Investment-Motor für fondsgebundene Vorsorgeprodukte

Der vermögensverwaltende Ansatz gehört auch im Umfeld der Fondspolicen zu den wachstumsträchtigsten Trends. Während noch vor einigen Jahren ausschließlich aktienlastige Flaggschiffprodukte die Bestände in den Fondspolicen prägten, hat sich das Bild deutlich gewandelt.

Norbert Neunhoeffer, Geschäftsführer der AssetStandard GmbH, über die aktuelle Situation am Markt.

Fast jede Versicherungsgesellschaft bietet mittlerweile in ihrem Fondsuniversum vermögensverwaltende Fonds (VV-Fonds) an – und das aus gutem Grund: VV-Fonds eignen sich ideal für fondsgebundene Versicherungen. Denn es macht im aktuellen Niedrigzinsumfeld Sinn, kapitalmarktorientiert anzulegen, jedoch muss sich auch jemand um die Anlage kümmern. Anders als beispielsweise bei Aktienfonds, kauft man sich bei vermögensverwaltenden Fonds das professionelle Management, das sich ständig um die Aufteilung der verschiedenen Anlageklassen kümmert, gleich mit ein. Auch Feri EuroRating Services hat in einer Studie festgestellt, dass die Zahl von vermögensverwaltenden Fonds beziehungsweise Multi Asset Fonds im Angebot fondsgebundener Versicherungsprodukte stetig zunimmt. Der Anteil der Versicherungsgesellschaften, die Multi Asset- bzw. VV-Fonds einsetzen, hat sich von 57 % im Jahr 2010 auf nun 95 % drastisch erhöht. Diese Entwicklung ist umso wichtiger, wenn man sich die Entwicklung im Geschäft der Lebensversicherer verdeutlicht.

Begräbnis der klassischen Garantietarife.

Die Lebensversicherer verabschieden sich aktuell auf breiter Front von den klassischen Produkten mit garantierten Zinsen. Manche stellen das Geschäft mit klassischen Tarifen komplett ein, andere übertragen die Bestände auf Konsolidierungsplattformen oder stellen die Tarife nur noch auf Anfrage bereit. So geht beispielweise ein Branchenleader davon aus, dass in zwei Jahren der Anteil der klassischen Lebensversicherung im Neugeschäft unter 10 % liegen wird und bei anhaltend niedrigen Zinsen es in fünf bis zehn Jahren so gut wie keine Lebensversicherung mit Garantiezins mehr geben wird. Die Gründe dafür sind vielschichtig, lassen sich aber durchaus auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Die Niedrigzinsphase macht die Produkte für Kunden unattraktiv, die Versicherer müssen im Zuge von Solvency II die Zinsgarantien der klassischen Verträge mit noch mehr hinterlegtem Kapital ausfallsicherer gestalten und viele Vermittler werden mit massiven Veränderungen der Vergütungssystematiken konfrontiert. Dadurch brennt es heute an allen Ecken und Enden der klassischen Wertschöpfungskette.

Ohne Risiko keine Erträge mehr.

