Japans Notenbank vollzieht Paradigmenwechsel

©fotolia robert cicchetti; Japans Zentralbank vollzieht einen historischen Schritt

Auf ihrer heutigen Sitzung hat die Bank of Japan einen geldpolitischen Kurswechsel vollzogen, der in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden sollte. Japans Zentralbank setzt ab jetzt auf ein neues Instrument: das sogenannte „Inflation Targeting”.

(fw/ah) Die Bank of Japan hat ihrer heutigen Sitzung beschlossen, ab sofort auf das Instrument des “Inflation Targeting” zu setzen. Hierbei geht es darum, die Geldbasis so lange und so stark wie nötig auszuweiten, um möglichst eine Inflation “von über 2 Prozent” zu erreichen. Die absolute Höhe der Wertpapierkäufe, wie beim Quantitative Easing, ist dabei unerheblich. Für Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer des Investmenthauses FERI, ein Schritt, dessen Ausmaß nicht zu unterschätzen ist: „Diese scheinbar unbedeutende Kurskorrektur ist nichts Geringeres als ein Paradigmenwechsel der Geldpolitik. Damit hat die Bank of Japan unterstrichen, dass sie die Inflation mit allen Mitteln herbeiführen wird“, warnt Rapp. Zu dem Politikwechsel kam es offensichtlich, weil die Banken und Versicherer die Geldpolitik der großen Notenbanken scharf kritisiert hatten. Besonders die Banken leiden unter den negativen Zinsen in Europa und Japan, weil dadurch deren Fähigkeit massiv eingeschränkt wird, durch Fristentransformation über die Zinsstrukturkurve Geld zu verdienen. Somit ist durch die negativen Zinsen ein wichtiger Geschäftszweig der Banken bedroht. Die EZB hat dies offenbar verstanden und Anfang September überraschen keine weitere Ausweitung der Geldpolitik beschlossen. Helikoptergeld nicht ausgeschlossen Die Bank of Japan dürfte laut FERI mit dem jetzt beschlossenen drastischen Schritt zu einer noch stärkeren monetären Verwässerung beitragen als bisher. Wenn das “Inflation Targeting” wie beabsichtigt zu einer steileren Zinsstrukturkurve führt, dürften die negativen Effekte für das Bankensystem reduziert werden. „Damit bleibt die Bank of Japan auch weiterhin ein wichtiger Gradmesser für die Experimentierfreude der globalen Geldpolitik”, so Rapp weiter. Weil auch weitere extreme Schritte wie beispielsweise Helikoptergeld nach Einschätzung von FERI nicht ausgeschlossen werden kann, sollten die Aktionen Tokioter Zentralbank genauestens beobachtet werden. US-Notenbank auf Gegenkurs Eine völlig gegensätzliche Politik betreibt die amerikanische FED: es wird zwar nicht erwartet, dass sie in ihrer heutigen Sitzung beschließen wird, die Zinsen anzuheben. Allerdings wird ein deutlicher rhetorischer Hinweis auf einen Zinsschritt im Dezember erwartet.  Aufgrund der zuletzt freundlicheren Wirtschaftsdaten und eines insgesamt stabileren globalen Finanzsystem dürfte die FED diesen Schritt wohl nicht mehr länger aufschieben. Für Investoren an den Aktien-und Rentenmärkten ist deshalb weiterhin Vorsicht angebracht. Der US-Dollar dürfte jedoch gegenüber Euro und Yen an Wert gewinnen.

www.feri.de