In der Finanzbranche arbeiten? Lieber nicht!

Die Finanzbranche ist für Young Professionals häufig kein Traumarbeitgeber / Foto: © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Das Image der Finanzbranche bleibt schlecht und damit für Young Professionals wenig attraktiv – obwohl sie zu den Branchen mit den höchsten Gehältern zählt. Auch die Mitarbeiter der Branche sind wenig zufrieden und beklagen vor allem schlechte Führung und mangelnde Wertschätzung.

Im Rahmen des Young Professionals Barometers hat das Trendence Institut auch über 18.000 Young Professionals aller Branchen, mit akademischem Abschluss und bis zu zehn Jahren Berufserfahrung befragt. Darunter befinden sich auch ca. 1.100 Mitarbeiter in der Finanzbranche.

Finanzbranche bleibt unbeliebt

Gerade seit der Wirtschaftskrise 2008 hat das Image der Finanzbranche deutlich gelitten. Kein Wunder, gilt doch die vermeintliche Gier der Finanzbranche als hauptursächlich für die Krise. Wenig verwunderlich landet die Finanzbranche im Young Professionals Barometer bei der Jobwahl auf dem 14. von 15. Plätzen. Noch unbeliebter ist lediglich die Medien- und Werbebranche. Zwar hat die Attraktivität der Finanzbranche gegenüber der Vorjahresuntersuchung zugenommen. Jedoch öffnen sich die Young Professionals in diesem Jahr mehr Branchen bei der Wahl für einen neuen Job, sodass alle Branchen attraktiver werden. Einzige Ausnahme bildet hierbei die Automobilbranche, die aber weiterhin die beliebteste Branche bei der Jobwahl bleibt.

Die Attraktivität der Finanzbranche für die Befragten, die aktuell darin arbeiten, nimmt sogar leicht ab. Die Zahl derer, die sich auf jeden Fall in der Branche wieder bewerben würden, steigt zwar leicht. Noch stärker steigt aber auch die Zahl derjenigen, die sich keinesfalls wieder in der Finanzbranche bewerben wollen. Zudem schließt fast jeder dritte Young Professional aus, sich bei einer Bank oder eine Versicherung bewerben zu wollen. Keine andere Branche wird so häufig ausgeschlossen.

Die beliebtesten Versicherer kommen aus München

Wenn sie schon in der Finanzbranche arbeiten, dann wollen die Young Professionals am liebsten zur Allianz (31,7 %). Der zweit beliebteste Arbeitgeber der Finanzbranche und damit die beliebtesten Banken sind die EZB (19,4 %) und  Goldman Sachs (19,1 %). Die Investmentbank dürfte vor allem davon profitieren, dass sie angekündigt hat, wegen des Brexits die Zahl ihrer Jobs in Frankfurt zu verdreifachen.

Auch die Deutsche Bank (17,7 %), die Deutsche Bundebank (15,6 %), J.P. Morgan (14,2 %), die KfW Bankengruppe (11,2 %) und die Sparkassen Finanzgruppe (10,6 %) sind bei mehr als jeden zehnten Befragten beliebt.

Bei den Versicherungen klafft hinter dem beliebtesten Arbeitgeber eine deutlich größere Lücke: Nach der Allianz folgen mit deutlichem Abstand Munich Re (10,8 %), die AXA mit 5,4 %, die Techniker Krankenkasse (4,9 %), die AOK (4,1 %) und hauchdünn dahinter die R+V Versicherung.

Beschäftigte der Finanzbranche sind wenig zufrieden

Während branchenübergreifend die Zufriedenheit der Young Professionals mit ihrem Arbeitgeber steigt und der Wunsch nach einem neuen Job damit sinkt, sind die Mitarbeiter der Finanzbranche zunehmend unzufriedener. 80,5 % sind mit ihrem aktuellen Arbeitgeber zufrieden. Somit liegt die Finanzbranche unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 83,1 % und nur in den Branchen Medien und Werbung (79,7 %) und Logistik und Tourismus (75,9 %) gibt es noch weniger zufriedene Young Professionals.

Hauptgrund für die hohe Unzufriedenheit innerhalb der Finanzbranche ist fehlende Wertschätzung. So gaben ein Drittel der hier beschäftigten Young Professionals an, dass sie damit unzufrieden sein. Interessant: Obwohl die Gehälter in der Finanzbranche höher liegen als in vielen anderen Wirtschaftszweigen, empfinden ein Viertel der Beschäftigten bei Banken und Versicherungen ihr Einkommen als nicht ansprechend.

Aufgrund der hohen Unzufriedenheit ist die Wechselbereitschaft weiterhin auf hohem Niveau: 84,9 % der Befragten gaben an, offen für eine neue Arbeitsstelle zu sein oder sogar aktiv danach zu suchen, über alle Branchen hinweg sind es 84,2 % die so antworteten. Die Finanzbranche liegt damit bezüglich der Wechselbereitschaft auf Rang fünf. Die höchste Wechselbereitschaft besteht in der Branche Medien und Werbung mit 90,1 %.

Die hohe Wechselbereitschaft in der Finanzbranche könnte auch mit dem Wissen um die Möglichkeit zusammenhängen, relativ leicht eine neue Stelle zu finden. So gaben 77,4 % der Mitarbeiter von Banken und Versicherungen an, binnen der letzten zwölf Monate ein Jobangebot erhalten zu haben. Der Durchschnitt über alle Branchen hinweg beträgt 71,2 %. Die Jobangebote kommen besonders häufig von Headhuntern. (ahu)

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