IPO: Interessanter Weg, mit Risiken Gewinne einzustreichen

16.12.2019

Thomas Hünicke / Foto: © WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH

Anleger können von Börsengängen profitieren, sollten aber den Markt genau beobachten und die Unternehmen gut analysieren – denn nach dem ersten Hype kann es auch schnell zu Korrekturen kommen.

Viele Unternehmen träumen davon, den Schritt an die Börse zu schaffen – der Börsengang (IPO – Initial Public Offering) stellt den Höhepunkt ihrer Entwicklung dar. Sie können dann Geld bei Aktionären einsammeln, um dadurch Wachstum etc. zu finanzieren. Und sie erhalten natürlich auch eine stärkere Aufmerksamkeit „auf dem Parkett“, was wiederum dabei hilft, Neugeschäft zu generieren. Unternehmen öffnen sich mit dem Schritt für den Kapitalmarkt, erhalten eine neue Eigentümerstruktur und machen sich vollständig transparent für Aufsicht, Aktionäre und den Markt.

2019 indes ist ein durchwachsenes Jahr für Börsengänge gewesen, gerade in Deutschland. 2018 brachten deutsche Börsen-Neulinge noch ein Volumen von 11,6 Milliarden auf die Waagschale, 2019 waren es hingegen nur vier Milliarden Euro – und darunter befindet sich das schwäbische Softwareunternehmen Teamviewer mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro und hat damit für sich allein schon mehr als die Hälfte zum Gesamtergebnis beigetragen. Übrigens: Im ersten Quartal 2019 hat kein einziges deutsches Unternehmen den Sprung aufs Parkett gewagt. Eine komplette IPO-Flaute erlebte die deutsche Börse zuletzt im ersten Quartal 2014.

Zudem gab es in Deutschland und international eine Reihe von Rückzügen. Der Büroraum-Anbieter WeWork hat seinen eigentlich geplanten Börsengang im Herbst abgesagt, ebenso das Technologieunternehmen Congatec. Der dänische Medikamentenhändler Abacus Medicine hat im Frühling seinen Börsengang abgeblasen, und Allgeier hat den Rückzug vom Börsengang für Tochter Allgeier Experts angetreten. Auch die mit viel Trara angekündigten Börsengänge von Airbnb und Palantir Technologies sind verschoben worden.

Trotz alledem können Anleger von Börsengängen profitieren und sollten den Markt genau beobachten – denn es stehen kurzfristig noch zwei Groß-IPOs an. Chinas Online-Händler Alibaba und die saudische Ölgesellschaft Saudi Aramco sorgen mit ihren geplanten Börsengängen für Schlagzeilen. Ein paar Beispiele aus der Vergangenheit: Nach dem IPO des Maschinenherstellers Aumann aus Düsseldorf hatten die Anleger innerhalb weniger Wochen im Frühling 2017 fast 50 Prozent hinzugewonnen. Heute jedoch liegt der Wert über 70 Prozent im Minus. Siemens Healthineers hingegen notiert rund anderthalb Jahre nach dem Börsenstart im März 2018 mit knapp 45 Prozent im Plus. Knorr-Bremse wiederum hat sich nach einem Zick-Zack-Start im Herbst 2018 bei rund acht Prozent Plus eingependelt.

Dass Vorsicht aber gerade bei Börsengängen von sehr „hippen“ Unternehmen geboten sein kann, zeigt der Office-Kommunikationsdienst Slack. Das Technologie-Schwergewicht hat innerhalb weniger Monate nach dem IPO 40 Prozent an Wert verloren. Mit 38 Prozent notiert Taxidienst und Uber-Konkurrent Lyft im Minus. Das Paradoxe: Anleger hatten sich bei der Premiere des Fahrdienstvermittlers Ende März an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq um die Aktien gerissen. Der erste Kurs lag bei 87,24 Dollar und damit gut 20 Prozent über dem Ausgabepreis von 72 US-Dollar.

Da viele Unternehmen ihre Aktien lieber bei institutionellen Investoren platzieren, ist der Aufwand für private Anleger nicht unerheblich, um von einem Börsengang zu profitieren. Sie müssen zum einen hoffen, überhaupt Aktien zu erhalten, zum anderen müssen sie den Weg über die Depotbank gehen, da die Aktien ja noch nicht im freien Handel verfügbar sind. Insofern müssen Anleger entscheiden, welchen Aufwand sie eingehen wollen und wie hoch ihre Risikoneigung ist – siehe Lyft und Co. Wenn sie großes Vertrauen in ein Unternehmen setzen, sie die Zukunftsaussichten und Marktpotenziale einschätzen können, ist der Weg über die Zeichnung direkt zum Börsenstart denkbar und ein interessanter Weg, mit gewissen Risiken Gewinne einzustreichen.

von: Thomas Hünicke Geschäftsführender Gesellschafter WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH

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