Infrastruktur ist Megathema in Südostasien

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Dale Nicholls

Südostasien stand im Schatten der beiden Großmächte China und Indien. Nun rückt die Region verstärkt in den Fokus westlicher Investoren. Insbesondere Infrastrukturmaßnahmen sind interessant und bieten Erträge.

(fw/ah) Dale Nicholls, Portfoliomanager des Fidelity Pacific Fund, fasst die Chancen zusammen und geht ferner in einem aktuellen Marktkommentar auf die Situation in China und Japan ein.

,,China steht aktuell vor einigen Herausforderungen: Es wird interessant sein zu sehen, ob die Regierung ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 7,5 % dauerhaft aufrechterhalten und gleichzeitig die Geldpolitik verschärfen kann. Auch die Geschwindigkeit, mit der die Verschuldungsrate steigt, und die Auswirkungen, die dies auf die Kreditvergabe hat, müssen genauestens beobachtet werden.
Andererseits: Selbst wenn das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts unter 6 % fallen sollte, ist dies immer noch eine beneidenswerte Wachstumsrate. Hinzu kommt, dass die Reformen, die im November verkündet wurden, aus meiner Sicht kräftigen Rückenwind für die Unternehmen und Sektoren des “neuen China” bedeuten. Trotz aller Herausforderungen gibt es in der zweitgrößten Volkswirtschaft für Stock-Picker Anlagechancen in Hülle und Fülle. Deshalb habe ich China in meinem Fonds übergewichtet.
Besonders interessant ist der dortige IT-Sektor. Es gibt zahlreiche aussichtsreiche Geschäftsmodelle, die sich in entwickelten Märkten längst bewährt haben. Das Autoverkaufsportal Bitauto ist sehr erfolgreich und profitabel. Die Erlöse wachsen aktuell jährlich um rund 30 %. Das Unternehmen ist nicht nur beim Neuwagenverkauf im Internet führend, sondern auch bei Gebrauchtwagen – einem künftig stark wachsenden Markt in China. Außerdem stellt es Autohändlern Marketing-Software und Dienstleistungen zur Verfügung. Dass sich der führende US-Anbieter Autotrader.com jüngst eine signifikante Beteiligung an Bitauto gesichert hat, ist eine Bestätigung des enormen Potenzials, das in Bitauto steckt.

In Japan sind die Bedingungen für eine Belebung der Wirtschaft so günstig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Premierminister Shinzo Abe hat im Parlament eine Mehrheit und muss sich erst in vier Jahren Sorgen um eine Wiederwahl machen. Zudem ist sein Rückhalt in der Öffentlichkeit groß. Sein dreistufiger Plan – die drei Pfeile – zur Sanierung der Wirtschaft ist in vollem Gange. Die ersten beiden Maßnahmen, die aggressive Geldpolitik und Konjunkturprogramme, haben die Anlegerstimmung für japanische Aktien bereits deutlich angehoben. Der dritte Pfeil Abes, die Strukturreformen, ist die größte Herausforderung. Ich fürchte, dass die Erwartungen des Marktes hier noch zu optimistisch sind.
Deshalb habe ich Japan untergewichtet. Allerdings gibt es auch hier selektive Investmentgelegenheiten, beispielsweise im Bereich Finanzdienstleister außerhalb der Banken. Einer meiner größten Favoriten ist Orix, ein Pionier in der Entwicklung des japanischen Leasing-Geschäftes. Es ist ein gut geführtes Unternehmen, das den Gewinn pro Aktie vermutlich deutlich verbessern wird. Die Gründe dafür liegen unter anderem in geringeren Kreditkosten, im Wachstum im margenstarken Überseegeschäft und einer Neubewertung seines Immobiliengeschäfts. Diese Faktoren sind meiner Meinung nach noch nicht in der Aktie eingepreist, ihre Bewertung ist attraktiv.

Die ASEAN-Region leidet unter Handelsbilanz- und Haushalsdefiziten sowie einem langsamer werdenden Wachstum. Ich erwarte dort auch künftig ein geringeres Wachstum als wir es im vergangenen Jahrzehnt gesehen haben. Allerdings gibt es auch hier Branchen, die schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft. Ich mag vor allem Unternehmen, die vom Anstieg der Infrastrukturausgaben profitieren. Toyo Thai ist hier gut aufgestellt. Anleger sollten sich jedoch bewusst sein, dass es in dieser Region auch künftig große Schwankungen im Marktsentiment geben wird. Sie eröffnen langfristig ausgerichteten Stock-Pickern gute Kaufgelegenheiten.”

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