Japanische Renaisance in Sicht

Cédric Spahr, Aktienmarktstratege, Bank J. Safra Sarasin AG / Foto: © J. Safra Sarasin AG

Ein starker Konjunkturzyklus steigert die Unternehmensgewinne in Japan. Die Beschäftigungsaussichten verbessern sich, da die Erwerbsbevölkerung schrumpft. Wir rechnen für 2018 mit einem besonders starken Unternehmensinvestitionszyklus, da die starke Exportnachfrage und steigende Gewinne japanische Unternehmen veranlassen, die Investitionsausgaben zu erhöhen. Das technische Bild des Nikkei 225 legt eine Bewegung in Richtung 26.800 Punkte über zwei bis drei Jahre nahe. Die monetären Bedingungen und die Bewertung des Aktienmarktes wirken sich weiterhin positiv aus.

Der japanische Aktienmarkt gedeiht am stärksten, wenn die Weltwirtschaft einen Aufschwung erlebt, was die lokalen Industrie- und Exportsektoren antreibt. Während viele skeptische Investoren dazu neigen, Japan als “Land der ewigen Stagnation” zu belächeln, rechtfertigen sowohl zyklische als auch fundamentale Faktoren einen neuen Blick auf die mittelfristigen Aussichten japanischer Aktien. Es gibt gute Gründe zu glauben, dass die nun einsetzende Verbesserung der japanischen Wirtschaft mehrere Jahre dauern und fundamentale Aspekte beinhalten könnte.

Die demografische Entwicklung und das wahrscheinliche Ende einer jahrzehntelangen “Bilanzrezession” ebnen den Weg für eine strukturelle Aufhellung der Wachstumsaussichten in Japan. Die neuen Bewerber auf dem Arbeitsmarkt geniessen eine Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten aufgrund der sinkenden Arbeitslosigkeit und des Ausstiegs der japanischen Babyboomer-Generation. Eine rückläufige Erwerbsbevölkerung schafft bessere Beschäftigungsmöglichkeiten, was sich auch in einer steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen niederschlägt. Während das gesamte Lohnwachstum nicht beeindruckt, verstecken sich jedoch einige wichtige Tendenzen unterhalb der Statistikoberfläche. Der Ausstieg älterer, gut bezahlter Arbeitskräfte aus der Erwerbsbevölkerung drückt künstlich das gesamte Lohnwachstum, während jüngere Arbeitnehmer ein gewisses Lohnwachstum erleben, jedoch von einem niedrigeren Niveau aus. Unternehmensinvestitionen lösen sich vom Dornröschenschlaf, da sowohl die starke Exportnachfrage als auch die Notwendigkeit einer binnenwirtschaftlichen Produktivitätssteigerung eine Renaissance der Kapitalinvestitionen begünstigen.

Kurz gesagt zeigt die japanische Wirtschaft auf verschiedenen Ebenen klare Anzeichen von Verbesserungen:

  • Der private Konsum beschleunigt sich, da sich die Arbeitsmarktbedingungen verbessern
  • Die Investitionen steigen aufgrund des stärkeren globalen Wachstums, der Effekt erreicht mittlerweile auch kleine und mittlere Unternehmen
  • Das Haushaltsdefizit des Staates ist auf etwa 4 % des BIP gesunken, was nun nachhaltiger ist

Die japanischen Unternehmensgewinne weisen einen hohen operativen Hebeleffekt auf ‒ d. H. ihre Gewinnsituation reagiert aufgrund eines hohen Fixkostenanteils überproportional stark auf eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Sobald die Fixkosten gedeckt sind, trägt jeder zusätzliche Umsatzzuwachs direkt zum Reingewinn bei, nachdem die variablen Kosten abgezogen wurden. Die japanischen Unternehmensgewinne wachsen derzeit um 17 % gegenüber dem Vorjahresniveau  Wir erwarten, dass die Beschleunigung des Geldmengenangebots (M1) auf ein starkes BIP-Wachstum in den kommenden Quartalen hindeutet, eine Einschätzung, die durch unsere globalen Wachstumsaussichten für 2018 noch verstärkt wird.

Das langfristige technische grafische Muster des Leitindexes Nikkei 225 sieht sehr überzeugend aus. Der Nikkei-Index hat nach seinem jahrzehntelangen Abwärtstrend im Jahr 2013 sein Maximum von Juli 2015 im Oktober 2017 überschritten. Das daraus resultierende technische Konsolidierungsmuster bietet ein Mindestkursziel von 26.800 Punkten für den Nikkei 225, der sich in den nächsten zwei bis drei Jahren entfalten sollte. Dies würde einer Aufwärtsbewegung des Preises von 8 % bei einer Bewegung über drei Jahre entsprechen, wobei noch eine Dividendenrendite von ca. 1,7 % mitgezählt werden muss.

Wechselkurs- und monetäre Bedingungen dürften unseren erwarteten Bullenmarkt in japanischen Aktien unterstützen. Der Yen ist im Verhältnis zu Japans wichtigsten Handelspartnern nicht teuer bewertet, während negative Realzinsen die Bewertung von finanziellen Vermögenswerten generell ankurbeln. In Zeiten der Reflation tendieren höhere US-Anleiherenditen und steigende Inflationserwartungen dazu, den Yen zu schwächen. Internationale Investoren in Japan sollten sich somit zumindest einen Teil ihrer Beteiligungen in Japan absichern. Japanische Aktien handeln mit einem voraussichtlichen 12-monatigen Kurs-Gewinn Verhältnis von 14,3, was in dieser Phase des Konjunkturzyklus angemessen ist.

Kolumne von Cédric Spahr, Aktienstratege, Bank J. Safra Sarasin AG