Kann die Fed die Konjunktur (und Trump) stützen?

Trump möchte, dass die Fed die Zinsen noch viel weiter senkt. Wenn der Fed-Vorsitzende Powell also sagt, dass weitere Zinssenkungen denkbar sind, sobald sich der Handelskrieg mit China verschärft, dann hat der US-Präsident nur einen Tag später dafür gesorgt, dass genau dies passiert. Im Oktober hat die Fed den Leitzins ein drittes Mal gesenkt. Die Wirksamkeit niedrigerer Zinssätze in einer Zeit, in der politische Unsicherheiten für den Konjunkturabschwung hauptsächlich verantwortlich sind, ist innerhalb der Notenbank umstritten. Jerome Powell hat bei der Pressekonferenz vom September daran erinnert, dass die Geldpolitik nur mit „langer und variabler zeitlicher Verzögerung“ Wirkung zeigt.

Unseres Erachtens versucht Donald Trump alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den konjunkturellen Schaden möglichst klein zu halten, falls sich der Handelskrieg über einen viel längeren Zeitraum hinzieht und vor den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr keine Lösung erzielt wird. Viele Maßnahmen, die Trump seit seinem Amtsantritt umgesetzt hat, dienen bereits der Vorbereitung einer harten Auseinandersetzung mit China: Repatriierung der Auslandsgewinne von US-Unternehmen, massive Steuersenkungen, Verlagerung von Industrieaktivitäten nach Amerika und nun Infrastrukturmaßnahmen. Diese Schritte sollen die US-Wirtschaft bestmöglich auf den Konflikt mit China und die konjunkturellen Folgen vorbereiten.

Solange allerdings die US-Konsumdaten stark bleiben, glauben wir nicht, dass ein Abschwung in der Industrie ausreichen wird, um eine breite globale Rezession auszulösen. Wenn die Fed mit ihren Zinssenkungen eine „positive Neigung“ der Zinskurve erreicht, könnte sich diese kurze Inversion als verfrühtes Rezessionssignal erweisen.

Auch die übrigen globalen Zentralbanken sind entschlossen zu handeln, um Rezessionsrisiken abzumildern. Die EZB hat den Zins weiter gesenkt und ein neues Anleihekaufproramm (QE2) angekündigt. Der Rückgang der Inflationserwartungen lässt einen größeren Spielraum zu. Die chinesischen Behörden und die Notenbank haben nach unserer Einschätzung ebenfalls genügend „Munition“ zur Verfügung, um das Wachstum zu stützen. Sie könnten sowohl fiskal- als auch geldpolitische Maßnahmen erhöhen und eine allmähliche Abwertung des Yuan zulassen.

Kolumne von Jörg Franzen,
Geschäftsführer der Franzen Gerber & Westphalen Asset Management GmbH in Kronberg i. Ts