Japans Aktienmarkt bietet ungenutztes Potenzial

Manuel Peiffer, Relationshipmanager GVS Financial Solutions / Foto: © GVS

Japans Börse stand in den letzten Jahren nicht so im Scheinwerferlicht der Investoren wie der Dow Jones oder der DAX. Dennoch haben sich japanische Aktien sehr gut entwickelt. Nippons Börsen beten zudem weiteres Potential. Und trotz des guten Jahresergebnisses ist der japanische Aktienleitindex Nikkei225 eins der größeren Kursbarometer, das noch ‘meilenweit’ von seinem Höchstständen entfernt ist. Dennoch bleiben japanische Aktien sowohl bei europäischen Privatanlegern als auch bei institutionellen Investoren oftmals außen vor.

Der Nikkei225 konnte im Jahr 2017 um 19 Prozent (in Yen) zulegen. Mid- und Small-Caps konnten noch deutlich stärker zulegen. Dennoch investieren kaum Privatanleger in Japan, obschon japanische Aktien mit 11 Prozent im MSCI World vertreten sind und das Land der aufgehenden Sonne enormes Potential bietet. Zudem ist Japan nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

In Zeiten in denen sich der globale Handelskrieg zuzuspitzen droht, schlägt Japan andere Wege ein. Japan und China haben nach fast acht Jahren Pause ihren Wirtschaftsdialog wieder aufgenommen. Angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Rolle, die beide Länder regional wie auch global ausüben könnten, seien “neue Perspektiven” nötig. Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan soll ebenfalls nach Willen der EU-Kommission bis zum Sommer unterzeichnet werden und spätestens im Herbst 2019 in Kraft treten. Der seit 2013 vorbereitete Freihandelspakt zwischen der EU und Japan soll Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen, um Wachstum anzukurbeln und neue Jobs zu schaffen. Diese Maßnahmen sollten den Wohlstand der Japaner steigern und somit den Binnenhandel zusätzlich ankurbeln. In Japan hat sich die Unternehmenskultur auch zusehends gewandelt. Die Firmen sind ertragsorientierter geworden und stellen den „Shareholder Value“ verstärkt in den Mittelpunkt. Dazu haben zahlreiche Unternehmen sowohl die Margen als auch die Eigenkapitalrenditen verbessert. Dies ist bisher kaum in den Aktienkursen eingepreist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Nikkei liegt aktuell bei 15,8. Die Bilanzen zeugen von Stärke, so haben 55 Prozent der Unternehmen im Topix-Index keine Nettoverschuldung. Weitere Kurstreiber waren eine steigenden Anzahl von Aktienrückkäufen sowie die Tatsachen, dass sowohl die Notenbank als auch die Pensionskassen, welche ihre Zielallokation der Aktienquoten aufgrund der Niedrigzinsphase massiv angehoben haben, japanische Aktien kaufen.

Angst, dass die japanische Notenbank ihre kapitalmarktfreundliche Geldschwemme á la USA und vielleicht EZB demnächst beenden könnte, brauchen Anleger übrigens nicht haben. So betonte Notenbankchef Kuroda im Rahmen der letzten Zinssitzung, dass die japanische Geldschwemme zur Stützung der Konjunktur die Inflation in Richtung des Zwei-Prozent-Zieles treiben werde. Aber auch wenn diese Vorgabe bis Anfang kommenden Jahrzehnts erreicht werden sollte, werde es keinen sofortigen Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik geben.

Chancenorientierte Investoren finden gemessen an den weltweiten hohen Börsenbewertungen bei Nippon-Aktien eine lukrative und noch günstige Alternative. Wer keine Vor-Ort-Expertise besitzt sollte auf erfahrene Fondsmanager mit Stockpicking-Ansatz zurückgreifen, wodurch eine deutliche Outperformance erzielt werden kann. Nach 15 Jahren Deflation werden Small und Mid Caps nur noch von wenigen Analysten beobachtet. Dies bedeutet besonders gute Chancen für Stockpicker, die bekannte Nadel im Heuhaufen zu finden.

Kolumne von Manuel Peiffer, Relationshipmanager GVS Financial Solutions