP Partei haben deutlich die Präsidentschafts- bzw. Parlamentswahl gewonnen. Es ist zu erwarten, dass die Wirtschaftspolitik somit bekannten Mustern folgen wird und weiterhin der Infrastruktursektor stark zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen wird. Neben dem dritten Flughafen Istanbuls stehen unter anderem Projekte wie das „türkische Auto“ und ein Kanal zur Umgehung des Bosporus auf der Agenda, die sehr kapitalintensiv sind und deren Profitabilität zur Zeit noch unklar ist. Der Tourismussektor hat sich wieder deutlich erholt und das letzte Jahr mit einem Rekord an Touristen abschließen können. Ob die Zentralbank ihrer Funktion treu bleiben und die notwendigen Mittel einsetzen kann, um dem stetigen Verfall der türkischen Lira entgegenzuwirken, bleibt jedoch abzuwarten. Auch das Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte 2018 könnte geringer ausfallen, da Sondermaßnahmen aus dem Jahr 2017 auslaufen und Industrieunternehmen zuletzt wenig investiert haben. Die schwache Lira und die bereits stark gestiegenen Zinsen bringen vor allem mittelständische, weniger transparente Unternehmen in Bedrängnis, die sich in fremder Währung verschuldet haben. Dem gegenüber sind große börsennotierte Unternehmen zumeist besser aufgestellt, da sie nicht nur deutlich weniger verschuldet sind; sondern auch profitabler arbeiten. Vor diesem Hintergrund ist die günstige Bewertung des türkischen Aktienmarkts sicherlich sehr interessant, wenn auch mit vielen Fragezeichen versehen.“

Kommentar von Sebastian Kahlfeld,
Head CEEMEA Equities bei DWS