Inflation: So schirmt man sich richtig ab

Dr. Marc-Oliver Lux, Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG / Foto: © Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG

Für die jüngere Generation ist es eine neue Erfahrung, für die ältere Generation eine böse Erinnerung: zweistellige Inflation. Fast Jahrzehnte weitgehend konstanter Preise sind mit einem Schlag vorbei, und so wie es aussieht, wird uns eine Inflation von über fünf Prozent jährlich auch länger erhalten bleiben.
Die schleichende Geldentwertung bringt vor allem Tages- und Festgeldfans regelmäßig um einen Großteil ihrer Rendite.

Aktien: Der optimale Inflationsschutz

Wer Aktien oder aktiennahe Fonds besitzt, kann der Teuerung ruhigen Auges entgegenblicken. Grund: Steigende Preise bedeuten auch steigende Unternehmensgewinne, was wiederum den Kursen guttut. Das gilt insbesondere in jenen Industriezweigen, wo die Firmen die wachsenden Kosten, die ihnen wegen teurer Vorprodukte und steigender Löhne entstehen, auch an die Abnehmer ihrer Erzeugnisse weitergeben können. Experten sprechen in diesem Kontext von „Preissetzungsmacht”. In Branchen wie dem Pharmabereich oder bei begehrten Elektronikartikeln und Luxusgütern ist diese erfahrungsgemäß besonders groß. Und noch ein Faktor spricht allgemein für Aktien: Studien aus den USA zeigen, dass auch die Dividenden im Inflationsumfeld meistens schneller wachsen als das allgemeine Preisniveau. Auch hier also streichen Anleger reale Zusatzrenditen ein.

Anleihen: Real nur Verluste

Steigt die Inflation, folgen irgendwann die Zinsen, so die Grundregel. Die Notenbanken haben spät reagiert, aber nun umso heftiger: In nie dagewesener Geschwindigkeit hat zum Beispiel die US-Notenbank FED ihre Leitzinsen von praktisch Null auf 4,00 Prozent angehoben mit weiter steigender Tendenz. Das hat zu einem regelrechten Crash am Bondmarkt geführt, denn bereits umlaufende Anleihen mit längeren Laufzeiten sind angesichts des aktuell viel höheren Zinsniveaus unattraktiv geworden; die Anleihenkurse fielen entsprechend drastisch. Generell gilt: In einer inflationären Welt, in der Geld nominal an Wert verliert, ist derjenige im Vorteil, der Schulden macht – und nicht derjenige, der Schulden kauft. Anders ausgedrückt: Anleihebesitzer haben bei Inflation das Nachsehen, weil ihr investiertes Kapital zum Laufzeitende real weniger wert ist als zu Beginn. Der Anpassungsprozess zu höheren Zinsen und Renditen am Anleihenmarkt ist im Gange, wird aber wohl noch einige Zeit beanspruchen.

Immobilien: „Betongold“ verliert bei Inflation seinen Glanz

Dass der eigene Grund und Boden, am besten noch hübsch bebaut, die beste Abwehr vor einer steigenden Teuerung bietet, ist ein Trugschluss. Wer in Immobilien zur Vermietung investiert, ist vor Teuerung nur dann geschützt, wenn er seine Mehrkosten – etwa in Form steigender Handwerkerrechnungen oder höherer Abschläge für Abwasserentsorgung – auf seine Mieter abwälzen kann. Wo dies nicht möglich ist – etwa bei einem Angebotsüberhang an Objekten, wie er in vielen ländlichen Regionen üblich ist oder bei staatlich überwachten Mietobergrenzen – funktioniert dieser Schutz nicht.

Gold: Knappheit macht begehrt

Für sicherheitsorientierte Anleger ist Gold immer noch ein bevorzugter Zufluchtsort vor Inflation. Das Kalkül: Anders als Papiergeld ist Gold angebotsmäßig begrenzt, also werthaltiger als Liquidität. Doch obwohl historisch gesehen der Goldpreis tatsächlich oft steigt, wenn die Teuerung an Fahrt gewinnt, ist für den Anlageerfolg vor allem der Einstiegszeitpunkt relevant. Außerdem ist zu beachten, dass bei Direktinvestitionen in Gold bisweilen hohe Lagerkosten anfallen können. Und: Steigen die Zinsen inflationsbedingt wieder, ist Gold als zins- und dividendenloses Investment im Nachteil.

Unsere Empfehlung: Wir vertrauen voll und ganz auf die Aktienanlage, gerade in einem inflatorischen Umfeld. Langfristig erzielen Aktien die größten Realrenditen.

Kolumne von
Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München