„Investments in wertstabile Geschäftsmodelle“

finanzwelt: Ferner sind Sie für den LOYS Aktien Europa verantwortlich. Aktuell gewinnt man den Eindruck, dass es unzählige Baustellen auf dem alten Kontinent gibt. Frankreich, Italien und nicht zuletzt die verworrene Situation um den Brexit. Täuscht dieser Eindruck? Finden sich dennoch genügend unterbewertete Aktien mit einem guten Geschäftsmodell (Beispiel)?

Boydak: Der Eindruck täuscht in Hinblick auf die makroökonomische Situation nicht. Nach wie vor gibt es einige ungelöste Probleme hinsichtlich der politischen Themen in Europa. Langfristig wird sich aber für den Brexit eine Lösung finden müssen. Auch Italien birgt durchaus Risiken, die Eurokrise neu anzufachen, jedoch sieht es derzeit nicht danach aus, dass wir kurzfristig Probleme zu erwarten haben. Wir gehen vielmehr davon aus, dass es hier immer mal wieder Störfeuer geben wird – allerdings ohne extreme Ausmaße und Auswirkungen. Der Ausblick für Europa ist insgesamt eher positiv zu sehen. Die „Krisenherde“ gelten aus unserer Sicht mittel- bis langfristig als kontrollierbar. Vielmehr ist das Bewertungsniveau europäischer Aktien nach den jüngsten Korrekturen Ende 2018 deutlich gesunken. Und das ist der entscheidende Punkt: Korrekturen bieten die Möglichkeit, Qualitätsunternehmen zu günstigen Preisen zu erwerben. Im Rahmen unserer regelmäßigen Reanalysen der Unternehmen in unserer Datenbank finden wir heute deutlich mehr Titel, die eine hinreichende Unterbewertung für ein Investment aufweisen.

Im Rahmen unseres antizyklischen Investitionsstils haben wir die Korrekturmonate für Aktiennachkäufe genutzt. Beispielsweise auch für Aktien des Würzburger Druckmaschinenherstellers König & Bauer. Die Aktie hat in der Korrektur deutlich verloren und befindet sich aktuell auf einem äußerst attraktiven Bewertungsniveau. Insgesamt sind wir davon überzeugt, dass ein nach Analyse als solide beurteiltes Unternehmen nicht in kürzester Zeit jedwede Substanz verliert. Wir richten unser Augenmerk auf die langfristigen Potenziale und stützen uns bei unserer Titelauswahl auf die fundamentalen Unternehmenskennzahlen sowie auf unseren bewährten qualitativen Bewertungsprozess. Beim inhabergeführten Unternehmen König & Bauer muss z.B. neben den günstigen fundamentalen Bewertungskennzahlen auch die Wettbewerbsposition gesehen werden. So ist man hier Weltmarktführer in oligopolistischen Strukturen und hält rund 90 % der Marktanteile im Banknotendruck.

finanzwelt: Bleiben/sind britische Aktien (Menzies) gegenwärtig für Sie ein Thema?

Boydak: Da wir unsere Aktienselektion auf Basis von Unternehmenskennzahlen und qualitativen Aspekten durchführen, versuchen wir nicht kategorisch Märkte auszuschließen. Auch wenn der unsichere Ausgang des Brexits eine gewisse Belastung darstellt, so bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass alle britischen Unternehmen langfristig schlecht abschneiden. Beispielsweise ist das UK-Exposure im LOYS Aktien Europa seit Aufkommen der Brexit-Debatte auf nahezu Höchststand, mit rund zwölf Prozent (Stand: 01.02.2019). Auch das nach wie vor schwache Britische Pfund ist für weltweit operierende Unternehmen mit Hauptsitz in Großbritannien ein Vorteil. Unternehmen wie beispielsweise Burberry profitieren, da der Verkauf ins Ausland zu Dollarpreise profitabler wird. Es finden sich derzeit also durchaus attraktive Investments im Vereinigten Königreich, die wir gerne in unserem Portfolio halten.

finanzwelt: Zum Abschluss: Teilen Sie die Meinung, dass die EZB 2019 den Leitzins bei null belassen wird?

Boydak: Die Zinsen der zehnjährigen Bundesanleihe befinden sich nach wie vor auf Rekordtief. Und in den USA hat Jerome Powell, der Präsident der US-Federal Reserve Anfang Februar angekündigt, von weiteren Zinserhöhungen vorerst abzusehen.

So gehen wir davon aus, dass die EZB auch im Jahr 2019 das aktienfreundliche Nullzinsumfeld in Europa erhalten wird. Erste Zinsschritte sind – wenn überhaupt – im zweiten Halbjahr 2019 möglich. Zudem hat Mario Draghi bereits im Januar während der EZB-Sitzung betont, die Geldpolitik weiterhin locker zu halten. Zusätzlich wird der Spielraum für Zinserhöhungen durch die gesunkenen Wachstumsprognosen für die Wirtschaft eingeschränkt. Inflationsgefahren sind praktisch ebenfalls nicht vorhanden. Somit sollten die Leitzinsen noch für einige Zeit auf dem jetzigen Niveau verharren.