Insbesondere die niedrige Verzinsung führt zu der unattraktiven Situation, dass viele Neukunden über die Laufzeit gerade einmal die gezahlten Beiträge erhalten würden. Berechnungen von MORGEN & MORGEN zufolge müssen Neukunden einer klassischen Rentenpolice mit einem monatlichen Ansparbeitrag von 100 Euro ca. 23 Jahre sparen, um bei einem Garantiezins von 1,25 % auf den Sparbeitrag (gezahlter Beitrag abzgl. Kosten) wenigstens die gezahlten Beiträge zu erhalten. Vor 15 Jahren befand sich der Garantiezins noch bei 4,0 %, welcher bereits nach 12 Jahren einen Beitragserhalt garantierte. Für den langfristigen Aufbau der Altersvorsorge ist es daher nicht mehr sinnvoll, auf rein klassische Produkte zu setzen. Nahezu die gesamte Branche geht davon aus, dass sich der Trend zu rendite- und damit kapitalmarktorientierten Produkten mit alternativen Garantien oder auch ohne Garantiekomponente weiter fortsetzt. Daraus resultierend rückt das Thema Fondspolice ins Rampenlicht. Im Unterschied zu klassischen Versicherungen wird bei fondsgebundenen Varianten das eingezahlte Geld in Investmentfonds angelegt. Der große Vorteil der Fondspolice: Der Kunde profitiert nach wie vor vom Versicherungsschutz und dem Recht auf eine lebenslange Rente, gleichzeitig kann er aber an den Wertentwicklungen der Kapitalmärkte partizipieren und wird zudem, gegenüber einer Direktanlage in Investmentfonds, teilweise steuerlich bevorzugt. Versicherer und Fondshäuser haben das längst erkannt und arbeiten intensiv an Konzepten, um die Sicherheits- und Ertragsorientierung zu kombinieren.

Kapitalmarktorientierung ja, aber mit klarem Auftrag.

Logische Konsequenz ist laut Feri-Studie die Häufung von Multi Asset- bzw. vermögensverwaltenden Fonds im Angebotsspektrum der Fondspolicenanbieter. Denn nicht nur reine Investmentvermittler, sondern insbesondere auch die Versicherungsmakler können den Spagat zwischen Vermögensmanagement und Kundenbetreuung aufgrund immer höherer protokollarischer und haftungsrechtlicher Anforderungen nur noch schwer bewältigen. Gefragt sind vermögensverwaltende Produkte, die sowohl Beratern als auch Kunden einen Mehrwert liefern. Die Statistiken des BVI belegen diese Entwicklung eindrucksvoll. Von 32,4 Mrd. Euro, die 2014 netto in Publikumsfonds geflossen sind, entfallen 22,7 Mrd. Euro auf Mischfonds. Fonds mit vermögensverwaltendem Charakter nehmen einen immer größeren Stellenwert ein und betragen mittlerweile 26 % des Gesamtvolumens aller Publikumsfonds. Vor 15 Jahren waren es lediglich 5 %. Das ist ein klares Votum der Marktteilnehmer hinsichtlich der Delegation des Vermögensmanagements in professionelle Hände. Immer weniger Berater und Kunden wollen komplexe Vermögensstrukturen erstellen und überwachen, sondern verlassen sich dabei auf die Expertise namhafter Vermögensverwalter. VV-Fonds investieren in mehrere Anlageklassen und können diese, um flexibel auf Marktsituationen zu reagieren, über- oder untergewichten. Man entscheidet sich einmalig für einen risikoadjustierten und den eigenen Bedürfnissen angepassten vermögensverwaltenden Fonds und muss sich nicht ständig mit Kauf- und Verkaufsempfehlungen respektive dem Austausch der Fonds innerhalb seiner Police, infolge von Marktveränderungen, auseinandersetzen. Aber auch bei diesen Produkten gilt: „Chance und Risiko sind die beiden Seiten einer Medaille“.

Der vermögensverwaltende und daher in erster Linie verlustbegrenzende Charakter führt dazu, dass VV-Fonds den Referenzindizes in starken Aufwärtsphasen nicht vollständig folgen. Die meisten Fonds generieren ihre Outperformance mehrheitlich durch Verlustbegrenzung in Abwärtsphasen und weniger durch überdurchschnittliche Kursgewinne in steigenden Märkten. Das Gesamtpaket aus delegierter Anlageklassenverteilung (Asset Allocation), Verlustbegrenzung und Haftungsminimierung kompensiert diesen Umstand jedoch durch den Einsatz vermögensverwaltender Produkte im Rahmen einer Fondspolice auf jeden Fall.

Mischfonds

Daten in % / Quelle: BVI-Statistik, MMD Multi Manager GmbH

Mischen possible.

