Jahresend-Rally – welche Rolle spielen EZB und Fed?

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Andreas Kern

Pünktlich zum Ausklang eines Börsenjahres diskutieren Medien und Marktteilnehmer erneut die Frage, ob es zur „traditionellen Jahresend-Rally“ kommt.

Im Allgemeinen verbinden Börsianer damit steigende Aktienkurse in der Endphase des Jahres. Statistisch betrachtet stehen die Chancen dafür sehr gut. November und Dezember zählen seit Einführung des DAX zu den vier Monaten mit der besten Durchschnittsperformance.

Die auf wikifolio.com aktiven Vermögensverwalter rechnen für den deutschen Aktienmarkt bis zum Jahresende mit moderat steigenden Kursen. 80 Prozent der Experten gehen davon aus, dass sich der DAX zum Jahreswechsel zwischen 11200 und 11500 Punkten einpendeln wird. Dies entspricht einem Anstieg zwischen 3 und 6 Prozent und passt hervorragend zu den historischen Durchschnittswerten in dieser Phase. Im November legte der Index seit 1988 im Schnitt um 2,4 Prozent zu und endete in gut 70 Prozent aller Fälle im Plus. Im Dezember gab es in über 80 Prozent aller Jahre steigende Kurse bei einem durchschnittlichen Anstieg von knapp drei Prozent.

EZB-Politik treibt die Kurse
Begründet wird der anhaltende Optimismus in den meisten Fällen mit der Aussicht auf eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank. Christian Gritzka, Prokurist der Knapp Voith AG und verantwortlich für das wikifolio „Dividende & Substanz“, bringt es für viele seiner Kollegen auf den Punkt: „Die Aussichten in Europa werden weiter getragen von der Hoffnung auf die EZB. Eine Ausweitung des QE-Programms sollte ausreichen, um die positive Stimmung der Anleger bis zum Jahresende zu tragen.“ Sieben von zehn Vermögensverwaltern erwarten, dass EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen noch in diesem Jahr oder spätestens Anfang 2016 eine Aufstockung und/oder vorzeitige Verlängerung des Wertpapierkaufprogramms verkünden werden.

Die durchaus zahlreich vorhandenen Störfeuer werden registriert, größtenteils aber nicht als nachhaltiges Problem angesehen. Andreas Görler, Senior Wealth Manager bei der Pruschke & Kalm GmbH (verwaltet das wikifolio „Wellvest“), ist zum Beispiel der Meinung, dass „wesentliche negative Daten und Themen (VW-Dieselgate, Deutsche Bank, chinesischer Markt, Energie-Versorger) am Markt mittlerweile wohl eingepreist sind“. Das scheint auch für die immer wahrscheinlicher werdende Zinswende in den USA zu gelten.

Was macht die Fed?
Nach den jüngsten Aussagen von US-Notenbankchefin Janet Yellen ist die anhand der Fed Funds Futures ablesbare Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinsanhebung im Dezember auf 58 Prozent angestiegen. Das deckt sich in etwa mit den Erwartungen der kurz zuvor befragten Portfoliomanager. Jeweils 40 Prozent nannten dabei den Dezember beziehungsweise Januar als Startschuss für die Erhöhung der Leitzinsen.

Frank Haser, der als Geschäftsführer der Haser Vermögensverwaltungs GmbH das seit dem Start vor zwei Jahren mit 23 Prozent im Plus liegende wikifolio „VV-Ausgewogen“ betreut, ist einer der wenigen Kapitalmarktexperten, die vorerst noch nicht mit einem Zinsschritt der Fed rechnen. Er verweist auf die rückläufigen Unternehmensgewinne in Teilsektoren der US-Industrie. Sollte er Recht behalten, dürfte das die Chancen auf eine erfolgreiche Jahresendrally noch einmal deutlich erhöhen.

Seit Herbst 2013 stellen institutionelle Finanzmarktexperten ihre Handelsstrategien auf wikifolio.com einem breiten Anlegerpublikum zur Verfügung. Bereits mehr als fünf Prozent der deutschen Vermögensverwalter nutzen die Transparenz der Plattform, um neue Kundengruppen zu erreichen. Sie haben bislang 71 wikifolios veröffentlicht. 78 Prozent der von Vermögensverwaltern in investierbaren wikifolios geführten Strategien haben 2014 einen höheren Ertrag erzielt als die Benchmark (DAX).


Autor: Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG