In der Warteschleife

Es locken umfangreiche Kundenbeziehungen

Türöffnergeschäft ist natürlich auch für Makler ein großes Thema – und somit die E-Scooter. Aber sprechen sie es auch gezielt im Bestand an? Rolf Schünemann, Vorstandsvorsitzender der BCA AG, sagt dazu: „Mit dem Thema E-Scooter- Policen ist ein komplett neuer Versicherungszweig entstanden. Auch wenn dieser naturgemäß beraterseitig quasi noch in seinen Kinderschuhen steckt, ist alleine der Umstand, dass eine Privathaftpflicht Schäden durch den Betrieb eines E-Scooters nicht abdeckt und demzufolge eine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung nötig wird, für viele Makler mit ganzheitlicher Aufstellung Grund genug, sich diesem Thema zuzuwenden.“ Seiner Beobachtung nach entdeckten insofern nun schon seit geraumer Zeit immer mehr Versicherungsmakler diesen Umstand für sich, einerseits reaktiv, weil sie von Kunden zum Thema angesprochen würden, andererseits aktiv durch gezielte Information im Kreis der Bestandskunden. Und sobald sich der E-Scooter als nachgefragtes Mobilitätsvehikel weiter etabliere, dürfte sich der Makleranteil, der sich mit stimmigen Ansprachekonzepten an seine jeweilige Kundenklientel wende, noch beträchtlich erhöhen. Widersprüchlich sind hingegen die Beobachtungen anderer Pools. Norbert Porazik, Geschäftsführer der Fonds Finanz Maklerservice GmbH, berichtet etwa: „Seitdem E-Scooter im Juni 2019 auch in Deutschland zugelassen wurden, nehmen wir eine verstärkte Nachfrage vonseiten unserer Makler bezüglich Versicherungen wahr.“ Dabei gehe es sowohl um Fach- als auch um Abwicklungsfragen. Makler, die den Trend erkannt hätten, nutzten die aktuelle Medienpräsenz demnach auch gezielt für die Kundenansprache. Vom Konkurrenten blau direkt heißt es hingegen: „Nach bisherigen Erfahrungen wird das Thema E-Scooter-Versicherung im Bestand nicht aktiv beworben, da sich interessierte Kunden hier von sich aus bei Ihrem Makler melden.“ Einige Makler nutzten das Thema dagegen aber proaktiv für die Neukundenakquise. Das liegt ja auch nahe, kann das Thema E-Scooter ja möglicherweise etwa den Verkauf von Unfallpolicen pushen. Zumindest aus Sicht von Jan Wendt, Abteilungsleiter Kfz-Versicherung bei blau direkt: „Die Unfallpolice kann gleich beim Abschluss der E-Scooter-Versicherung mit angesprochen werden“. Porazik ergänzt hierzu: „Derzeit stehen in den Medien häufig negative Berichte über E-Scooter im Fokus, die sich auf Konflikte mit der Polizei und Unfälle konzentrieren. Dadurch gewinnt der Cross-Selling-Ansatz hinsichtlich des Abschlusses einer Unfallversicherung durchaus an Bedeutung.“ E-Scooter könnten durchaus als Aufhänger genutzt werden. Und Schünemann denkt noch einen Schritt weiter: „Wenn man bedenkt, dass die E-Scooter-Nutzung im öffentlichen Straßenverkehr bereits für Jugendliche ab 14 Jahren aufwärts zulässig ist und das persönliche Unfallrisiko deutlich erhöht wird, sind aus unserer Sicht schon alleine hierdurch zwei weitere überzeugende und vernunftgegebene Argumente pro privater Unfallversicherung gegeben.“ Insofern sollte beim Makler immer auch das Thema Unfall sowie auch Arbeitskraftabsicherung in der Kundenansprache Berücksichtigung finden. Diese faktisch neue Gefahrenquelle könne also sicher dazu beitragen, die Verkaufszahlen von Unfallpolicen, aber auch im Bereich Arbeitskraftabsicherung insgesamt zu erhöhen. (hdm)