Trotz integriertem Vermögensmanagement bei VV-Fonds gilt auch im Rahmen von Fondspolicen die Maxime: „Lege nicht alle Eier in einen Korb“! Denn niemand kann vorhersehen, wann Extremszenarien an den Finanzmärkten auftreten, und es wird keinen Manager bzw. Fonds geben, der in zehn von zehn Jahren richtig liegt. Es müssen vielmehr die gefunden werden, die in sieben oder acht von zehn Jahren richtig liegen und in Abhängigkeit der unterschiedlichen Stile ihre Outperformance zu unterschiedlichen Zeitpunkten realisieren. Aus diesem Grund ist es zielführend, die langfristig guten VV-Fonds zu finden und in einer Fondspolice zu kombinieren. Die so geschaffene maximale Streuung des Kapitals über Anlageklassen („Assets“), Assetmanager („Köpfe“) und Anlagestrategien („Stile“) hinweg reduziert nicht nur Extremrisiken, sondern führt auch insgesamt mit geringer Schwankungsbreite zu einer stabilen Performance. Der Kunde erhält durch die Kombination von VV-Fonds in der Police eine professionelle und kapitalmarktorientierte Vermögensanlage mit dem Anspruch, unabhängig von den verschiedenen Situationen am Kapitalmarkt, richtig positioniert zu sein.

Interview

Rolf KleinWealth Management mit Lebensversicherungen

Moderne Lebens- und Rentenversicherungen bieten heutzutage ideale Voraussetzungen für eine individuelle, finanzielle Lebensplanung und -sicherung, betont Rolf Klein, Geschäftsführer der NKB Neutralis Kapitalberatung GmbH. Zudem resultiert daraus für Klein im Zusammenhang mit dem Einsatz vermögensverwaltender Konzepte, wie z. B. Fonds-Vermögensverwaltungen, eine echte Wealth Management Lösung für Versicherungsmakler.

Rolf Klein, Geschäftsführer der NKB Neutralis Kapitalberatung GmbH, ist seit 1981 als Finanzberater tätig und Autor diverser Fachbücher. Seit 1998 entwickelt er innovative Finanzkonzepte. Neben Erfahrungen im Dachfondsmanagement ist er Portfoliomanager und zertifizierter €uropean Financial Planner €FP®. Seit 2012 entwickelt er die Private Wealth Police.

» Versicherung und Vermögensmanagement wachsen zusammen – sehen Sie das auch so?

Klein: Ja, denn Privatanleger verlangen längst mehr als überdurchschnittliche Renditeperspektiven, Transparenz und diversifizierende Investmentstrategien. Heute kommt es vermögenden Kunden auch auf eine enge persönliche Beteiligung an der Strukturierung des individuellen Anlageportfolios, eine kostenrationale Gebührengestaltung, ein Maximum an Nachvollziehbarkeit und fachlich umfassend versierte Berater an. Die gewachsenen Erwartungen an das Vermögensmanagement sind einerseits eine Folge der Erfahrungen aus der überwundenen Finanz- und Wirtschaftskrise, andererseits aber auch eine Konsequenz der erweiterten Möglichkeiten für Kunden, die Leistungen und Konditionen von Geldanlagen online vergleichen zu können. Nur wer sämtliche Vorteile des Vermögensmanagements mit denen einer Versicherungslösung vereint, wird dauerhaft Mehrwerte für seine Kunden generieren.

» Wie muss man sich eine solche Lösung konkret vorstellen?

Klein: Die Private Wealth Police (PWP) der Neutralis Kapitalberatung beispielsweise kombiniert flexible Möglichkeiten des Vermögensmanagements mit den spezifischen Vorteilen des Finanzplatzes Liechtenstein. Versicherungsträger ist die Vienna-Life AG aus Liechtenstein, eine Tochtergesellschaft der Vienna Insurance Group (VIG) aus Österreich. Durch den Whole-Life Charakter kann gezielt das Nachlassmanagement realisiert werden. Alles ohne Whole-Life-Tarif ist suboptimal, denn mit dem Ablauf bzw. Ende eines Lebensversicherungsvertrages endet jegliche Planung. Ein Whole-Life-Tarif endet erst mit dem Tod der versicherten Person bzw., bei mehreren versicherten Personen (Generationenpolice), mit dem Tod der letztversterbenden versicherten Person. So kann gezielt der Nachlass über die Bezugsrechte und Vorversterbensfallregelungen für die Erben gemanagt werden. Trotzdem haben diese jederzeit ein Recht, über das Guthaben ganz oder teilweise zu verfügen. Ein immenser Vorteil ist zudem, dass mit dem Ableben der versicherten Person eine Todesfallleistung fällig wird. Eine Todesfallleistung ist grundsätzlich einkommens- und somit abgeltungssteuerfrei. Das heißt im Klartext, dass in letzter Konsequenz alle Kursgewinne, alle Zinsen und alle Dividenden zur einkommenssteuerfreien Auszahlung kommen, die während der Versicherungszeit sowieso steuerfrei sind. Hier zeigt sich der Gegensatz zu einem Versicherungsvertrag, der z. B. zum 85. Lebensjahr endet und dessen Zugewinne versteuert werden müssen.

» Und wo liegen die Vorteile im Bereich Vermögensmanagement?

Klein: Einer der entscheidenden Vorteile ist vor allem die zeitgemäße Vielfalt der Investmentmöglichkeiten, die dem Kunden ein Maximum an individueller Gestaltungsfreiheit für sein Portfolio einräumt. Konkret können die Privatanleger aus einem Fondsuniversum von rund 7.000 Fondsprodukten auswählen. Das persönliche Portfolio kann daher exakt an die Präferenzen, Anlageziele sowie die gewünschten Risikoklassen des Kunden angepasst werden. Insbesondere können über den Multi-Invest-Ansatz auch mehrere einzelne Fondsdepots mit jeweils eigenen Chancen-/Sicherheitsprofilen parallel geführt werden. So sind sogar Fonds-Vermögensverwaltungen sowie Einzelfondsdepots parallel möglich. Umstrukturierungen der Investmentstrategien sind dabei stets kosten- und steuerneutral möglich. Einzahlungen in einzelne Teildepots können flexibel vorgenommen werden und die Möglichkeit nachträglicher Zuzahlungen in variabler Höhe sowie Entnahmen sind für den Anleger ohne besondere Beschränkungen und Stornokosten realisierbar.

» Ist die Private Wealth Police damit die perfekte Kombination aus den maximalen Möglichkeiten der Lebensversicherungswelt, gepaart mit vermögensverwaltenden Fondsinhalten?

Klein: Zumindest liefert ein solches Konzept Antworten und auch Möglichkeiten, beispielsweise zu aktuellen Entwicklungen im Lebensversicherungsmarkt. Die Intention der Private Wealth Police ist es, für Privatkunden in Zusammenarbeit mit professionellen Partnern im Vermögens-, Finanz- und Nachlassmanagement individuelle und persönliche Lösungen für den Schutz und den Erhalt des Vermögens zu entwickeln. Kernelement ist ein effizienter Rahmen, der das Vermögen vor hoher steuerlicher Belastung schützt und die Weitergabe des Vermögens an die nächste(n) Generation(en) gezielt ermöglicht. Dem Faktor Anlage- und Kapitalsicherheit trägt die Private Wealth Police zudem gleich in dreifacher Weise Rechnung: Erstens durch die umfangreichen Möglichkeiten der Diversifikation über verschiedenste Fondslösungen, zweitens durch die Struktur des Produkts als integrierte Versicherungslösung, die Finanz-, Vermögens- und Nachlassmanagement in einem Produkt kombiniert, sowie drittens wegen der strikten Regelungen des Liechtensteiner Versicherungsaufsichtsgesetzes.

Norbert Neunhoeffer, Geschäftsführer AssetStandard GmbH

finanzwelt extra 06/2015 | Investmentfonds